Maschinenbau

Palfinger nimmt das Marinegeschäft ins Visier

Der Salzburger Hersteller Palfinger wird mit zwei großen Akquisitionen zu einem Komplettanbieter im Bereich Marine. Für das erste Halbjahr meldet Palfinger einen Rekordumsatz. Doch wegen des Brexit und der Turbulenzen in der Türkei erwarten die Salzburger ein schwächeres zweites Halbjahr.

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Auch im erste Halbjahr 2016 verzeichnete Palfinger einen Rekordumsatz. Mit zwei großen Akquisitionen werde man zu einem Komplettanbieter und werde seinen Marktanteil im Marinegeschäft vergrößern. Noch sei das Geschäft sehr europalastig, doch das soll sich bald ändern, heißt es in einer Pressekonferenz von Palfinger.

Der Marinemarkt sei wegen der niedrigen Öl- und Gaspreise im Moment sehr schlecht, so Palfinger-CEO Herbert Ortner am Mittwoch vor Journalisten. Doch genau das sei der richtige Moment, um dort auszubauen, da man noch ein Zeitfenster zur Integration der aufgekauften Unternehmen habe. Die Ölpreise und der Markt scheinen sich zudem langsam zu erholen, so Ortner.

Die erste Akquisition dieses Jahres war der norwegische Spezialist für Rettungsausrüstung Harding. Dieses Unternehmen macht die Hälfte seines Umsatzes durch Service und bietet somit auch im Servicesegment viele Möglichkeiten. Die nächste Akquisition soll im dritten Quartal 2016 erfolgen: Der norwegische Schiffsausrüster TTS soll vor allem mit seiner starken Präsenz in China, einem Markt in dem sich Palfinger noch nicht behaupten konnte, dem Unternehmen zu einem größeren Marktanteil verhelfen. TTS habe drei Standorte in China - 60 Prozent der Schiffsneubauten werden in China produziert -, darunter zwei in den größten Schiffswerken. Mit diesen Akquisitionen werde man zu einem Komplettanbieter, so Palfinger-CFO Christoph Kaml.

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Zwei getrennte Segmente: Land und Wasser

Im nächsten Jahr konzentriere sich die Palfinger-Gruppe in erster Linie auf die Integration der zwei norwegischen Unternehmen. Ab dem dritten Quartal wird das Salzburger Unternehmen an einer neuen Organisationsstruktur arbeiten: Es wird zwei getrennte Segmente geben, Land und Wasser, kündigte Ortner an.

Derzeit ergeben sich noch 60 Prozent des Umsatzes durch den Kernmarkt Europa, doch das werde sich bald ändern, so Kaml. In Nordamerika werde es auch zu einer großen Umstrukturierung kommen, da man Schwierigkeiten habe, mit der Konkurrenz mitzuhalten. Auch die Geschäfte in Südamerika - besonders Brasilien -, Russland und China hätten noch nicht das erhoffte Niveau erreicht. Die Akquisitionen sollen dank ihrer Standorte in diesen Ländern beim Ausbau helfen.

Brexit und die aktuelle Lage der Türkei, betreffe das Geschäft noch nicht, aber man erwarte ein etwas schwächeres zweites Halbjahr. Danach soll es dank Akquisitionen wieder bergauf gehen. Palfinger erhoffe sich bald einen Umsatz von 2 Milliarden zu machen. Man werde bald die Unternehmensziele für 2018 definieren, erstmals auch mit einem Margenziel.

Europa läuft gut, Markt in Amerika schwieriger

In nahezu allen Produktbereichen in Europa habe man im Segment "European Units" im ersten Halbjahr erfreuliche Steigerungen erzielt, erklärte die Palfinger-Gruppe am Mittwoch. Das globale Marinegeschäft sei um 6,7 Prozent rückläufig gewesen, durch die Harding-Akquisition entwickle man sich hier aber enorm weiter. Ein guter Produktmix habe sich in einem überproportionalen Ergebnisplus gezeigt.

Der Umsatz in "European Units" wuchs um 13,4 Prozent auf 469,7 Mio. Euro, mit 6,6 Mio. Euro trug dabei die im Mai finalisierte Mehrheitsübernahme des spanischen Händlers bei. Deutlich mehr Umsatz habe es bis Juni im Geschäft mit Ladekranen gegeben. Das Segment-EBIT stieg um 38,5 Prozent auf 73,6 Mio. Euro, die EBIT-Marge legte entsprechend von 12,8 auf 15,7 Prozent zu, so das Unternehmen vor Beginn seines Halbjahrespressegesprächs.

Im Segment "Area Units" - für die Regionen Nord- und Südamerika, GUS sowie Asien und Pazifik - wurde der Umsatz im Halbjahr "trotz schwieriger Marktbedingungen" leicht erhöht, heißt es. Er wuchs von 191,9 auf 195,9 Mio. Euro. Das Segment-EBIT sank dagegen von 7,7 Mio. auf 0,9 Mio. Euro - wegen der erforderlichen Reorganisation im großen Markt Nordamerika, anhaltenden Marktturbulenzen in Brasilien sowie schwächeren Ergebnissen in Asien. Die EBIT-Marge des Segments sackte somit von 4,0 auf 0,4 Prozent ab.

Im Bereich "Ventures" - wo man strategische Zukunftsprojekte bis zu ihrer operativen Reife bearbeitet - fallen keine Umsätze an, es werden nur Kosten dargestellt. Neben der Ende Juni finalisierten Akquise der norwegischen Harding-Gruppe wurde in dem Geschäftsbereich auch das Mitte Juli für die norwegische TTS Group gelegte Offert vorbereitet. (APA/red)

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