Palfinger geht mit Sany Wunschehe ein: "Es hat gefunkt"

Mit dem Baumaschinenhersteller Sany Heavy Industry hat Palfinger in China seinen "Wunschpartner" gefunden. Vor rund einem Jahr habe man sich entschlossen, dass der nächste Expansionsschritt in China stattfinden müsse, und Verhandlungen aufgenommen, sagte Palfinger-Vorstandsvorsitzender Herbert Ortner am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Am Dienstag hatten die beiden Unternehmen in China zwei Joint Ventures unterschrieben - Palfinger und Sany werden je 50 Prozent an den beiden Tochterunternehmen halten.

In Changsha in China wird ein Produktionsstandort entstehen, an dem Lkw-montierte Knickarm- und Teleskopkrane von Palfinger für den chinesischen Markt hergestellt werden. In den Aufbau des Werks mit einer Kapazität von 10.000 Kranen werden in den nächsten Jahren rund 100 Mio. Euro investiert, sagte Finanzvorstand Christoph Kaml: "Es wird das größte Werk von Palfinger werden." Das zweite Joint Venture betrifft die Gründung einer internationalen Vertriebs- und Servicegesellschaft mit Sitz in Salzburg, die Mobilkrane von Sany in Europa und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion verkaufen soll.

Verhandlungen seit Herbst Seit Herbst habe man exklusiv mit Sany verhandelt, berichtete Ortner. Der Baumaschinenhersteller sei das schnellst wachsende Unternehmen in China. Die beiden Partner würden gut zusammenpassen. Beide wären in ihrem Bereich Weltmarktführer, legten großen Wert auf Qualität und Technologie und hätten im Hintergrund Eigentümerfamilien, die an einem langfristigen Wachstum interessiert wären, sagte Ortner: "Es hat gefunkt." China soll nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden in den nächsten Jahren der zweite Heimmarkt von Palfinger werden. Das Potenzial wäre enorm. "Im vergangenen Jahr sind in China 1,3 Mio. neue Lkw zugelassen worden. In Europa waren es 200.000 bis 300.000 Stück", verglich Ortner. Rund 28 Prozent der weltweit hergestellten Baumaschinen würden in China produziert, sagte der Manager: "In den nächsten drei bis vier Jahren wird China der größte Markt für Krane von Palfinger werden." Bis 2017 werde der Lkw-Kranmarkt in China mit rund 30.000 Stück etwa die Hälfte des gesamten Weltmarkts ausmachen, prognostizierte Ortner. Angesichts dieses Wachstums sei es ein logischer Schritt gewesen, im Rahmen der Expansionsstrategie China ins Auge zu fassen. Produkteinführung in China Derzeit erzielt Palfinger rund 70 Prozent seines Gesamtumsatzes von 846 Mio. Euro in Europa. Beim außereuropäischen Umsatz hat Asien mit vier Prozent noch einen sehr kleinen Anteil. In China war der Salzburger Kranhersteller derzeit kaum präsent. In den nächsten Jahren wolle man etwa ein Drittel des Umsatzes in Asien erzielen, je ein weiteres Drittel in Europa und in Nord- sowie Südamerika. In einem ersten Schritt werde man mit Knickarm- und Teleskopkranen einsteigen, in weiterer Folge wolle man die gesamte Palfinger-Produktpalette in China einführen, kündigte Ortner an. Konkurrenz für Europa-Produktion? 

Dass es durch das Engagement in Asien Konkurrenz für andere Palfinger-Produktionsstandorte geben wird, schloss Ortner aus. Es werde in China ausschließlich für den dortigen Markt produziert werden. Operativ tätig werden will das neue chinesische Tochterunternehmen, das in den nächsten fünf Jahren knapp 1.000 Mitarbeiter beschäftigen wird, so rasch als möglich. Man müsse noch die Genehmigung der Unternehmensgründung durch die Zentralregierung abwarten. Laut Ortner ein "Formalakt", der angesichts der guten Kontakte von Liang Wengen, Gründer und Eigentümer von Sany Heavy Industry, zur Regierung kein Problem sein dürfte. Gefeiert wurde der Abschluss in China übrigens mit einem großen Fest am Firmengelände von Sany. "In der ganzen Stadt gab es Palfinger-Fahnen", berichtete Ortner. Am Vortag der Vertragsunterzeichnung waren 300 Gäste zu einem Salzburg-Abend geladen. Das Team von Palfinger musste dafür das Video von "The Sound of Music" mitbringen. (APA/red)

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