Logistik

Post bremst Amazon aus

Die Post AG übernimmt das Zustellgeschäft der DHL in Österreich. Weil mit Amazon einer der größten Kunden Interesse zeigte?

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Die Österreichische Post hat einen Mitbewerber weniger: Sie übernimmt im Laufe des Jahres 2020 den Großteil des Zustellgeschäftes der deutschen DHL in Österreich. Nicht betroffen von der Übernahme sind die Aktivitäten der DHL Group im internationalen Expressgeschäft aus Österreich, beim Frachttransport und bei Supply-Chain-Lösungen in Österreich. Trotzdem dürfte es durch die Übernahme zu einer Konzentration am stark wachsenden heimischen Zustellmarkt kommen: Die Österreich-Tochter der Deutschen Post hält am Paketmarkt in Österreich laut Branchenradar rund 27 Prozent Marktanteil, die Post AG (Umsatz Paketgeschäft 2018: 552 Millionen Euro) rund 47 Prozent.

Nennenswerten Wettbewerb hätte die Post in der Paketbeförderung, wie Branchenradar ausweist, künftig noch durch den Anbieter Hermes, der 2018 auf knapp 12 Prozent Marktanteil kam, durch den Anbieter DPD (zehn Prozent Marktanteil) sowie den Onlinehändler Amazon (geschätzter Marktanteil derzeit: zwei Prozent), der seit Herbst im Großraum Wien selbst nach eigenen Angaben rund 30.000 Pakete täglich zustellt. Der Online-Riese aus Seattle ist auch der Grund für den Rückzug der DHL: Mit dem Markteintritt von Amazon und dem Wegfall von mittelfristig drei Millionen Paketen in Österreich dürfte den Deutschen die Wachstumsphantasie abhandengekommen sein. In der Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass der Online-Riese aus Seattle durchaus Interesse zumindest an der Infrastruktur von DHL in Österreich mit 220 Mitarbeitern in Verteilzentren bei Graz, in Wien-Liesing, in Enns (Eröffnung: Mitte 2019) sowie am Flughafen Wien gehabt hat. Doch die Österreichische Post AG dürfte mit dem Deal den Amerikanern zuvorgekommen sein, heißt es.

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Bleibt die Frage nach der Marktbeherrschung: Immerhin halten Post AG und DHL vor dem Zusammenschluss zusammen fast 75 Prozent der Marktanteile im Privatkundenbereich. Die Bundeswettbewerbsbehörde hat eine Prüfung angekündigt, auch weil grundsätzlich im Kartellrecht in Österreich ab 30 Prozent Marktanteil automatisch von einer marktbeherrschenden Stellung ausgegangen wird. Doch es gibt durchaus gute Argumente gegen das Postulat der Marktbeherrschung: Durch den Einstieg von Amazon in das Liefergeschäft dürften sich die Marktanteile stark verschieben – es ist nicht davon auszugehen, dass der Marktanteil des globalen Online-Riesen Amazon in Österreich bei jenen zwei Prozent (erwirtschaftet ausschließlich rund um Wien) verbleibt, der dem Unternehmen für das Vorjahr ausgewiesen wird: Nach eigenen Angaben lieferte Amazon im Dezember aus dem Verteilerzentrum Großebersdorf täglich 30.000 Pakete aus, die Post kam im arbeitsreichen Weihnachtsgeschäft auf 115.000 Pakete täglich. Wie schnell sich Marktanteile ändern können, zeigt auch das Wachstum: Im Geschäftskundensegment stieg das Volumen der Paketauslieferungen in Österreich 2018 um 2,1 Prozent auf 95 Millionen Stück, im Konsumentengeschäft sogar um 14,6 Prozent auf fast 133 Millionen Stück.

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