Photovoltaik

Photovoltaik "made in Germany": Mögliche zweite Chance dank Automatisierung

Bei PV-Anlagen war Deutschland noch vor wenigen Jahren weltweit führend - dann kamen Chinas Anbieter und vernichteten mit Dumpingpreisen die gesamte Branche. Heute gibt es keinen einzigen nenneswerten deutschen PV-Hersteller mehr. Doch für PV "made in Germany" könnte es eine zweite Chance geben - dank Automatisierung.

Deutschland war noch bis etwa 2008 weltweit führend bei der Produktion von Solarzellen. Danach kamen Hersteller aus Asien, vor allem aus China, dank "Technologietransfer" mit konkurrenzfähigen Produkten zu sehr viel billigeren Preisen auf den Markt. Die Folge: Heute gibt es keinen nennenswerten deutschen Hersteller von Solarzellen mehr. Im vergangenen September machte Solarworld, der einstige deutsche Paradebetrieb und Liebling der Energiewende, seine Werkhallen dicht.

Andreas Bett vom Fraunhofer-Institut nennt noch einen anderen Grund: Deutsche Hersteller hätten im Wettbewerb nicht gezielt in den schnellen Aufbau der Silizium-Photovoltaik investiert, "wie das die chinesischen Produzenten gemacht haben."

Fraunhofer-Forscher Bett sieht aber Chancen, in Deutschland wieder Solarzellen in größerem Stil zu produzieren. Forschung und Entwicklung seien noch auf ganz hohem Niveau. "Es muss aber jetzt die Produktion aufgebaut werden." Einen Kostennachteil sieht Bett für eine heimische Produktion nicht. "Die Produktionskosten wären in Deutschland nicht höher als in China, weil die Herstellung stark automatisiert ist." Der wachsende Anteil der Transportkosten am Gesamtpreis für PV-Module aus Asien spreche zudem für eine Fertigung in Deutschland. Der Aufbau von Produktionskapazitäten in Europa werde aber nur gelingen, "wenn die Politik für faire Wettbewerbsbedingungen sorgt".

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Aussichtsreich sei dabei vor allem die Produktion hocheffizienter Solarmodule, die unter anderem an Gebäuden oder Lärmschutzwänden installiert werden könnten. "Weil die Akzeptanz für Photovoltaik auf Freiflächen sinkt, ist das eine Riesenchance", so der Wissenschafter.

2019 ist ein gutes Jahr für PV

Tatsächlich ist 2019 ein gutes Jahr für die Photovoltaik. Photovoltaikanlagen haben in Deutschland im ersten Halbjahr rund 25 Terawattstunden in das öffentliche Stromnetz eingespeist, 5,6 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und fast so viel wie die Steinkohlekraftwerke des Landes.

Im besonders sonnenreichen Juni war die Photovoltaik sogar erstmals die stärkste Energiequelle in einem einzelnen Monat, noch vor der Braunkohle und der Windkraft, wie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ermittelt hat.

Auch beim Anschluss neuer Solaranlagen geht es wieder bergauf. Von Jänner bis Mai sind rund 40.000 Solaranlagen mit zusammen etwa 1.800 Megawatt Spitzenleistung neu installiert worden. Das ist zwar noch weit vom Spitzenjahr 2012 entfernt, als insgesamt fast 8.000 Megawatt neu ans Netz gegangen waren. Aber den drastischen Einbruch der vergangenen Jahre hat die Branche nach Einschätzung des deutschen Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW) überwunden. Bis zu 4.000 Megawatt Leistung könnten in diesem Jahr insgesamt dazu kommen, schätzt der Branchenverband.

Ohne einen verstärkten Ausbau der Solarenergie, darin sind sich viele Fachleute einig, wird Deutschland die selbst gesetzten Klimaziele verfehlen. "Wir bekommen durch die Klimabewegung einen massiven Druck, mehr Photovoltaik zu installieren", sagt der Leiter des Fraunhofer-Instituts, Andreas Bett. Erforderlich sei ein jährlicher Zubau von 5 bis 15 Gigawatt. Aktuell sind in Deutschland knapp 48 Gigawatt Solarleistung installiert. "Der Markt ist da, und er wird weiter wachsen", sagt der Wissenschafter.

Die Solarbranche verweist auf die stark gesunkenen Kosten für Anlagen auf dem Dach und auch auf Freiflächen. "Die Solartechnik zählt inzwischen zu den niedrigst hängenden Früchten des Klimaschutzes", wirbt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten König für die Photovoltaik. Das zeigen auch die gemeinsamen Auktionen bei der Ökostrom-Förderung für Sonnen- und Windenergie. In den bisher drei Runden kamen nur Solaranlagen zu Zuge. Bei der jüngsten Ausschreibung der deutschen Bundesnetzagentur in diesem Frühjahr ging sogar kein einziges Gebot für eine Windenergieanlage bei der Bundesnetzagentur ein.

(red mit Material von Claus Haffert, dpa/APA)

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