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Herstellkosten

Reduktion der Herstellkosten – natürlich, aber wie?

Es gibt eine Menge Methoden, Kosten zu senken und zu optimieren und die Produktkomplexität zu senken. Fraunhofer Austria verfolgt dabei einen Mix aus den Methoden Should-Costing und Wertanalyse.

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Viele Unternehmen stehen vor der Frage, wie sie ihre Einkaufs-, Beschaffungs-, Produktions- und Logistikkosten senken, Distribution, After-Sales-Service, IT und Overheadkosten optimieren, die Produktkomplexität reduzieren sowie das Umlaufvermögen minimieren können. Hierfür steht eine Vielzahl an Methoden zur Verfügung.

Bevor Unternehmen allerdings ihre Herstellkosten reduziert können, müssen diese definiert werden. Laut International Accounting Standard 2 (IAS 2) setzen sich Herstellkosten aus den Kosten des Erwerbs, Kosten der Herstellung und sonstigen Kosten, die anfallen, um die Vorräte an ihren derzeitigen Standort und in ihren derzeitigen Zustand zu versetzen, zusammen.

Fraunhofer Austria verfolgt bei der Reduktion der Herstellkosten einen erfolgreichen Methodenmix aus den Methoden Should-Costing und Wertanalyse.

Should-Costing

Das Should-Costing wird vor allem in Beschaffungsprozessen eingesetzt. Es unterstützt ein Unternehmen bei der Beantwortung der Frage, wie viel ein bestimmtes Produkt, ein Bauteil oder eine Dienstleistung kosten sollte bzw. ob die aktuellen Kosten angemessen sind. Dabei kann es sich sowohl um ein Produkt von einem Lieferanten als auch um ein eigengefertigtes Produkt des Unternehmens handeln.

Der Bottom-up Ansatz der Methode Should-Costing bietet dabei sowohl eine hohe Einsicht in die Prozesse von Lieferanten, Unterstützung bei der Ermittlung von Kostentreibern und Verständnis der Kostenentstehung für ein Produkt, eine detaillierte Identifikation von Kosteneinsparungspotenzialen und eine solide Grundlage für Vertragsverhandlungen mit Lieferanten.

Wertanalyse

Die Wertanalyse wird als zentrale Methode des Value Managements angesehen. Die Kosten und Ressourceneinsätze von Produkten sollen verringert werden, ohne Qualität, Zuverlässigkeit und Funktion des Produktes negativ zu beeinflussen. D.L. Miles definierte die Wertanalyse als "[…] eine systematische, schöpferische Methode, die das Ziel hat, wirksam unnötige Kosten festzustellen, das heißt, Kosten, die weder zur Qualität, noch zum Nutzwert, noch zur Lebensdauer, noch zur äußeren Erscheinung beitragen, noch zu anderen Eigenschaften, die dem Kunden erwünscht sind."

Der Top-down Ansatz der Methode Wertanalyse bietet sowohl eine funktionenorientierte Vorgehensweise. Mit Hilfe einer Funktionsanalyse werden unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Aspekte bestehende Lösungen hinterfragt und die Erarbeitung alternativer kosteneffizienter Lösungen gefördert, als auch einen Wissensaustauch und ein verbessertes Produktverständnis durch interdisziplinäre Teamarbeit, durch eine kreative Vorgehensweise die Förderung von Innovation und Generierung von Lösungsideen um Markt- und Kundenanforderungen erfüllen zu können und auch eine systematische, organisierte und dokumentierte Vorgehensweise.

Ersparnis von bis zu zehn Prozent

Mithilfe dieses Methodenmix aus Wertanalyse und Should-Costing können unsere Wissenschaftler auf Basis ihrer Projekterfahrung konkrete Handlungsfelder zur Kostenreduktion aufzeigen und Einsparungen von bis zu zehn Prozent der Herstellkosten erreichen.

Häufig beobachten wir bei Unternehmen eine hohe Hemmschwelle, ein proaktives Kostenmanagement anzuwenden und dieses auch nachhaltig im Unternehmen zu verankern. Diese Hemmschwelle baut Fraunhofer Austria durch strukturiertes und methodisches Vorgehen ab. Denn erst durch die Schaffung von Kostenwahrheit und Transparenz als Basis für ein proaktives Kostenmanagement können Einsparungspotentiale identifiziert und Kosteneffizienz nachhaltig im Unternehmen etabliert werden. Dazu braucht es ein klares Bekenntnis um die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen langfristig sicherzustellen.

Dipl.-Ing. Alexander Schmid ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Fraunhofer Austria Research GmbH.

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