Automobilindustrie

Pariser Autosalon: Handelsstreit, Zölle und Brexit sorgen für Gegenwind

Die schwierige Großwetterlage trifft die Branche mitten in einer Phase, in der sie Milliarden in Elektromobilität, autonomes Fahren und neue Mobilitätsdienste investiert und dringend auf Einnahmen angewiesen ist.

Genfer Autosalon im Frühjahr: "Die Elektromobilität wird abheben, aber es ist schwer zu sagen, wann."

Dieselkrise, Brexit-Sorgen oder Handelskonflikte - selten wehte der Autobranche der Gegenwind rund um den Globus so scharf ins Gesicht wie zur Zeit. Die politische Großwetterlage und ihre Auswirkungen auf Geschäft und Strategie der Hersteller dürften deshalb auf dem Pariser Autosalon, der diese Woche seine Tore öffnet, für viel Gesprächsstoff sorgen.

Analysten sehen immer mehr Anzeichen, dass die Autokonjunktur sich eintrübt. Das träfe die Branche mitten in einer Phase, in der sie Milliarden in Elektromobilität, autonomes Fahren und neue Mobilitätsdienste investiert und dringend auf Einnahmen angewiesen ist. Auf dem Autosalon in Paris, der alle zwei Jahre im Wechsel mit der Frankfurter IAA stattfindet, rücken die Konzerne wieder das Fahren der Zukunft in den Fokus.

"Die Elektromobilität wird abheben, aber es ist schwer zu sagen, wann", meint Autoexperte Klaus Schmitz von der Beratungsfirma Arthur D. Little. Wolfgang Bernhart von Roland Berger geht davon aus, dass die Nachfrage in den kommenden Monaten nur langsam Fahrt aufnimmt. "Lange Lieferzeiten für E-Autos, Skepsis der Händler und ungeklärte Infrastrukturfragen drücken auf das Wachstum. Ab 2021 wird der Markt für Elektrofahrzeuge aber rapide zulegen." Dazu trägt neben strengeren Abgasvorschriften die Tatsache bei, dass nach Jahren der Ankündigungen immer mehr Modelle mit Batterieantrieb auf den Markt kommen.

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Aus den vielen Fehlschlägen der Vergangenheit haben die Hersteller gelernt: Die Reichweiten der Fahrzeuge sind inzwischen im Schnitt größer. Und die meisten E-Autos kommen nicht mehr als optisch gewöhnungsbedürftige Exoten, sondern in Form von - bei der Kundschaft beliebten - Geländewagen in allen Größen daher. So zeigt Mercedes auf der Messe beispielsweise den elektrischen EQC, Audi den e-tron und die Opel-Mutter PSA eine batteriebetriebene Version des kompakten SUV DS3 Crossback.

Doch trotz zahlreicher Modelle ist bei der Elektromobilität der Knackpunkt für Hersteller nach wie vor: Wie verdient man damit Geld? Bisher konnten die Konzerne sich die hohen Investitionen bei gleichzeitig niedrigen Verkaufszahlen leisten, weil das Geschäft mit Diesel- und Verbrennerfahrzeugen rund um den Globus weitgehend florierte. In der Oberklasse ließ zudem die Nachfrage nach großen, margenstarken Modellen mit teurer Sonderausstattung die Kassen klingeln. Doch inzwischen sind viele dunkle Wolken am Konjunkturhimmel aufgezogen.

2018 dürften die weltweiten Pkw-Verkaufszahlen um 1,5 Prozent wachsen, prognostiziert die Ratingagentur Moody`s in einer Analyse. "Wir sehen jedoch größere Risiken, die den Absatz im kommenden Jahr beeinträchtigen könnten, einschließlich Handels- und Zollstreitigkeiten, steigende Zinsen und höhere Kraftstoffpreise", erläutert Studienautor Falk Frey. Die jüngsten Gewinnwarnungen untermauerten dies.

Im Sommer hatte Daimler seine Prognose über den Haufen geworfen. Vergangene Woche kappte BMW seine Jahresziele für 2018 - wegen heftiger Rabattschlachten in vielen Märkten. In Europa sorgen die Turbulenzen rund um die Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfzyklus WLTP für Preiskämpfe, die Furcht vor einem ungeordneten Brexit tut ein Übriges. In Deutschland ringen Autobranche und Politik weiter um eine Lösung der Abgasprobleme bei älteren Dieselfahrzeugen. Außerhalb Europas verunsichern vor allem die anhaltenden internationalen Handelskonflikte zwischen den USA und China die Verbraucher und lassen viele vor dem Autokauf zurückschrecken. Die Volksrepublik und die Vereinigten Staaten sind die beiden größten Fahrzeugmärkte der Welt. Auf guten Geschäften in China fußen in der Branche viele Prognosen.

Die vielen Veränderungen in der Industrie machen sich auch bei Automessen bemerkbar - klassische Pkw-Messen in Europa oder den USA verlieren zunehmend an Bedeutung. "Digitale Themen werden immer wichtiger", sagt Schmitz von Arthur D. Little und fügt hinzu: "Die Gewichte in der Autowelt haben sich ein Stück weit von Europa nach China verschoben." Zum Autosalon in Paris reisen zahlreiche Hersteller gar nicht erst an, darunter auch die Branchenschwergewichte Volkswagen und Fiat.

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