Serie Sichere Automation

Pilz-Chefin Susanne Kunschert: "Das hat das Unternehmen getragen"

Der Ostfilderner Industrieautomatisierer Pilz schlug sich im Pandemiejahr 2020 wacker. Jetzt setzt man auf Innovationsgeist - und will Exporteure, die in Großbritannien 2022 neue Modalitäten für die konforme Einführung von Maschinen erwartet, unter die Arme greifen. 

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"Herz und Kopf sicherer Automatisierungsanwendungen."  
Susanne Kunschert, geschäftsführende Gesellschafterin Pilz

Ein Umsatzdämpfer von elf Prozent - doch ein zusehends internationaleres Geschäft mit wachsenden Exportanteilen auf der Habenseite: So bilanzierte Susanne Kunschert, geschäftsführende Gesellschafterin des Industrieautomatisierers Pilz das Pandemiejahr 2020. Folglich sei nun nicht der Zeitpunkt, den Kopf in den Sand zu stecken, zumal ein außergewöhnlicher Zusammenhalt und positiver Geist das Unternehmen durch die letzten Monate getragen hätten.

Auf Einschnitte wie den Brexit habe man reagiert: Bis 1. Jänner 2022 müssen sich Unternehmen, die maschinenbauliche Güter nach Großbritannien einführen und dabei bisher auf die Karte CE-Konformität setzen, für neue Modalitäten rüsten: Das UKCA-Label rückt dann am britischen Markt an die Stelle der CE-Kennzeichnung. Ein Aufwand, der vom Aufbringen des Zeichens bis hin zur verwaltungstechnischen Ebene dahinter - also der technischen Dokumentation - reicht. Und einer, bei dem Pilz Unternehmen zur Seite steht, wie Kunschert sagt.

Eine größere Weichenstellung erfolgte freilich schon früher im Jahr. Mit der PNOZmulti2-Kleinsteuerung haben die Deutschen eine easy-to-use-Technologie erschaffen, die, aus Steuerungen und Sensoren zu Paketen verschnürt, "Herz und Kopf sicherer Automatisierungsanwendungen ist", so Kunschert.  

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Produktiver 

Und so liegen die Vorteile in nicht durch überbordende Schnittstellen getrübte Stunden der Produktivität, massiv geringerem Aufwand bei der Konfiguration und einer vereinfachten Inbetriebnahme. Eigenschaften, die es Kunden leicht machen, von einer bestehenden Schaltgerätelösung auf myPNOZ umzusteigen. Der Ablauf ist folgender: Über das intuitiv bedienbare Onlinetool myPNOZ Creator stellen Anwender ihr individuelles Sicherheitsschaltgerät myPNOZ zusammen. Im ersten Schritt erfasst der Anwender webbasiert seine Anforderungen über das Onlinetool.

Darin stellt der Anwender seine bedarfsgerechte Komplettlösung zusammen. Über die Steckreihenfolge ist die Logik der Verknüpfung der Sicherheitsfunktionen bereits definiert, myPNOZ werde "ready-to-install" geliefert. "Für unser neues Sicherheitsschaltgerät sei folglich "keinerlei Inbetriebnahme- oder Programmiersoftware nötig", sagt Florian Rotzinger, Product Manager Controller bei Pilz. 

In kurzer Zeit bei Inbetriebnahme 

Das Produkt wird entweder klassisch in den Produktionsstätten oder bei Bedarf direkt in den Auslieferungslagern aus Halbfabrikaten zusammengebaut, fertig konfiguriert und final getestet. Der Kunde erhalte myPNOZ in kürzester Zeit für die Inbetriebnahme. "Es fliegt geradezu in den Schaltschrank", sagt Steffen Letsche, Customer Support International / Support Centre bei Pilz. Lediglich für die Montage im Schaltschrank werde noch ein Schraubendreher benötigt. Apropos Schaltschrank: "Die Packungsdichte des Sicherheitsschaltgeräts konnte signifikant erhöht werden, "das bringt Platz im Schaltschrank", so Pilz-Mann Florian Rotzinger. 

Das Sicherheitsschaltgerät myPNOZ richtet sich ganz allgemein an Maschinen-, Anlagenbauer und Automatisierer aller Branchen, die zwei bis maximal 16 Sicherheitsfunktionen abdecken und dabei keine Engineering-Software einsetzen wollen. Es überwacht die Sicherheitsfunktionen Not-Halt, Schutztür, Lichtgitter, Zweihand IIIA/C und Zustimmtaster und besteht aus einem Kopfmodul mit bis zu maximal acht frei kombinierbaren Erweiterungsmodulen.

Flexibler als klassische Lösungen 

Im dazugehörigen Onlinetool myPNOZ Creator lässt sich aus einer Vielzahl an Variationsmöglichkeiten eine bedarfsgerechte Sicherheitslösung zusammenstellen. Der Anwender kann zwischen einer Logik- und einer Hardware-Ansicht wechseln. Zudem steht über eine Simulation die Möglichkeit zur Validierung sowie eine umfangreiche Dokumentation zur Verfügung. Als Faustformel gilt: Eine oder zwei Sicherheitsfunktionen wie etwa Not-Halt und Schutztür lassen sich auch in Zukunft gut und wirtschaftlich über ein klassisches Sicherheitsschaltgerät abdecken.

Sehr wohl aber sollte myPNOZ im Bereich zwischen zwei bis sechzehn überwachten Sicherheitsfunktionen als effiziente und rentable Alternative in Erwägung gezogen werden, heißt es beim Hersteller. "Im Vergleich zu konventionellen Schaltgeräten ist myPNOZ in diesem Segment die flexiblere und ausbaufähigere Variante", hört man bei Pilz.