Branchenkonjunktur

„Österreich ist Pharma-Niedrigpreisland“

Jan Oliver Huber, Generalsekretär der Pharmig, über die spürbare Härte im Pharmageschäft und die Generika-Schwemme.

Chemische Industrie Baxter Sandoz Top-250 Unternehmen

INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Huber, Österreich gibt rund 11 Prozent seines BIP für Gesundheit aus. 2011 waren das 32 Milliarden Euro. Wir haben ein Kassensystem, eine rekordverdächtige Anzahl an Krankenbetten pro Einwohner, Ärzte sind in ihrer Wahl der Medikamente weitgehend frei. Ist Österreich das Schlaraffenland für Arzneimittelhersteller?
 
Jan Oliver Huber: Sie können mir glauben: Ein Schlaraffenland schaut anders aus. Das Geschäft mit Arzneien ist auch in Österreich härter geworden – und zwar deutlich. Auch wenn immer das Gegenteil in den Raum gestellt wird: Österreich ist im Pharmabereich eindeutig ein Niedrigpreisland für die Industrie. Nur 13,1 Prozent aller Gesundheitsausgaben werden hierzulande für Arzneimittel ausgegeben, im OECD-Schnitt beträgt der Anteil 17,4 Prozent.
 
Tatsache ist, dass der Hauptverband der Sozialversicherungsträger die ständig steigenden Medikamentenkosten ins Treffen führt.
 
Huber: Die Situation hat sich für die Krankenkassen entspannt. 2008 lagen die Steigerungsquoten noch bei 7 Prozent, 2011 nur mehr bei 0,9 Prozent. Man kann derzeit von Stagnation reden. Darüber hinaus bezahlt die Pharmawirtschaft einen Solidarbeitrag von 82 Millionen Euro bis Ende 2015. Eigentlich gäbe es heute keinen sachlichen Grund mehr für diesen Solidarbeitrag. Wir zahlen ihn aber trotzdem und stärken damit die Leitungsfähigkeit der Krankenkassen.
 
Die Dämpfung der Medikamentenkosten in Österreich hat aber eher mit dem verstärkten Zugriff auf Generika und weniger mit der Großzügigkeit der Pharmaindustrie zu tun.

 
Huber: Generika sind einer von vielen Gründen, warum Arzneikosten nicht das Problem des österreichischen Gesundheitssystems darstellen. Aber letztlich müssen die Pharmaunternehmen die Preise senken und auch verkraften. Die Kassensanierung wurde vor allem durch die Pharmawirtschaft und die Bundesregierung getragen. Andererseits haben wir einen hohen Anteil an Krankenhausbetten und immer noch hohe Zahlen bei den stationären Aufenthalten, ohne dass sich daran etwas Nennenswertes geändert hätte. Präventivmedizin ist immer noch total unterdotiert. Es gäbe viele Wege, aus den 11 Prozent unseres BIP mehr herauszuholen. Ich bin sicher, dass der Pharmabereich seinen Effizienzbeitrag geleistet hat und immer noch leistet.