Bauindustrie

"Relativ entspannt": Warum Internorm keine Angst vor dem Brexit hat

Der namhafte oberösterreichischer Fensterhersteller hat im Vorjahr seinen Umsatz weiter erhöht - trotz des Brexit auch in Großbritannien. "Brexit, Zölle, Asyldiskussion hin oder her - wir pfeifen auf diese Dinge", sagt Christian Klinger, einer der Eigentümer von Internorm.

Der Fensterhersteller Internorm sieht dem Brexit "relativ entspannt" entgegen: Man habe in Großbritannien mit Produkten, die es dort nicht gebe, eine Nische besetzt, so Unternehmenssprecher und Miteigentümer Christian Klinger. Mit dem Geschäftsjahr 2018 ist er zufrieden - sowohl mit dem nicht genannten Ergebnis als auch mit dem Umsatz, der um 4 Prozent auf 344 Mio. Euro gestiegen ist.

"Nische besetzt"

"Die Zolldiskussion ist schon störend", räumte Klinger in einer Pressekonferenz in Linz ein. Aber Brexit, Zölle, Asyldiskussion hin oder her - "wir pfeifen auf diese Dinge, weil beeinflussen können wir sie ohnehin nicht". Zudem habe sich in der Wirtschaftskrise gezeigt, dass die Leute in schlechten Zeiten eher in Immobilien investieren, was einem Fensterhersteller im Fall eines Abschwungs zugutekommen könnte. Probleme würde er eher bei Zöllen zwischen den USA und Europa erwarten, allerdings exportiere Internorm kaum in die Staaten.

Großer Teil der Umsätze im deutschsprachigen Raum

Seinen Schwerpunkt hat Internorm mit Sitz in Traun (Bezirk Linz-Land) vielmehr im DACH-Raum, wo der Fensterhersteller etwa drei Viertel seines Geschäfts macht. Dort legte man 2018 um 5,8 Prozent zu - in Österreich, wo man nach Unternehmensangaben den Marktanteil von 14,7 auf 15,4 Prozent ausbaute, stieg der Auftragseingang um 3,6 Prozent, in Deutschland um 8,9 und in der Schweiz um 8,2 Prozent.

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In Frankreich und Italien sank der Auftragseingang hingegen um 5,4 bzw. 5,5 Prozent, was das Internorm-Management auch auf die politische Lage in diesen Ländern zurückführt. Vor allem in Frankreich hätten das dritte und vierte Quartal Sorgen gemacht, "dort ist einfach die Stimmung zusammengebrochen", so Klinger, Stichwort "Gelbwesten". Allerdings hat Frankreich nur 5 Prozent Anteil am Export von Internorm. Großbritannien habe 3,5 Prozent Anteil - wohl auch ein Grund, warum man einem Brexit eher ruhig entgegensieht. Der andere ist, dass man eine Nische besetzt, denn im UK seien noch Einscheibenglas-Fenster üblich, hier bringe Internorm mit energieeffizienten Fenstern Know-how auf die Insel. Insgesamt wuchs die Exportquote 2018 um 3 auf gut 58 Prozent.

Flaute im Sanierungsgeschäft

Das Geschäft verlagert sich derzeit wieder mehr in Richtung Neubau und weniger in Richtung Sanierung, berichteten Klinger und Geschäftsführer Johann Pichler. Das führen sie u.a. auch auf den Trend zu großflächigen Verglasungen zurück, die in Altbauten schwerer einzubauen seien, also würden viele lieber gleich neu bauen. Seit 2008 habe sich die Größe eines durchschnittlichen Fensters verfünfundzwanzigfacht, rechnete Klinger vor. Für das Unternehmen brachte diese Mode zwei wesentliche Änderungen: Zum einen musste man eine eigene Logistik dafür entwickeln und zum anderen steigt die Nachfrage nach elektrischen Steuerungen für große Hebe-Schiebetüren.

Investitionen geplant

2019 will Internorm 23 Mio. Euro investieren, deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. 2018 waren es etwa 18 Mio. Euro. Wofür konkret das Geld ausgegeben werden soll, wurde noch nicht verraten, nur so viel: Es gehe um den Ausbau und die Modernisierung der Werke für neue Produkte, den Vertrieb und "sonstige Investitionen". (apa/red)

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