Henkel CEE - Puffer in die Baulücke

Produktion schlägt Logistik: Im Aufschwung der vergangenen 24 Monate wurde so manche Lagerfläche zum Fertigungsraum. Zugleich explodierte der Umschlag in den verbliebenen Lagern. Viele Unternehmen reagierten mit Aufräumen und Auslagern. Andere begannen zu automatisieren. INDUSTRIEMAGAZIN präsentiert: Die effizientesten Speicher der Republik. Von Maike Seidenberger

Auch am anderen Ende des Landes steht die Rationalisierung der Lagerlogistik hoch im Kurs. Waschmittelhersteller Henkel CEE eröffnete im Juni ein neues Export- Pufferlager, das direkt an die Produktion in Wien-Erdberg anschließt. Christian Wastl, Logistikleiter von Henkel CEE, beschreibt die Zielsetzung des Neubaus: „Früher hatte das manuelle Lager im Werk mehr als 3000 Quadratmeter. Die Tonnage im Werk wuchs um 30 Prozent, die Lagerfläche wurde aber auf 1400 Quadratmeter reduziert.“ Die Lösung der Stauchung: ein von Siemens konzipiertes mehrstöckiges automatisches Kanallager in einer Baulücke auf dem Werksgelände. Es fasst auf fünf Etagen 1500 Paletten und schaffte so Platz für die sich ausdehnende Produktion. Alle Fertigungslinien transportieren jetzt rund um die Uhr palettierte Ware über automatische Fördersysteme in das Exportlager. Hier werden die Paletten nach Ziel sortiert. Zwei Slipchain-Belader versorgen die Shuttle-LKW, die das zwölf Kilometer entfernte Henkel-Zentrallager Meidling anfahren, von wo aus Kunden in Österreich, Slowenien, der Slowakei und Tschechien beliefert werden. Die Transporte sind schnell getaktet: In drei Minuten ist ein Sattelzug voll. „Vorher hat man sich die Ware händisch auf 3000 Quadratmetern zusammensuchen müssen – jetzt hat sich die reine Verladerampen-Zeit mehr als halbiert“, sagt Wastl. Manuell an drei eigenen Ladetoren beladen werden in Erdberg nur noch die LKW, die direkt an nationale Henkel-Distributionslager in anderen osteuropäischen Ländern gehen. Der automatisierungsbedingt höhere Durchsatz macht die Wiener Lagerlogistik so wettbewerbsfähig, dass ein Distributionslager in Ungarn eingespart werden kann. „Die Kosten sanken signifikant“, freut sich Wastl. Persilflaschen für Györ und Budapest brauchen ab März 2012 von der Abfüllung in Erdberg bis zum Aufladen auf den Kunden-LKW in Meidling keinerlei manuelles Handling mehr: „Derzeit laufen 40 Prozent der Produktion des Werks über das Zentrallager. Wenn wir die Belieferung von Ungarn übernehmen, sind es 60 bis 70 Prozent.“

cargo-partner: Bewusst nicht automatisiert
Während die Produzenten auf ihren Werksgeländen Platz für neue Maschinen und Fertigungsstraßen schaffen, indem sie die Logistikflächen kappen, erweitern die Logistikdienstleister ihre Lager. Zubau bedeutet aber auch bei ihnen nicht notwendigerweise more of the same. Knackpunkt hier ist die Anpassungsfähigkeit der Infrastruktur an die Wünsche verschiedener Kunden. Der Speditionskonzern cargo-partner erweitert gerade sein Verteilzentrum in Fischamend um ein Hochregallager mit 7.000 Palettenstellplätzen, ein Kleinteilelager und eine neue Halle für Cross-Docking im LKW-Sammelgutverkehr. Gewachsen wird mehr in die Höhe als in die Fläche: Die Regale des neuen Lagers sind gut drei Meter höher als die des alten – die neuen Hochregale stellen mit fast 12 Metern Gardemaß auf die maximale Hubhöhe der marktüblichen frei fahrbaren Schubmaststapler ab. Dazwischen geht es lockerer zu: Die Stellplatzhöhe ist frei gestaltbar. Auf eine Automatisierung verzichten die Fischamender Logistiker hingegen wegen der heterogenen Warenstruktur wohlweislich: „Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, um höchstmögliche Flexibilität beizubehalten und ein breites Kundenspektrum bedienen zu können“, erläutert cargo-partner-Österreich-Geschäftsführer Christoph Grasl. Effizienzsteigerungen will er lieber beim Energieeinsatz lukrieren: Hochfrequenzladegeräte für die Elektrostapler sollen einige tausend Kilowattstunden pro Jahr einsparen, aus der Reibungswärme beim Bremsen und aus der Absenkleistung des Schubmastes wird Energie zurückgewonnen. Und, klar: Auf das Hallendach kommt natürlich eine Photovoltaikanlage. 

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