Stahlproduktion

Produktion von Rohstahl geht weltweit zurück

Weltweit stellen Stahlkonzerne weniger Rohstahl her - dabei fallen die Rückgänge in Europa sogar vergleichsweise milde aus. Ein einziges Land verzeichnet unter den großen Herstellerländern ein Plus. Hier der Überblick.

Die Produktion von Rohstahl ist im Oktober weltweit um drei Prozent gesunken. Im Vergleich zum Oktober 2014 ging die Gesamtmenge von Rohstahl auf 134 Millionen Tonnen zurück. Das geht aus den Marktdaten hervor, die 66 Länder an den internationalen Stahlverband World Steel Association melden. Nach Angaben des Verbands findet nahezu die gesamte Rohstahlproduktion der Welt in diesen Ländern statt.

Rückgäng in Europa vergleichsweise gering

Demnach wurden in den ersten zehn Monaten des heurigen Jahres 1 346 Millionen Tonnen Rohstahl produziert. Im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres entspricht das einem Rückgang von 2,5 Prozent. In den Ländern der Europäischen Union ist die Rohstahlproduktion um 0,7 Prozent gesunken.

Einen deutlichen Ausreißer stellt Ungarn dar: Hier liegt der Zuwachs bei satten 56 Prozent, allerdings beträgt die Produktion der ersten zehn Monate 2015 vergleichsweise bescheidene 1,4 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Österreichs Stahlhersteller produzierten heuer bis Oktober 6,4 Millionen Tonnen.

Unter den Großen eine einzige Ausnahme - weltweit

Auffällig ist erstens, dass unter den zehn größten Produktionsländern der Welt nur ein einziges Land heuer zwischen Jänner und Oktober einen Zuwachs verzeichnen kann - Deutschland. Aber auch hier liegt das Plus bei mageren 0,3 Prozent. Allerdings steht gerade auch die Stahlindustrie beim wichtigsten Handelspartner Österreichs unter Druck - vor allem die steigenden Billigausfuhren aus China machen der Branche weltweit zu schaffen. Die deutsche Stahlbranche hat deshalb gerade ihre Erwartungen zum heurigen Jahr vor wenigen Tagen nach unten geschraubt.

Und hierzulande kann die heimische Voestalpine der Flaute trotzen, so melden die Linzer für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres bei Umsatz und Gewinn ein deutliches Plus. Auch für das zweite Halbjahr erwartet die Voestalpine eine Zunahme - ist jedoch deutlich weniger optimistisch.

Zum anderen fällt der Rückgang in Russland vergleichsweise gering aus - und das trotz der Sanktionen des Westens im Zuge des kriegerischen Konflikts Moskaus gegen die Ukraine.

Reindustrialisierung der USA stockt

Drittens schließlich ist auch der weiter anhaltende Rückgang bei der Stahlindustrie der USA beachtlich, und das trotz der sehr billigen Energie, für die gerade die Förderungen mit der Fracking-Technologie sowie der sehr niedrige Ölpreis sorgen. Von einer in der Vergangenheit oft thematisierten "Reindustrialisierung" Amerikas kann offenbar derzeit keine Rede sein, wenn man die Stahlproduktion als einen zentralen Sektor der Schwerindustrie betrachtet. Denn unter dem Strich liefert die Stahlindustrie der weltgrößten Volkswirtschaft nicht einmal doppelt so viel wie die Stahlbetriebe in Deutschland.

Statistiken der einzelnen Länder

Für einige ausgewählte Länder meldet der Verband folgende Werte - hier für die ersten zehn Monate 2015 sowie die Veränderung zum selben Zeitraum des Vorjahres in Prozent.

Produktion 01.-10.2015, Veränderung zum Vorjahreszeitraum in Prozent:

Österreich 6,38 Millionen Tonnen (minus 3,2 Prozent)

China 675,10 Millionen Tonnen (minus 2,2 Prozent)

Europäische Union 141,59 Millionen Tonnen (minus 0,7 Prozent)

Japan 87,82 Millionen Tonnen (minus 5,1 Prozent);

USA 67,24 Millionen Tonnen (minus 8,8 Prozent)

Russland 59,31 Millionen Tonnen (minus 0,2 Prozent)

Deutschland 36,21 Millionen Tonnen (plus 0,3 Prozent)

Brasilien 28,24 Millionen Tonnen (minus 1,3 Prozent)

Türkei 26,55 Millionen Tonnen (minus 6,9 Prozent)

Italien 18,59 Millionen Tonnen (minus 8,8 Prozent)

Die Statistiken für weitere Länder hat der Verband hier in einer PDF veröffentlicht.  (pm)