Bauindustrie

Porr: Weniger Gewinn wegen massiver Expansion in Deutschland

Der Überschuss des zweitgrößten österreichischen Baukonzerns ist um knapp fünf Prozent gesunken. Der Auftragsbestand legte um ein Drittel zu. Bei der Expansion in Deutschland sei "der eine oder andere Fehlgriff dabei" gewesen, so Konzernchef Karl-Heinz Strauss.

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Der Baukonzern Porr hat 2017 infolge der massiven Expansion in Deutschland Gewinneinbußen erlitten - der Konzernüberschuss sank um 5 Prozent auf 64 Mio. Euro, das Ergebnis je Aktie (EPS) um 6 Prozent auf 2,09 Euro.

Insgesamt brummt das Geschäft aber: Die Produktionsleistung legte um 21 Prozent auf 4,7 Mrd. Euro zu, der Auftragsbestand ist auf Rekordhoch, wie aus der aktuellen Bilanz hervorgeht.

"Das Wachstum hat seinen Preis"

"Wir sind in Deutschland so stark gewachsen - da war auch der eine oder andere Fehlgriff dabei", räumte CEO Karl-Heinz Strauss heute, Donnerstag, am Rande der Bilanzpräsentation im Gespräch mit der APA ein. "Und wir hatten einmalig erhöhte Logistikkosten in Katar", erklärte der Porr-Chef den Gewinnrückgang.

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Die Aktionäre erhalten dennoch eine Dividende auf dem Niveau des vorangegangenen Geschäftsjahres (1,10 Euro je Aktie). Mehrheitseigentümer der Porr (mit knapp 54 Prozent) ist ein Syndikat bestehend aus der Ortner-Gruppe sowie der Strauss-Gruppe rund um den Firmenchef. Die übrigen Aktien sind international breit gestreut.

Drei große Übernahmen in Deutschland

In Deutschland übernahm das österreichische Bauunternehmen drei Firmen - den Tiefbauspezialisten Franki Grundbau, durch den die Porr in Deutschland nun laut Eigenangaben zu den Top-3-Anbietern in diesem Bereich gehört, weiters "die im Straßenbau gut aufgestellte Oevermann" sowie die BB Governmental Service (BBGS), die den Angaben zufolge unter anderem auf die Errichtung von Kindergärten und Krankenhäusern spezialisiert ist.

"Wir sind für Deutschland für die nächsten Jahre sehr gut aufgestellt", meinte Strauss. "Das Wachstum hat seinen Preis." In Österreich kaufte die Porr die Firma Hinteregger, die in Salzburg und Tirol stark vertreten sei. Kostenpunkt alles in allem: 118 Mio. Euro. "Aufgrund dieser Investitionen haben wir nicht mehr 'Net Cash', aber das ist eine bewusste Investition", sagte Strauss.

Infolge der Zukäufe verbuchte die Porr im Vorjahr eine Nettoverschuldung von 147 Mio. Euro - 2016 hatte sie noch eine Nettocash-Position von 53 Mio. Euro ausgewiesen, wie Neo-Finanzvorstand Andreas Sauer berichtete. Das Eigenkapital (zum Stichtag 31. Dezember) erhöhte sich allerdings von 440,9 auf 597 Mio. Euro und die Eigenkapitalquote verbesserte sich von 18,7 auf 20,7 Prozent.

Ein Jahr der Konsolidierung folgt

Heuer will der Baukonzern noch festeren Boden unter den Füßen bekommen. "2018 ist das Jahr der Konsolidierung - Konsolidierung auf Ertrag, Risikominimierung und Kostendisziplin - das heißt nicht mehr so starkes Wachstum", betonte Strauss. Die Produktionsleistung soll auf über 5 Mrd. Euro steigen.

Die Auftragsbücher des zweitgrößten Baukonzerns in Österreich (hinter der Strabag) sind jedenfalls voll. Der Orderbestand erhöhte sich im vergangenen Jahr um fast ein Drittel auf knapp 6,4 Mrd. Euro, der Auftragseingang wuchs um rund 52 Prozent auf 6,3 Mrd. Euro.

Operativ war die Porr 2017 gut unterwegs: Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legte gegenüber dem Jahr davor um rund 7 Prozent auf 201 Mio. Euro zu. Die Umsatzerlöse kletterten um 25,6 Prozent von 3,4 auf 4,3 Mrd. Euro. Der Bauriese beschäftigte im Durchschnitt 17.719 Mitarbeiter - das waren um 15,6 Prozent mehr als im Jahr davor. (apa/red)

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