Elektroindustrie

Rekordjahr bei AMS - Digitalsparte von Osram wird verkauft

Der steirische Sensorspezialist AMS hat ein Rekordjahr erwirtschaftet und den Gewinn mehr als verdreifacht. Die Prognose ist allerdings wegen des Coronavirus schwierig. Auch gibt es weiterhin keinen Beherrschungsvertrag mit Osram - dessen Digitalsparte trotzdem schon verkauft werden soll.

Der steirische Sensorspezialist und neue Osram-Mehrheitseigner AMS hat ein Rekordjahr hinter sich. 2019 erwirtschaftete das Unternehmen einen Gewinn von knapp 300 Millionen Euro, wie es am Dienstag in Premstätten mitteilte. Das ist mehr als das Dreifache des Vorjahres. Der Umsatz kletterte von 1,4 auf 1,9 Milliarden Euro.

Dabei habe der Apple-Zulieferer im Schlussquartal von einem starken Smartphone-Geschäft und einer höheren Nachfrage nach 3D-Sensoren profitiert, erklärte das Unternehmen. Der Konzern, der im Dezember eine Mehrheit an Osram übernommen hat, liefert die Sensorik für iPhone-Displays und die 3D-Gesichtserkennung.

Damit füllen sich die Kassen des Unternehmens, um die finanziellen Belastungen aus der Übernahme der Mehrheit am größeren Münchner Lichtkonzern Osram zu stemmen. In der Bilanz für 2019 macht sich der Kauf bisher vor allem durch die 19,99 Prozent an Osram bemerkbar, die AMS direkt erworben hat. Sie trieben die Nettoverschuldung und erhöhten die Refinanzierungskosten. Im laufenden Jahr sind größere Effekte zu erwarten, doch AMS will die Verschuldung im Verhältnis zum operativen Ergebnis dann in den kommenden Jahren rasch abbauen.

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Prognose wegen des Coronavirus schwierig

Für das erste Quartal dämpfte AMS-Chef Alexander Everke die Erwartungen. Da die Nachfrage zu Jahresbeginn üblicherweise schwächer sei, werde der Umsatz zwischen 480 bis 520 Millionen Dollar (438 bis 475 Mio. Euro) gesehen - was deutlich niedriger ist als im vierten Quartal, wo Erlöse von 655,3 Millionen Dollar verbucht wurden. Die operative Marge dürfte auf 19 bis 21 Prozent sinken. Im Schlussquartal lag sie bei 28 Prozent. In der Prognose seien keine negativen Auswirkungen des Coronavirus in China berücksichtigt. AMS geht derzeit noch davon aus, dass der Virusausbruch "keinen erheblich negativen Einfluss auf das Geschäft" haben wird.

Zu den Folgen des Virus hielt sich Everke bedeckt. AMS hat in China selbst keine Produktion, das Geschäft könnte aber von Lieferunterbrechungen beeinträchtigt werden. Apple hatte bis 9. Februar alle Geschäfte und Firmenbüros auf dem chinesischen Festland geschlossen. Der iPhone-Hersteller ist beim Verkauf von Smartphones als auch bei der Lieferkette und der Fertigung stark von China abhängig. Einige Firmen fahren ihre Fabriken nach den verlängerten Werksferien nun wieder hoch.

Osram: Beherrschungsvertrag als Ziel

Zudem hat AMS zuvor seine Entschlossenheit bekräftigt, bei Osram einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag anzustreben. Um die dafür notwendigen 75 Prozent der anwesenden Stimmen auf einer Hauptversammlung zu erreichen, könnte das Unternehmen auch an der Börse weiter zukaufen, wie es am Dienstag mitteilte. AMS schätzt aber, dass Hedgefonds einen Anteil von 10 bis 15 Prozent an Osram halten. Für das kombinierte Unternehmen strebt das Management ein zweistelliges Wachstum sowie eine operative Marge von über 25 Prozent an.

Die Ankündigung des Beherrschungsvertrags dürfte auch strategische Gründe haben: Sie fixiert den Preis, den AMS nach einem solchen Vertrag den Minderheitsaktionären anbieten müsste auf den gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Und der ist mit gut 42 Euro weit unter dem aktuellen Kurs von Osram, der Dienstagvormittag bei rund 47 Euro lag.

Die Strategie dahinter

Die an der Züricher Börse gelistete AMS hat nach zähem Ringen rund 60 Prozent der Osram-Aktien eingesammelt und rechnet mit einem Abschluss des Deals bis zum Sommer. So lange könnten sich die Genehmigungen der Kartellbehörden hinziehen. Für den Beherrschungs-und Gewinnabführungsvertrag müssen die Osram-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung mit einer Mehrheit von mindestens 75 Prozent grünes Licht geben. Diese Hauptversammlung erwartet AMS für August.

AMS versucht, sich von Apple unabhängiger zu machen und sein Geschäft auf breitere Beine zu stellen. Einerseits mit Sensoren für Autos und Industrieanwendungen, andererseits bei Android-Smartphones. Analysten zufolge macht der Osram-Kauf strategisch Sinn, da sich die Produkte ergänzen. Osram stellt LED-Beleuchtung her, AMS optische Sensoren.

AMS sucht Käufer für Digital-Sparte von Osram

Zeitgleich will sich AMS nach einem Käufer für die Digital-Sparte von Osram umsehen. "Das digitale Geschäft von Osram passt nicht wirklich zu AMS, wir suchen dafür ein besseres Zuhause", sagte Finanzchef Michael Wachsler-Markowitsch zur Nachrichtenagentur Reuters.

Die Sparte beschäftigt sich mit Großprojekten zur Beleuchtung von Sportstadien oder Industrieanlagen. Grundsätzlich wolle AMS nur Geschäfte betreiben, die auf lange Sicht nachhaltiges Wachstum und Rendite bringen. "Wir prüfen alles, es gibt keine Tabus", sagte der Finanzchef. AMS habe alle übernommenen Unternehmen auf Wachstumskurs geführt und sie profitabel gemacht.

Bei der Übernahme von Osram gehe es AMS nicht um die erwarteten Synergieeffekte von 300 Mio. Euro, sondern um die Entwicklung gemeinsamer Produkte. Ein Jobabbau sei nicht geplant, bekräftigte der Manager.

Nach einer für August erwarteten außerordentlichen Hauptversammlung zum anvisierten Beherrschungsvertrag mit Osram strebe AMS eine rasche Streichung des Münchner Konzerns vom Kurszettel der Börse an. "Je schneller wir das machen, desto besser ist es. Je länger wir warten, desto teurer wird es, da wir erwarten, ein wachsendes Geschäft zu übernehmen", sagte Wachsler-Markowitsch. (reuters/dpa/apa/red)

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