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Rainer Seele: "Ich liebe hohe Preise"

Österreichs größter Industriekonzern hat sein Ergebnis im Vorjahr verdoppelt - vor allem dank steigenden Preisen. Aber nicht nur: Die OMV sei wieder kerngesund aufgestellt und könne schon bei einem Ölpreis von 25 Dollar positiv arbeiten, so Konzernchef Seele.

Die OMV hat besonders in der zweiten Jahreshälfte 2017 von günstigen Marktumfeld profitiert und ihr operatives Ergebnis von -32 Mio. auf 1,73 Mrd. Euro ins Plus gedreht. "Alle unsere Preise sind im Durchschnitt zwischen 10 bis 20 Prozent über dem Vorjahr gelegen", sagte OMV-Chef Seele zur APA.

Die Dividende soll um ein Viertel auf 1,50 Euro je Aktie angehoben werden. "Aber dieser Erfolg ist auch die Handschrift der OMV", man habe die Produktion gesteigert und die Kosten gesenkt, betonte Seele.

Ölpreise steigen deutlich

Der Manager verwies auch auf einen um zehn Dollar höheren Ölpreis, einen um 3 Euro pro Megawattstunde höheren Gaspreis und eine um über einen Dollar verbesserte Raffineriemarge. Auch die Petrochemiemargen seien deutlich gestiegen.

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Allerdings habe man nicht nur von den höheren Preisen profitiert. "Wir haben die Produktion im zweistelligen Bereich auf ein Rekordniveau gesteigert und die Produktionskosten um 15 Prozent (auf 8,8 Dollar/boe, Anm.) gesenkt." Das Kostensenkungsziel, das eine Kostenreduktion um 250 Mio. Euro gegenüber 2015 vorsah, habe man übertroffen und 330 Mio. Euro an Kosten gesenkt.

"Schon ab 25 Dollar positiv"

"Die OMV ist kerngesund und kräftig aufgestellt", wesentlich robuster also noch vor wenigen Jahren, sagt OMV-Chef Rainer Seele. "Wir können heute bereits bei einem Ölpreis über 25 Dollar Cashflow-positiv arbeiten. 2015 lag diese Zahl noch bei 70 US-Dollar", sagte Seele am Mittwoch bei der Präsentation der Ergebniszahlen für das Geschäftsjahr 2017.

"Wir haben ein bereinigtes Ergebnis vor Sondereffekten von knapp 3 Mrd. Euro erwirtschaftet. Damit haben wir unser operatives Ergebnis gegenüber 2016 verdoppelt", berichtete der OMV-Chef. "Ein annähernd so gutes Ergebnis konnte das Unternehmen zuletzt 2013 erzielen, allerdings bei einem doppelt so hohen Ölpreis."

Tagesproduktionsrekorde

Bei der Förderung habe man 2017 mit 348.000 Barrel Erdöl und Erdgas pro Tag einen Höchststand in der Geschichte der OMV erreicht. "Die Reserven-Ersatzrate lag das zweite Jahr in Folge über 100 Prozent. Unseren Raffinerien waren trotz geplanter Wartungsstillstände zu 90 Prozent ausgelastet." Die OMV-Referenzmarge für die Raffinerien sei um mehr als ein Viertel gestiegen.

Dank der Beteiligung am russischen Gasfeld Juschno Russkoje habe man die Produktion im vierten Quartal bereits auf den Rekordwert von 377.000 boe/d gesteigert. "Was aber noch viel wichtiger ist: Wir konnten unsere Produktionskosten innerhalb von zwei Jahren massiv reduzieren - sie liegen nun bei 8,8 Dollar pro Barrel im Vergleich zu 13,2 Dollar im Jahr 2015." Die Mitarbeiterzahl ist im vergangenen Jahr um rund tausend auf nunmehr rund 20.700 gesunken, das "reflektiert die Veräußerung der Petrol Ofisi" in der Türkei.

Raffineriemarge trotzdem höher

Die Raffineriemarge sei im letzten Jahr trotz des gestiegenen Ölpreises höher gewesen. "Wir hatten insbesondere im dritten Quartal Ausfälle von Raffineriekapazitäten an der US-Golfküste durch den Hurrikan 'Harvey'. An einigen Tagen hatten wir Spitzenwerte bis zu 9 Dollar bei den Raffineriemargen." Im heurigen Jänner sei die Raffineriemarge durch den starken Anstieg des Ölpreises auf zeitweise bis zu 70 Dollar deutlich unter Druck geraten. In Februar habe sich die Marge wieder etwas erholt.

Allerdings würden die Raffineriemargen nicht nur von den Rohöleinstandskosten bestimmt, sondern vor allem von der Nachfrage und den Kapazitäten: "Ich liebe hohe Preise."

Einstieg in Sibirien mit weitreichenden Folgen

Einer der Meilensteine für 2018 sei die Finalisierung des Vermögenstauschs mit Gazprom, so Seele. Hier spießt es sich bei den Verhandlungen aber noch bei der Frage der Einflussmöglichkeiten auf die Geschäftsführungen der beiden Geschäftseinheiten, etwa in welchem Umfang man mit eigenen Mitarbeitern im Management der beiden Gesellschaften vertreten sei. "Das ist der Hauptpunkt."

Auch auf die Zahlen des laufenden Jahres wird sich der Einstieg der OMV ins sibirische Gasfeld Juschno Russkoje deutlich auswirken. "Die Produktion der OMV wird heuer erstmalig über 400.000 Barrel pro Tag gehen. Wir haben für 2018 erstmals einen Richtwert für die Produktion die so bei 420.000 Barrel am Tag liegen wird. Wir haben dementsprechend auch eine höhere Gasproduktion im Portfolio, das heißt, die Sensitivität auf den Ölpreis hat dadurch natürlich etwas abgenommen." Um zu sagen, wie stark das Projekt Juschno Russkoje zum Jahresergebnis beitragen werde, sei es jetzt allerdings noch zu früh.

Kritik an der Kritik an Nord Stream 2

In den angedrohten neuen Sanktionen der USA gegen Russland sieht Seele einen Schaden für die Wirtschaft Europas entstehen - und natürlich für die OMV selbst. Seiner Meinung nach versuchen die USA die geplante neue Gasröhre Nord Stream 2 zu verhindern, die derzeit von Gazprom unter Beteiligung der OMV und anderen europäischen Mineralölmultis geplant wird.

Seeles Kritik richtete sich auch gegen die EU und einzelne EU-Staaten. Jeden werde man bei der Diskussion über Nord Stream 2 nicht überzeugen können, "es sei denn, wir würden die Transitkapazitäten in der Ukraine und in Polen voll buchen".

Man werde den Bau von Nord Stream 2 konsequent weiterverfolgen, betonte Seele. Den dazu nötigen Finanzierungsbeitrag aufzustellen, dürfte kein Problem sein: "Den Cash-Bestand haben wir nahezu verdoppelt, er lag zum Jahresende bei 3,972 Mrd. Euro." Der Verschuldungsgrad habe sich von 21 auf 14 Prozent reduziert, "damit liegt die OMV deutlich unter der langfristigen Zielmarke von 30 Prozent".

Der Mittlere Osten wieder im Visier

Seele will aber nicht nur auf Russland setzen, man wolle im Portfolio einen Ausgleich zwischen den einzelnen Regionen schaffen. "Wir sind in Russland bei 100.000 Barrel am Tag mit Juschno Russkoje. Wenn es uns gelingen sollte, in Middle East auch eine solche Position aufzubauen, dann hätte die OMV einen guten Job gemacht."

Die OMV-Kernregionen habe man mit einer Produktion von mindestens 50.000 Barrel pro Tag (bpd) definiert. In der Region MENA (Naher Osten und Nordafrika) könnte man alleine in Libyen "wenn wir voll fahren würden die 50.000 über Investitionen darstellen". Derzeit habe man in Libyen nur die Hälfte zur Verfügung. Der Produktionsbeitrag aus Libyen soll heuer ähnlich wie im Vorjahr sein.

Wohin es wirklich geht, erzählt Seele in drei Wochen Investoren in London

Details seiner künftigen Strategie will Seele in drei Wochen am Capital Markets Day in London präsentieren.

Im vierten Quartal 2017 hat die OMV ihr CCS operatives Ergebnis vor Sondereffekten (um Lagereffekte bereinigt) um 67 Prozent auf 688 Mio. Euro gesteigert und im Gesamtjahr auf 2,958 Mrd. Euro beinahe verdoppelt. Der den Aktionären zuzurechnende CCS Überschuss wurde im vierten Quartal auf 367 (Vorjahr: 153) Mio. Euro mehr als verdoppelt, im Gesamtjahr stieg er um 63 Prozent auf 1,624 Mrd. Euro.

Das operative Ergebnis der Gruppe dreht im Gesamtjahr von -32 Mio. auf 1,732 Mio. Euro ins Plus, der Periodenüberschuss von -183 Mio. auf 853 Mio. Euro. Der den Aktionären zuzurechnende Periodenüberschuss verbesserte sich von -403 Mio. auf 435 Mio. Euro. Der Free Cashflow nach Dividenden stieg um knapp zwei Drittel auf gut eine Milliarde Euro. Das Ergebnis je Aktie betrug 1,33 Euro (nach -1,24 Euro).

Die Gesamtproduktion der OMV stieg im vergangenen Jahr um 12 Prozent auf 348.000 boe/d (Fass Öl-Äquivalente pro Tag), der Umsatz legte um 5 Prozent auf 20,22 Mrd. Euro zu. Im vierten Quartal betrug die Produktion im Schnitt 377.000 Barrel pro Tag.

(red/apa)