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Renault Österreich: Zentrale wandert nach Deutschland

Renault ist heuer erstmals seit zehn Jahren in die roten Zahlen gerutscht und will nun massiv sparen: Die Leitung des Vertriebs in Österreich wandert nach Deutschland. Die "grundsätzliche" Eigenständigkeit bleibe aber erhalten, heißt es bei Renault Österreich.

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Der französische Autobauer Renault bündelt seine Vertriebsaktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ab dem 1. März werden die Aktivitäten in einer gemeinsamen Vertriebsregion DACH zusammengefasst, unter der Leitung von Deutschland. Die Eigenständigkeit der drei Landesgesellschaften soll jedoch nicht angetastet werden.

"In dem Dreiländer-Verbund bleibt die grundsätzliche Eigenständigkeit der drei Landesgesellschaften erhalten", damit eine gezielte Bearbeitung der jeweiligen Märkte gewährleistet bleibe, hieß es in einer Aussendung von Renault Österreich. Ziel der neuen Struktur sei es, Abläufe und Prozesse stärker als bisher zu koordinieren und Doppelarbeiten zu vermeiden. Beispielsweise werden ausgewählte Backoffice-Tätigkeiten in den verschiedenen Bereichen zusammengelegt.

Geleitet werde die neue Vertriebsregion den Angaben zufolge von Renault Deutschland. Uwe Hochgeschurtz werde in Personalunion auch seine Funktion als Vorstandsvorsitzender der Renault Deutschland weiter innehaben. Olivier Wittmann, Country Operations Director der Renault Österreich, soll stellvertretender Leiter DACH werden. In der Schweiz verantwortet Claude Gregorini als Country Operations Director die Geschäfte von Renault Suisse.

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Der Renault-Konzern ist heuer erstmals seit zehn Jahren in die roten Zahlen gerutscht und will nun massiv sparen. Die Kosten sollen um mehr als zwei Milliarden Euro sinken. Ein Plan dafür ist im Mai geplant, wie Interimschefin Clotilde Delbos sagte. Auf dem Prüfstand stehen dabei auch Fabriken in Frankreich und in der ganzen Welt. "Wir haben kein Tabu, wir schließen nichts aus", sagte die Generaldirektorin bei der Vorlage der Geschäftszahlen in Boulogne-Billancourt bei Paris. In Österreich hat Renault keine Fabriksstandorte.

Delbos ließ erkennen, dass dringend gehandelt werden muss. Der Sparplan soll deshalb in Grundzügen noch vor der Ankunft des Italieners Luca de Meo verkündet werden. Der frühere Seat-Chef wird seinen neuen Posten als Generaldirektor bei Renault am 1. Juli antreten. Nach dem Skandal um den früheren Konzernchef Carlos Ghosn sucht der Hersteller schon länger nach einem Neuanfang - auch an der Spitze.

Der Fehlbetrag betrug im vergangenen Jahr 141 Millionen Euro nach einem Jahresüberschuss von 3,3 Milliarden Euro 2018. Der Umsatz des französischen Traditionskonzerns sank um 3,3 Prozent auf rund 55,5 Milliarden Euro. Der Verlust beruht teilweise auf einem kräftig gesunkenen Beitrag des kriselnden Partners Nissan. Die Japaner hatten bereits angekündigt, dass wegen schwacher Verkäufe erstmals seit elf Jahren einen Quartalsverlust eingefahren wurde.

Der Autobauer Renault, an dem auch der französische Staat beteiligt ist, hält 43,4 Prozent der Anteile an Nissan. Die Japaner sind zu 15 Prozent an Renault beteiligt, haben aber dabei keine Stimmrechte. Der französische Hersteller will im Mai neue Projekte für die französisch-japanische Autoallianz ankündigen, die nach Ghosns Fall ebenfalls in eine heftige Krise geraten war.

Delbos warnte darüber hinaus vor Risiken im Zusammenhang mit dem Coronavirus in China. Der Konzern habe dafür ein Krisenmanagement eingesetzt. Mit Ausnahme eines Standorts in Südkorea liefen derzeit alle Renault-Fabriken. Aus der besonders betroffenen Region Hubei in Zentralchina kommen aber viele Autoteile, sagte Delbos. Die Auswirkungen seien deshalb schwer abzusehen. "Das Problem ist: Wir haben keine Sicht", sagte sie. (awp/sda/dpa/apa/red)

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