Zulieferindustrie

Prevent bereitet Milliardenklage gegen Volkswagen vor

Nächste Eskalationsstufe im Streit zwischen VW und dem umstrittenen Zulieferer Prevent. Die der bosnischen Investorenfamilie Hastor gehörende Firmengruppe bereitet eine riesige Klage gegen Volkswagen vor, nachdem der Autobauer die Zusammenarbeit beendet hat.

Der Streit zwischen Volkswagen (VW) und der Zuliefergruppe Prevent eskaliert einem Medienbericht zufolge. Prevent-Firmen bereiten eine Milliardenklage vor, die bald zu Gericht gehen soll, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Klage in Milliardenhöhe

Ein Prevent-Sprecher bestätigte der Zeitung, dass derzeit eine Klage auf Schadenersatz ausgearbeitet werde, die nach ihrer Fertigstellung umgehend eingereicht werde. "Dies wird in der nächsten Zeit geschehen." In der Branche sei von zwei Milliarden Euro die Rede.

Die genaue Höhe stehe noch nicht fest, so der Sprecher. Aber eines sei klar: Die Klage werde "im Milliardenbereich liegen". Hinzu kommen solle eine Strafanzeige wegen "Eingehungsbetrug", weil VW nie vorgehabt habe, eine mit Prevent-Firmen eingegangene Vereinbarung auch einzuhalten.

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Prevent hat alteingesessene deutsche Zulieferer nach und nach aufgekauft

Zur Prevent-Gruppe gehören mehrere alteingesessene deutsche Firmen, darunter ES Guss und Car Trim in Sachsen. Diese Unternehmen beliefern Autobauer mit Komponenten aller Art.

Der bosnische Investor Nijaz Hastor hat diese Unternehmen nach und nach aufgekauft. In der Zeit danach kam es immer häufiger zu Konflikten zwischen den Zulieferern und Autobauern.

Die Prevent-Gruppe hat ihren Hauptsitz in Slowenien, produziert aber hauptsächlich in Bosnien, wo der Konzern rund 5.000 Leute beschäftigt. Haupteigentümer ist der Bosnier Nijaz Hastor. Er war Medienberichten zufolge vor dem Bosnien-Krieg als Ingenieur in leitender Position bei Prevent in Sarajevo beschäftigt. Der Hersteller baute damals die Modelle "Käfer" und "Golf" für Volkswagen. Nach dem Krieg bekam Nijaz Hastor bei der Privatisierung den Zuschlag von Prevent und startete den Betrieb wieder. Mehr dazu hier: VW-Zulieferstreit: Eine Gruppe aus Bosnien als wichtiger Player >>

 

Hintergründe zum aktuellen Fall

VW hat kürzlich mehrere Aufträge fristlos gekündigt, was Prevent nicht hinnehmen will. VW erklärte auf Anfrage der Zeitung, die angekündigte Milliardenklage entbehre aus Sicht des Konzerns "jeglicher Grundlage". Aktuell dazu: VW kündigt Prevent fristlos: Beide Seiten zahlen drauf >>

Man sei 2016 durch einen "rechtswidrigen Lieferstopp" der Prevent-Töchter ES Guss und Car Trim in eine prekäre Lage gebracht worden. Nur wegen der damaligen Zwangslage (gemeint ist der Produktionsstopp in VW-Werken) habe man sich auf ein Eckpunktepapier über eine weitere Zusammenarbeit mit der Prevent-Gruppe eingelassen. "Die Tatsache, dass wir die Vereinbarung für anfechtbar halten, haben wir der Prevent-Gruppe von Anfang an mitgeteilt." Deshalb liege auch keine "Eingehungsbetrug" vor. (reuters/apa/red)

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