Erdgas

Präsident der Ukraine warnt Berlin wegen Nord Stream 2

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko bittet Deutschland, sich am umstrittenen Erdgasprojekt Nord Stream 2 nicht zu beteiligen. Der Bau der neuen Röhre ist auch in der EU sehr umstritten.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat kurz vor seinem Besuch in Berlin Deutschland gedrängt, vom umstrittenen Gas-Pipeline-Projekt Nord Stream 2 mit Russland Abstand zu nehmen. "Deutsche Politiker und Unternehmer sollten das genau bedenken", sagte Poroschenko dem "Handelsblatt".

Eckdaten zum Projekt

Die gut 1.200 Kilometer lange Pipeline soll russisches Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland bringen. Die Federführung liegt beim russischen Staatskonzern Gazprom. An der Finanzierung sind unter anderen der Energiekonzern Uniper, die BASF-Tochter Wintershall und die österreichische OMV beteiligt.

Streit zwischen Russland und der Ukraine flammt immer wieder auf

Es handle sich allein um ein politisches Vorhaben, das Russland finanziere und das "keine ökonomisch gerechtfertigte Grundlage" habe. "Nord Stream 2 ist das politische Bestechungsgeld für die Loyalität zu Russland, eine Wirtschafts- und Energieblockade gegen die Ukraine zu verhängen und uns massiv zu schaden", sagte er. Russland und die Ukraine haben schon mehrfach über Gas-Preise und -Lieferungen gestritten. Zudem unterstützt die Regierung in Moskau pro-russische Separatisten in der Ost-Ukraine.

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"Ein außerordentlich unzuverlässiger Partner"

Poroschenko warnte, Russland sei "ein außerordentlich unzuverlässiger Partner", auch im Energiesektor. Es gebe zudem eine gute und günstigere Alternative: nämlich den Ausbau und die Modernisierung der bestehenden Gas-Transitpipeline durch die Ukraine.

"Wir sind sehr gern bereit, unsere europäischen Partner an der Leitung der Pipeline-Gesellschaft zu beteiligen", bot der ukrainische Präsident an. Ohne riesige Investitionen könne die Pipeline ausgebaut werden. "Fragen sie uns einfach, statt zehn Mrd. Dollar in Nord Stream 2 zu investieren."

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Die deutsche Regierung sieht das Vorhaben als eine rein unternehmerische Investition. An dem Projekt beteiligt sich neben russische auch etliche deutsche Firmen. Kürzlich waren die letzten Planungs-Genehmigungen für Deutschland erteilt worden. (reuters/apa/red)