Branchenkonjunktur

Einstieg ins Generika-Geschäft

Teure Genehmigungsverfahren, Preisdruck und abgelaufene Patente bei Blockbuster-Arzneien setzen die pharmazeutische Industrie unter Druck. Doch der Einstieg ins Generika-Geschäft – und neue Absatzfelder in der personalisierten Medizin – sorgen für Optimismus in der Branche. Von Josef Ruhaltinger

Chemische Industrie Baxter Sandoz Top-250 Unternehmen

Immerhin: Die Erstanbieter haben die Entwicklung kommen sehen. Die Pharmakonzerne diversifizieren, sie steigen im großen Stil selbst ins Generika-Geschäft ein. Der Pharmariese Pfizer hat im Konzern eine eigene Generika-Gruppe aufgebaut, andere haben zugekauft. Dadurch bleiben die Unternehmen in den immer stärker sparenden Industrienationen im Rennen. Und partizipieren an den boomenden Gesundheitsmärkten der BRIC-Staaten – wenn auch nicht mehr so toll wie früher.

Glaubt man den Beraterköpfen von Roland Berger, Ernst & Young oder PwC, dann müssten erfolgreiche Konzerne jetzt ihr Heil in der „personalisierten Medizin“ suchen. Da werde die Medikation auf individuelle – oder zumindest gruppenspezifische – Eigenheiten zugeschnitten. Krebs wird in einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft zum Massenphänomen – kann aber nur persönlichkeitsbezogen therapiert werden. Womöglich wirklich ein letztes Schlupfloch – denn die auslaufenden Blockbuster lassen sich kaum ersetzen. Für die weit verbreiteten Zivilisationskrankheiten Diabetes, Hypertonie oder hohe Blutfette gibt es bereits Therapien, die jetzt einfach billiger zu haben sind.

Die Chancen auf weitere Blockbuster sind rarer als früher – aber es gibt noch genug zu tun. Das ultimative HIV-Medikament, die verträgliche Abnehm-Pille, das Antibiotikum ohne Restistenzproblematik, das Mittel gegen Alzheimer und Parkinson: Die ökonomischen Perspektiven sind intakt.

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