Reporting

"Es geht nicht um Greenwashing"

Sich einen grünen Anstrich zu verpassen, reicht nicht: Integriertes Denken der Führung müsse sich auch im Reporting widerspiegeln, sagt Harvard-Professor Robert Eccles.

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Herr Prof. Eccles, Sie gelten als der weltweit führende Experte des Integrated Reporting. Warum sind integrierte Geschäftsberichte aus Ihrer Sicht so viel besser als andere?
Robert Eccles Nichtfinanzielle Aspekte werden aus Investorensicht immer wichtiger. Vor allem Investoren aus den USA und Großbritannien fragen immer stärker nach, was Unternehmen machen, um soziale Verantwortung zu übernehmen oder wie ihre Antwort auf den Klimawandel aussieht. Der große Vorteil von Integrated Reporting ist, dass sich das Unternehmen mit verschiedenen Einflussfaktoren befassen muss, um sich dann für einige wenige Maßnahmen im Bereich ESG (Environment, Social, Governance, Anm.) zu entscheiden. Integrated Reporting lenkt den Fokus auf die Maßnahmen, die wesentlich für das Geschäftsmodell sind. Zum Beispiel fördere ich ein Bildungsprojekt, weil ich im Rennen um die besten Köpfe mit dabei sein möchte.

Sie sagen, Integrated Reporting ist ein starker internationaler Trend. Hat dieser auch bereits Europa und darunter Österreich erreicht?
Eccles Weltweit machen derzeit – mit Ausnahme von Südafrika, wo Integrated Reporting Gesetz ist – etwa 1.000 Unternehmen Integrated Reports. In den USA ist der Trend sicher schon stärker als in Europa. Aber auch in Europa ist der Druck da, einerseits durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen, wie sie die EU-Richtlinie vorgibt, andererseits durch die Investoren. In Österreich ist das Thema vielleicht auch deshalb noch nicht so angekommen, weil es wenige wirklich große Konzerne gibt.

Und wie sieht es bei den börsennotierten österreichischen Unternehmen aus?
Eccles Ich war bei meinem Wienaufenthalt mit einigen CFOs abendessen. Manche davon meinten, Sie bräuchten kein Integrated Reporting, weil das die österreichischen Investoren noch nicht interessiere. Doch ich schätze, über Pensionsfonds und dergleichen kommen auch in Österreich rund 15 Prozent der Investoren aus den USA. Und die interessiert das Thema sehr wohl.

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Nachhaltigkeitsberichte oder CSR-Berichte machen auch hierzulande schon etliche Unternehmen. Warum reicht das nicht?
Eccles Natürlich kann auch das Erstellen eines Nachhaltigkeitsberichts schon einiges bewirken. Wichtig ist, dass es nicht um Greenwashing geht, sondern um integriertes Denken. Es muss eine klare Strategie des Managements dahinterstehen. Ich habe als Vorstand zwei Möglichkeiten: Entweder ich sage dem Nachhaltigkeitsbeauftragten: "Verfasse einen schönen Bericht", und das war‘s, oder ich befasse ich mich mit Integrated Reporting. Und dann komme ich drauf, welche nichtfinanziellen Dinge in die Unternehmensstrategie passen und mich weiterbringen. 

Die EU-Richtlinie lässt die Möglichkeit aber offen, ob man einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht macht oder einen integrierten Geschäftsbericht.
Eccles Ob es nun ein, zwei oder mehrere Berichte sind, spielt keine Rolle. Nur sollten Aspekte, die das soziale oder ökologische Umfeld des Unternehmens betreffen, nicht komplett in eigene Berichte oder auch eigene Kapitel ausgelagert werden. Es geht um das integrierte Denken und dazu muss es ein klares Statement vom Vorstand und Aufsichtsrat geben. Die Stakeholder wollen wissen, was das Management als die wesentlichen Einflüsse auf das jeweilige Geschäftsmodell sieht und wie die wesentlichen Antworten darauf von Seiten des Managements aussehen.

Einige Unternehmen haben ihr Engagement in CSR-Projekte aber auch wieder zurückgefahren, weil sie meinten, das koste Geld und bringe nicht viel. Wie wollen Sie diese überzeugen?
Eccles Ich habe dazu mehrere Studien gemacht. Und diese zeigen ganz klar: Jene Unternehmen, die ESG-Aktivitäten machen und zwar einige wenige, die zu ihrem Unternehmen passen, sind auch finanziell besser aufgestellt. Die Erfolge stellen sich nicht sofort ein, aber die Untersuchungen zeigen ganz klar: Mittel- bis langfristig performen diese Unternehmen einfach besser.

Woran kann ich erkennen, dass ein Geschäftsbericht ein gutes Integrated Reporting ist und nicht nur Schönfärberei?
Eccles Der gesamte Prozess, warum welcher nichtfinanzielle Faktor als wichtig erachtet wird, ist sehr transparent und es gibt eine klare Wesentlichkeitsmatrix. Für Investoren ist somit klar ersichtlich, warum das Management welche ESG-Maßnahme ausgewählt hat und welche Effekte es davon für das Unternehmen erwartet.

Zur Person

Robert G. Eccles ist Professor in Harvard und gilt als der weltweit führende Experte für Integrated Reporting. Auch ist er Mitbegründer des International Integrated Reporting Council (IIRC) sowie Gründer und Vorsitzender des US-Rats für Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards (Sustainability Accounting Standards Board, SASB).