Energiewirtschaft

Proteste bei Siemens in ganz Deutschland

An den deutschen Standorten von Siemens gehen die Proteste gegen die massive Kündigungswelle weiter. In Berlin haben Arbeiter eine Menschenkette um ein Gasturbinenwerk gebildet - wahrscheinlich die erste Menschenkette dieser Art überhaupt.

Die Proteste gegen die angekündigten Stellenstreichungen und Standortschließungen bei Siemens gehen weiter. In Berlin haben die Beschäftigten des Siemens-Gasturbinenwerkes eine Menschenkette um ihren Betrieb gebildet und diesen symbolisch "umarmt", wie die IG Metall meldet. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) reihte sich in die Menschenkette ein.

Werke seien "Innovationsführer" in ihrem Bereich

Das Gasturbinenwerk und das von der Schließung bedrohte Dynamowerk seien Innovationsführer bei ihren Produkten. "Dafür, dass das auch in Zukunft so bleibt, kämpfen wir", erklärte Klaus Abel, erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin.

Siemens hatte zuvor angekündigt, weltweit 6.900 Jobs zu streichen, davon 3.300 in Deutschland. Siemens begründet seine Abbaupläne vor allem in der Kraftwerkssparte mit einem "rasant zunehmenden Strukturwandel" bei der fossilen Stromerzeugung und im Rohstoffsektor. Der Konzern kündigte zugleich an, das die Stellenstreichungen "so sozialverträglich wie möglich" verlaufen sollen.

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Werke im Osten Deutschlands besonders betroffen

Die Standorte Leipzig und Görlitz sollen ganz geschlossen werden. In der Kraftwrksprojektsplanung sollen Offenbach und Wien mit Erlangen zusammengelegt werden. Man will sich auf Erlangen konzentrieren. In Wien werden wie berichtet 200 Stellen gestrichen.

In Berlin, Görlitz, Leipzig und an anderen Standorten hatten Beschäftigte und Politiker in den vergangenen Tagen bereits gegen die Streichungspläne protestiert.

"Konzern steht weltweit exzellent da"

Die Berliner Bundestagsabgeordnete und stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Eva Högl forderte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, den drohenden Stellenabbau bei Siemens zur Chefsache zu machen.

Der Konzern stehe weltweit exzellent da. "Es gibt Alternativen zu diesem Stellenabbau, und die Politik kann dafür Unterstützung anbieten - so wie sie dem Konzern in der Vergangenheit ja auch Wege geebnet hat, sich im Ausland gut zu platzieren", so Högl gegenüber Medien.

Siemens-Sprecherin: Mit "Maßnahmen" Kündigungen vermeiden

Siemens-Personalchefin Janina Kugel bekräftigte, dass betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden sollen. Sie sprach dabei von "den üblichen Instrumenten" wie etwa "Abfindungen, Beschäftigungsgesellschaften, Weiterqualifizierungen, Frühpensionierungen, Altersteilzeit."

Seien genug Mitarbeiter bereit, diesen Maßnahmen zuzustimmen, "dann gibt es keinen Grund, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen", meint Kugel. Die IG Metall hatte Siemens "Vertragsbruch" vorgeworfen, weil der Konzern entgegen einer Vereinbarung von 2010 betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr ausschließt.

Wirtschaftsweise: Politik und Firmen sollen Strukturwandel nicht unterdrücken

Die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel verteidigte indes den drastischen Stellenabbau bei Siemens. Der Konzern reagiere damit auf den Nachfragerückgang im Kraftwerkbereich, sagte sie der "Bild am Sonntag".

Politik und Unternehmen sollten diesen Strukturwandel nicht unterdrücken. "Das würde langfristig noch mehr Arbeitsplätze kosten", sagte Schnabel. Wegen des drohenden Fachkräftemangels sollte Siemens aber auch neue Einsatzmöglichkeiten für die Mitarbeiter suchen.

Merkels offizielle Stellungnahme: Entscheidung von großer Tragweite für ganz Deutschland

Auch Angela Merkel hat offiziell Stellung zu den geplanten Kündigungen bezogen - allerdings nicht persönlich, sondern über ihren Sprecher. "Die Bundesregierung bedauert die Ankündigung von Siemens, seine Werke in Leipzig und Görlitz zu schließen und die Arbeitsplätze abzubauen", so Merkels Sprecher Steffen Seibert.

Dies sei eine Unternehmensentscheidung, die nicht nur für die betroffenen Menschen und Regionen, sondern für den Industriestandort Deutschland von großer Tragweite sei. (afp/reuters/apa/red)

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