Branchenkonjunktur

Standort Österreich ließ Federn

Teure Genehmigungsverfahren, Preisdruck und abgelaufene Patente bei Blockbuster-Arzneien setzen die pharmazeutische Industrie unter Druck. Doch der Einstieg ins Generika-Geschäft – und neue Absatzfelder in der personalisierten Medizin – sorgen für Optimismus in der Branche. Von Josef Ruhaltinger

Chemische Industrie Baxter Sandoz Top-250 Unternehmen

Die Episode vom Gemeinen Holzbock: Sie steht stellvertretend für die angespannte Lage in der pharmazeutischen Industrie. Nur mühsam – und unter enormer Mittelaufbringung – erkämpfte Erfolge in der Forschung und wachsender Preisdruck zehren am Geschäft der ganzen Branche. Die Entwicklung eines innovativen Medikamentes kostet heute im Schnitt bis zu 1,9 Milliarden Dollar – 2001 lag der Wert noch bei 802 Millionen Dollar. Von 10.000 Anfangssubstanzen erlangt im Durchschnitt nur eine einzige als Medikament die Zulassung. Für viele Substanzen stellt sich erst in der Phase-III-Studie heraus, dass sie nicht genügend wirksam sind oder zu belastende Nebenwirkungen haben. Dazu kommt: Der einst boomende Pharma- und Forschungsstandort Österreich hat in den letzten Jahren Federn gelassen. Doch Diversifizierung – und neue Absatzfelder in der personalisierten Medizin – sorgen trotzdem für Optimismus.
 
Abzug der Großen
 
Baxter ist mit heute 4.000 Mitarbeitern das mit Abstand größte Pharmaunternehmen Österreichs. 900 Forscher aus aller Welt arbeiten an den beiden Standorten in Wien und Orth an der Donau. Damit ist der Betrieb unter den „Big-Pharma“-Konzernen aber mittlerweile in Österreich sehr einsam. Internationale Pharmaunternehmen haben Österreich längst ganz oder teilweise den Rücken gekehrt. 2005 verlor die Hauptstadt das Österreich-Headquarter des Generikaproduzenten Sandoz an München. 2008/09 zog Novartis über Nacht seine Forschungsabteilung mit 250 Mitarbeitern aus Wien-Liesing ab.

Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen: Bis 2014 will Roche Diagnostics sein Werk in Graz mit 400 Arbeitsplätzen schließen. Bei der Arzneimittelproduktion liegt Österreich damit mit einem Wert von 292 Euro pro Kopf wenig überraschend deutlich hinter den führenden europäischen Pharmanationen Schweiz, Deutschland, Italien und Frankreich, die einen Schnitt von 866 Euro in die Waagschale werfen (Platz 1: Schweiz mit 3.809 Euro).

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