Selbstfahrende Autos

Partnerschaftliche Intelligenz für Künstliche Intelligenz

Alle großen Fahrzeugbauer und ihre Lieferanten arbeiten mit Hochdruck an Systemen für selbstfahrende Autos und Mobilitätsdienste - Allianzen mit Technologieunternehmen sind dabei an der Tagesordnung. Eine Übersicht.

Nvidia kommt eigentlich aus der Computerspiel-Branche. Doch die Grafikkarten eignen sich auch sehr gut für die derzeit angesagten Methoden der Künstlichen Intelligenz. Deshalb veränderte Nvidia-Gründer Jen-Hsun Huang den Fokus und hat sein Unternehmen sozusagen zum Chip-Lieferanten der KI gemacht. 

Fahrer nonstop im Visier des eigenen Bordcomputers

Nun kooperieren - neben vielen anderen - auch Volkswagen und Uber mit Nvidia. Der deutsche Autokonzern will mit Hilfe von Nvidia an einem "intelligenten Co-Piloten" mit künstlicher Intelligenz arbeiten und dazu künftig die Plattform Drive IX nutzen, wie Markenchef Herbert Diess auf der Technik-Messe CES in Las Vegas sagte. Die Technologie solle unter anderem in der geplanten Neuauflage des VW Microbus "Bulli" I.D. Buzz zum Einsatz kommen. Sie helfe selbstfahrenden Fahrzeugen dabei, Entscheidungen im Verkehr innerhalb von Sekundenbruchteilen zu treffen.

CES, 2018, Nvidia, Volkswagen, Huang, Diess © Nvidia

Nvidia-Gründer Jen-Hsun Huang gemeinsam mit VW-Markenchef Herbert Diess auf der CES 2018.

Letztlich gehe es darum, einen intelligenten Beifahrer zur Hand zu haben, der Gesichter erkennen könne und den Fahrer beobachte, um ihn warnen zu können, sollte er abgelenkt sein. Tesla ist bereits Kunde, der Fahrdienst-Vermittler Uber seinerseits will Chips und Software von Nvidia bei der Entwicklung seiner hauseigenen Roboterwagen-Technologie nutzen.

Nvidia will zum zentralen Zulieferer für autonome Autos werden

Die Drive-Plattform wird laut Nvidia-Chef Huang auch vom Autozulieferer ZF Friedrichshafen und dem chinesischen Technologiekonzern Baidu für deren Offensive beim autonomen Fahren in der Volksrepublik eingesetzt. Insgesamt greifen demnach bereits 320 Firmen, die in irgendeiner Form am vernetzten Fahren arbeiten, auf Nvidia-Produkte zurück.

Nvidia-Chef Jensen Huang zeigte in Las Vegas den drastisch kleineren und leistungsstärkeren neuen Roboterwagen-Chip "Drive Xavier", der Ende des Jahres auf den Markt kommen soll - sowie ein System, das speziell für autonome Taxis gedacht ist. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren massiv von der Verbreitung künstlicher Intelligenz und maschinellen Lernens profitiert, weil die Architektur von Grafikkarten bei diesen Anwendungen viel effizienter ist als die klassischer Prozessoren. Der Konzern will zu einem zentralen Zulieferer für Roboterwagen werden.

Noch größeren, langfristigen Einfluss auf die Branche könnte die Kooperation Nvidias mit dem Start-up Aurora zur Entwicklung einer Plattform für selbstfahrende Fahrzeuge haben. Hinter Aurora steht unter anderem Ex-Chefentwickler der Google Roboterwagen, Chris Urmson. Volkswagen gab vor wenigen Tagen bereits ebenfalls eine Partnerschaft mit Aurora bekannt.

Infineon macht gemeinsame Sache mit Baidu

Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon wiederum will mit dem chinesischen Suchmaschinenbetreiber Baidu beim autonomen Fahren zusammenarbeiten und sich der  2017 gestarteten Plattform der Chinesen anschließen.

Baidu bringe in die Partnerschaft seine Kompetenz in künstlicher Intelligenz und beim autonomen Fahren ein, Infineon seine Expertise in der Automobilelektronik, etwa bei Mikrocontrollern oder Radar- und Lidar-Sensorchips. Rund 100 Entwickler aus der Branche hätten sich dem Programm angeschlossen, heißt es in einer Mitteilung. Der Zulieferer Continental hatte im vergangenen Jahr eine Kooperation mit Baidu angekündigt. China als größter Pkw-Markt der Welt gilt dabei als besonders wichtig, weil das Land die Größe des heimischen Marktes auch dafür nutzt, Technologie-Trends zu bestimmen.

Auch Intel will mitmischen

Der weltgrößte Chiphersteller Intel teilte unterdessen auf der Technikmesse CES in Las Vegas mit, dass künftig zwei Millionen Fahrzeuge von BMW, Nissan und VW die Technologie seiner Kamera-Tochter Mobileye nutzen würden, um Daten für den Einsatz in speziellen Karten fürs autonome Fahren zu sammeln. Der US-Konzern hatte das israelische Unternehmen im vergangenen Jahr gekauft, um mit Rivalen wie Qualcomm oder Nvidia im schnell wachsenden Geschäft mit Technologie fürs autonome Fahren mithalten zu können.

Intel kündigte zudem an, sich mit dem chinesischen Fahrzeughersteller SAIC bei der Entwicklung zusammenzuschließen; auch hier soll die Kameratechnik von Mobileye zum Einsatz kommen. Auch mit BMW und anderen Partnern tüfteln die Amerikaner an selbstfahrenden Autos. (apa/Reuters/dpa)

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