Abfallwirtschaft

Recyclingwirtschaft: Chinas Importstopp von Plastikmüll eine Chance

China hat die Nase voll von der Lawine aus Plastikmüll aus Übersee. Für Europas Abfallwirtschaft sei der Importstopp eine Chance, heißt es beim deutschen Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung.

China will im Kampf gegen die Umweltverschmutzung die Einfuhr von Abfällen aus dem Ausland weiter einschränken. Ab Ende 2018 dürften bestimmte Metallschlacke und Chemieabfälle nicht mehr importiert werden.

Auch von Plastikmüll hat Peking die Nase voll. Bisher war die Einfuhr von Müll aus dem Ausland für China ein bedeutender Wirtschaftszweig. So importierte das Land im Jahr 2016 rund 7,3 Millionen Tonnen Plastikmüll im Wert von drei Milliarden Euro. Ende 2017 hatte China die Annahme von Abfällen aus dem Ausland aber eingeschränkt.

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Nun betont die deutsche Recyclingbranche, dass diese Entscheidung für die Abfallwirtschaft hierzulande neue Geschäftschancen biete.

"Für Kunststoffabfälle ist die Tür nach China zwar zu, aber Recyclate für die kunststoffverarbeitende Industrie sind begehrt - auch in China", sagte Thomas Probst vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung in München. Es gelte daher, mehr von neuen Möglichkeiten und weniger von Schwierigkeiten zu sprechen.

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Regelung im Detail

Seit 1. Jänner dürfen Plastikabfälle und andere Abfallsorten nicht mehr nach China eingeführt werden. Seither zeige sich, dass der Müll stärker nach Vietnam oder Malaysia exportiert werde, sagte Probst. Auch in Richtung Osteuropa, beispielsweise nach Bulgarien oder in die Ukraine, nähmen die Exportmengen zu. "In der Größenordnung wie China wird es aber keine Alternativen geben."

Nach Probsts Einschätzung dürfte es in den genannten Ländern ebenfalls bald zu ähnlichen Importregulierungen kommen. "Der Export von Kunststoffmüll hat keine Zukunft, und das ist auch gut so."

Mehr Recyclinganlagen in Deutschland nötig

Um die Wiederverwertungsquoten bei Kunststoffabfällen in Deutschland anzuheben, würden mehr Sortier- und Recyclinganlagen, aber auch eine stärkere Nachfrage nach Produkten aus Recyclaten, also wiederverwertbaren Kunststoff-Granulaten, benötigt, sagte Probst.

"Wie die Nutzung von Papier aus Altpapier heute selbstverständlich ist, muss auch die Nutzung von Kunststoffprodukten aus Recyclaten zukünftig selbstverständlich sein. Jeder sollte heute schon nach Produkten mit Recyclatanteil suchen." Eine Vorreiterrolle sieht Probst bei der öffentlichen Hand, etwa in Bundes- und Landesbehörden, aber auch bei bundeseigenen Unternehmen wie der Deutschen Bahn, die stärker auf Recyclingprodukte setzen sollten.

Millionen Tonnen Plastikmüll jedes Jahr - die Hälfte wird einfach verbrannt

Nach Angaben des deutschen Umweltbundesamts fielen 2015 in Deutschland gut 3 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle aus Kunststoffen an, gut die Hälfte davon landete in der Müllverbrennung. Durch das Verpackungsgesetz, das Anfang 2019 in Kraft tritt, soll die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen von bisher 36 Prozent bis zum Jahr 2022 auf 63 Prozent ansteigen. Auch aus Sicht des Umweltbundesamt müssen deshalb die Anlagenkapazitäten ausgebaut werden. So seien derzeit sechs Sortieranlagen für Leichtverpackungen deutschlandweit in Bau.

Auf der derzeit in München stattfindenden Messe Ifat geht es auch darum, die Lawine an neuen Verpackungen aus Kunststoff einzudämmen und mehr vom Plastikmüll zu recyceln. Experten reden über Möglichkeiten, wie man die enorme Verschmutzung von Plastik und Mikroplastik in allen Ozeanen, Flüssen, in der Arktis und Antarktis in den Griff zu bekommen und die Frage erörtern, was Umwelttechnologien dabei leisten können. (dpa/apa/red)

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