Aurtoindustrie

Renault findet bei Carlos Ghosn keine Schuld

Während Japans Behörden die Ermittlungen gegen den Topmanager Carlos Ghosn weiter vorantreiben, findet Renault keine Verstöße bei der Bezahlung des Konzernchefs. Ghosn sitzt derzeit weiter in Untersuchungshaft, Nissan sucht aber auffallend langsam nach seinem Nachfolger.

Renault hat an der Bezahlung seines in Untersuchungshaft in Japan sitzenden Chefs Carlos Ghosn anders als das Partnerunternehmen Nissan rechtlich nichts zu beanstanden. Nach einer vorläufigen Schlussfolgerung habe die Vergütung des Automanagers den einschlägigen Gesetzen und Standards entsprochen, teilte Renault am Donnerstag mit.

Die Rechtsabteilung des Unternehmens werde die Vorwürfe von Nissan gegen Ghosn aber weiter untersuchen. Der Verwaltungsrat von Renault entschied, dass Ghosn Vorstandschef bleibt und an der Firmenspitze weiterhin vertreten wird.

Die Staatsanwaltschaft in Tokio wirft dem Gründer und langjährigen Chef der Unternehmensallianz von Renault, Nissan und Mitsubishi vor, die Höhe seiner Bezahlung von Nissan jahrelang verschleiert zu haben. Die am 19. November gegen ihn verhängte Untersuchungshaft verlängerte das Gericht in dieser Woche nach neuen Vorwürfen bei der Anklageerhebung. Ein Antrag seines Anwalts gegen die verlängerte U-Haft war gescheitert.

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Renaults Partnerunternehmen Nissan, das den Finanzskandal um Ghosn enthüllt hatte, verfolgt unterdessen die vermutete Veruntreuung von Firmengeldern rechtlich weiter. Der Autobauer verklagte Ghosns Schwester in Brasilien wegen unrechtmäßiger Bereicherung. Details der Klage waren zunächst nicht bekannt. Doch nach früheren Berichten der japanischen Tageszeitung Yomuri bewohnt die Schwester des in Brasilien geborenen Ghosn eine Dienstwohnung in Rio de Janeiro, die Nissan 2011 für den Autoboss gekauft hatte. Ghosn habe Nissan 2002 angewiesen, seiner Schwester im Jahr 100.000 Dollar (rund 88.000 Euro) für Beratertätigkeiten zu zahlen, die diese aber nicht erbracht habe. Ein Vertreter der Familie Ghosn war nicht unmittelbar zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Über das Apartment mit Strandlage an der Copacabana streiten Nissan und die Ghosns bereits vor Gericht. Das Unternehmen will der Familie den Zutritt untersagen lassen, damit keine Beweise für mögliche Gesetzesverstöße beiseite geschafft werden. Ghosn hingegen fordert, sein persönliches Eigentum an Bargeld, Dokumenten und Kunstobjekten herausholen zu können. Wie aus den Gerichtsunterlagen hervorgeht sind in der mit Designermöbeln ausgestatteten Wohnung drei Safes, die Nissan noch nicht öffnen konnte. Ghosns Anwalt in Brasilien, Jose Roberto de Castro Neves, erklärte gegenüber Reuters, er wisse nichts über die Safes und es sei auch absurd, hier Beweise zu vermuten.

Nissan lässt sich bei Nachfolgersuche für Ghosn Zeit

Der japanische Renault-Partner Nissan will sich mit der Entscheidung über einen Nachfolger für den in Tokio in Untersuchungshaft sitzenden früheren Verwaltungsratschef Carlos Ghosn Zeit lassen. Eine mit der Nachfolgefrage befasste Kommission werde ihre Beratungen fortsetzen, teilte der Konzern nach einer Vorstandssitzung in Yokohama mit.

Spekulationen um Machtbeschneidung von Renault bei Nissan

In Japan gibt es Spekulationen, wonach Nissan hoffe, den Einfluss des vom Staat gestützten französischen Partners auf das eigene Management zu reduzieren und die Allianz ausgewogener zu gestalten. Renault dagegen wolle seinen Einfluss auf Nissan behalten. Man wolle vorsichtig in dem Prozess einer Nachfolgeregelung für Ghosn sein, sagte Nissans Vorstandschef Hiroto Saikawa. Er wolle dies nicht überstürzen. Saikawa wird als möglicher Nachfolger von Ghosn gehandelt. Eine zu gründende Sonderkommission aus externen Experten solle sich nun um eine Verbesserung der Konzernführung kümmern, kündigte Nissan an. Empfehlungen hierfür werden im März kommenden Jahres erwartet.

Spekulationen auch in Frankreich

In Paris kursierten unterdessen neue Spekulationen über die künftige Führung von Renault. Wie die Zeitung "Le Figaro" unter Berufung auf namentlich ungenannte Quellen berichtete, könnte der bisherige Chef des großen Reifenherstellers Michelin, Jean-Dominique Senard, bei Renault eine Schlüsselrolle spielen. Der Staat, der mit 15 Prozent bei Renault beteiligt ist, habe den 65 Jahre alten Topmanager als Präsidenten bei dem Autobauer ins Spiel gebracht. Nach diesem Schema würde Renault-Manager Thierry Bolloré Generaldirektor bleiben. Eine Bestätigung dafür war nicht zu erhalten. (reuters/dpa/apa/red)

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