Feuerfest

RHI Magnesita will mehrere Standorte schließen - möglicherweise auch in Österreich

Der Weltmarktführer bei Feuerfeststoffen verstärkt seine Anstrengungen bei der Digitalsierung und plant zugleich massive Kürzungen. Mehrere kleinere Produktionsstätten sollen in den nächsten Jahren geschlossen werden - einer davon möglicherweise auch in Österreich.

Der weltweit führende österreichische Feuerfest-Spezialist RHI, der vor gut einem Jahr mit der brasilianischen Magnesita fusionierte, setzt weiter den Sparstift an. Parallel dazu forciert der Rohstoffkonzern neue Technologien und Digitalisierung. Es wird modernisiert und rationalisiert - auch von den fünf Produktionsstätten in Österreich dürfte eine geschlossen werden: Trieben (Steiermark).

"Die großen Werke wie Radenthein und Veitsch werden größer und die kleinen werden wir schließen - aber nicht in den nächsten zwei Jahren", sagte CEO Stefan Borgas vor Journalisten in Wien. Global betrachtet betreibt RHI Magnesita 35 Produktions- und Rohstoffstandorte sowie 70 Vertriebsstandorte mit insgesamt rund 14.000 Mitarbeitern.

Österreichischer Standort Trieben ist gefährdet

Zu den kleineren, nicht profitablen Werken in Österreich zählt der Konzernchef Trieben, wie Borgas auf Nachfrage einräumte. Der Standort stehe "schon seit 20 Jahren zur Diskussion" - er sei "zu klein zum Überleben und zu groß zum Sterben".

White Paper zum Thema

Die anderen vier heimischen Produktionsstätten - neben Radenthein in Kärnten und Veitsch in der Steiermark sind das Breitenau (ebenfalls Steiermark) und Hochfilzen (Tirol) - würden von den technologischen Umstellungen "profitieren". Auch die Forschung in Leoben und die Zentrale in Wien zählten zu den Gewinnern der Fusion.

Am Wiener Firmensitz stammt jeder zehnte Mitarbeiter aus Brasilien

"Im Moment haben wir in Österreich deutlich mehr Mitarbeiter als vor einem Jahr", betonte der RHI-Magnesita-Chef. Damals seien es rund 1.850 Beschäftigte gewesen, nun seien es knapp 2.000. Allerdings verloren im Zuge der Fusion aber auch rund 120 Mitarbeiter ihren Job, andere wurden an anderer Stelle aufgenommen. Am Firmensitz in Wien stammen nun beispielsweise 10 Prozent der Belegschaft, also 30 bis 40 Arbeitnehmer, aus Brasilien - vor einem Jahr waren es null. Fusionsstichtag ist der 1. November 2017.

"Wir sind sehr viel entspannter als vor einem Jahr", meint Borgas. Die "harten" Aktivitäten, also die Personalmaßnahmen, seien "verdaut". Im Zuge der Fusion sollen weltweit rund 1.100 Posten gestrichen werden - 200 davon seien noch nicht gestrichen.

"Der Merger Magnesita ist immer noch ein großes Thema bei uns im Konzern, die großen Klippen sind eigentlich umschifft", berichtete der Konzernchef und betonte die "gute Stimmung" auf der heurigen Firmenweihnachtsfeier. "Da gibt's keine Fronten mehr - Wien ist internationales 'Headquarter' geworden, das ist ganz gut gegangen."

Einsparungen deutlich über 100 Millionen Euro

Insgesamt soll die Fusion "Synergien", sprich Einsparungen, in Höhe von 110 Mio. Euro bringen - "deutlich über 70 Mio. Euro" davon würden bereits heuer mit Jahresende "realisiert". Der "große Hebel" für die Kostensenkungen seien Digitalisierung, Automatisierung, Robotic, Big Data und Artificial Intelligence. In Radenthein gebe es ein Team, das sich dem jetzt stelle. Die technologische Umstellung in Radenthein soll in Zukunft auf alle Werke weltweit umgelegt werden. Für Forschung gibt die RHI jährlich rund 70 Mio. Euro aus.

Es dauert laut Borgas noch bis Mitte 2020, bis die Fusionsaktivitäten abgeschlossen sind. Der Feuerfestkonzern RHI Magnesita hat seinen Sitz in Wien und notiert an der Londoner Börse. (apa/red)