Autozulieferer

Proteste bei Continental gegen massive Streichung von Arbeitsplätzen

Der Zulieferriese Continental will weitere Werke schließen und plant einen massiven Abbau von Arbeitsplätzen. In den nächsten zehn Jahren sollen bis zu 20.000 Stellen wegfallen. Mitarbeiter protestieren vor der Konzernzentrale dagegen.

Der deutsche Autozulieferer Continental treibt den von massiven Stellenstreichungen begleiteten Konzernumbau voran. Der Aufsichtsrat habe den unlängst für mehrere Standorte angekündigten Anpassungen zugestimmt, teilte der Dax-Konzern am Mittwoch im Anschluss an eine außerordentliche Sitzung des Kontrollgremiums mit.

Weitere Werke werden geschlossen

Demnach werden die Werke in Roding in der Oberpfalz und Newport News in den USA geschlossen. Im hessischen Babenhausen und in Limbach-Oberfrohna in Sachsen fallen ebenso Stellen weg wie im italienischen Pisa. In diesen Werken werden Teile wie Hochdruckpumpen oder Einspritzdüsen hergestellt. Insgesamt werden in einer ersten Welle gut 5.000 Stellen abgebaut.

Keine Hydraulik-Technik für Verbrennungsmotoren mehr

Continental zieht sich nach dem heutigen Entscheid definitiv aus dem Geschäft mit Hydraulik-Technik für Verbrennungsmotoren zurück. Entsprechende Pläne des Vorstands bestätigte der Aufsichtsrat. Die Fertigung hydraulischer Komponenten für Benzin- und Dieselantriebe solle "in den kommenden Jahren" auslaufen, erklärte das Unternehmen. "Hintergrund ist der durch verschärfte Abgasgesetze beschleunigte, disruptive Umstieg der Autoindustrie auf Elektromobilität", hieß es. Die Hydraulik-Nachfrage sei eingebrochen.

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In den nächsten Jahren sollen bis zu 20.000 Stellen verschwinden

Conti hatte Ende September einen Umbau angekündigt, von dem binnen zehn Jahren insgesamt bis zu 20.000 Stellen betroffen sein werden, fast ein Zehntel der Belegschaft. Etwa 7.000 Arbeitsplätze von mehr als 62.000 Stellen in Deutschland stehen auf der Kippe. Auch betriebsbedingte Kündigungen schließt Conti nicht aus. Mit dem Programm stemmt sich der Konzern gegen die Autokrise und richtet sich zugleich stärker auf die Digitalisierung und die Elektromobilität aus. (reuters/apa/red)

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Hunderte Mitarbeiter protestieren an den Standorten

Vor der Konzernzentrale in Hannover protestierten nach Angaben der IG Metall mehrere hundert Beschäftigte der von Personalabbau bedrohten Standorte.

Nach Angaben der IG Metall kamen 870 Beschäftigte zu der Kundgebung, auch aus besonders betroffenen Standorten wie Babenhausen (Hessen), Roding und Regensburg (Bayern) oder Oppenweiler (Baden-Württemberg), ebenso aus Gifhorn und Hannover-Stöcken. In den Werken selbst liefen parallele "Aktionstage", die Chemiegewerkschaft IG BCE schloss sich den Protesten an. Eine Unterschriften-Tafel wurde der Konzernführung übergeben und im Foyer der Zentrale aufgestellt.

IG-Metall-Vizechefin Christiane Benner - zugleich stellvertretende Vorsitzende des Continental-Aufsichtsrats - kritisierte, der Umbauplan sei überhastet: "Wir wollen die Prozesse verbessern. Aber wir brauchen mehr Zeit." Das Management dürfe die Veränderungen nicht einfach mit Verweis auf die schwierige Lage der Autobranche möglichst schnell durchdrücken. Bisher sei zudem unklar, wie genau die Spitze den Konzern langfristig aufstellen wolle - dabei dürfte es auch noch lange eine Nachfrage nach Technik für Diesel- und Ottomotoren geben. Die bisher vorgesehenen Qualifizierungsmaßnahmen reichten nicht aus, meinte Benner: "Es müssen alle Beschäftigten mitgenommen werden." (dpa/apa/red)

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