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Palfinger: "Abstinenz" trotz Wachstumsfokus

Restrukturierung, Fixkosteneinsparung und die Verbesserung der Bilanzstruktur stehen beim Kranhersteller Palfinger im kommenden Geschäftsjahr auf der Tagesordnung.

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Palfinger Finanzchef Felix Strohbichler und Palfinger Produktionschef Martin Zehnder: Keine Zukäufe in naher Zukunft

Palfinger habe weiterhin einen großen Wachstumsfokus, verhalte sich, was Zukäufe betrifft, aber jetzt einmal abstinent sagt Finanzvorstand Felix Strohbichler anlässlich der Präsentation der Jahreszahlen. Hintergrund: Die letzten gut zehn Jahre ist Palfinger, Weltmarktführer bei Hebe- und Ladevorrichtungen, fast so stark durch Zukäufe wie organisch gewachsen. Manche Akquisitionen hätten sich nicht so entwickelt wie gewünscht, räumte Strohbichler ein. Daher sei etwa der Bereich Service Bodies Anfang vorigen Jahres veräußert worden. Außerdem, so Strobichler, werde ie Integration der norwegischen Rettungsausrüsters für maritime Einrichtungen, Harding, die im ersten Halbjahr 2016 mit damals 140 Mio. Euro Umsatz und knapp 1.000 Mitarbeitern gekauft worden war, "voraussichtlich noch länger andauern".

In Summe fielen voriges Jahr bei Palfinger 19,5 Mio. Euro an Restrukturierungskosten an, etwas mehr als 2016 (17,7 Mio. Euro). Heuer könnten es weniger, aber auch gleich viel sein, meinte der CFO. Abhängig sei das unter anderem davon, wie viele Konsolidierungen von Werken es gebe - insgesamt zählt die Gruppe fast 40 Produktionsstätten, davon drei Viertel im Segment Land, ein Viertel im Segment Sea. Drei Standorte habe man bereits zu konsolidieren begonnen - in Südkorea und den Niederlanden -, Polen werde in Marburg integriert. Die Fixkosten wolle man um drei Prozent senken und Synergien heben. Da und dort prüft man, ob man eventuell woanders besser produzieren kann.

Auch etliche Sonderfaktoren haben das Ergebnis 2017 belastet. Beim Finanzergebnis war das durch die Beendigung des Hedge-Accounting der Sicherungsgeschäfte für ein Marine-Projekt zu spüren: Vor Steuern seien es 5,7 Mio. Euro gewesen, bereinigt 4,3 Mio. Euro, sagte Strohbichler. Der Verkauf des eigenen Flugzeugs habe sich mit 1,75 Mio. Euro Einmaleffekt negativ niedergeschlagen, jedoch spare man sich dadurch jährlich laufende Kosten im gleichen Ausmaß. Der vorzeitige Abgang von CEO Herbert Ortner schlug mit 2,9 Mio. Euro zu Buche - in den nächsten Wochen solle vom Aufsichtsrat der neue CEO präsentiert werden, die Shortlist sei schon relativ kurz. Die US-Steuerreform wirke sich längerfristig positiv auf das Palfinger-Ergebnis aus, voriges Jahr hatte man aber wegen eines aktivierten Verlustvortrags einen ganz niedrigen Millionenbetrag ausbuchen müssen.Palfinger habe weiterhin einen großen Wachstumsfokus, verhalte sich da aber jetzt einmal abstinent. Jetzt lege man den Fokus auf die Hausaufgaben, um danach wieder Opportunitäten am Markt nutzen zu können.

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Voriges Jahr brach das Konzernergebnis um 14,2 Prozent auf 52,5 Mio. Euro ein, die Dividende soll von 57 auf 47 Cent je Aktie gekürzt werden, was aber "in line" mit der Dividendenpolitik sei, dass man circa ein Drittel des Konzernergebnisses ausschütten wolle. Negativ auf Ergebnisse und Dividendenkürzung reagierte die Palfinger-Aktie, die am Nachmittag als einer der schwächeren Prime-Market-Werte mit 33,75 Euro um 2,88 Prozent unter dem Vortagesschluss lag. Zum Vergleich: Der ATX stand nach 15.45 Uhr um 1,4 Prozent tiefer.

Das Betriebsergebnis (EBIT) wuchs trotz Belastungen um 3,9 Prozent auf das All-Time-High von 110,2 Mio. Euro. Ohne Restrukturierung wäre das EBITDAn (n=normalized) um 7,8 Prozent auf 186,0 Mio. Euro gestiegen, das EBIT hätte bereinigt (EBITn) von 123,7 auf 129,7 Mio. Euro zugelegt. Der Konzernumsatz stieg im Vorjahr um 8,4 Prozent auf 1,471 Mrd. Euro, auch ein Rekordwert.

Für 2018 nimmt man in die ersten beiden Quartale ergebnismäßig 9 Mio. Euro mit, weil man gegen Jahresende - im Dezember - mit Zulieferproblemen konfrontiert war, wie Vorstandsdirektor Martin Zehnder sagte: "Wir sind mit einem signifikanten Rückstand aus dem vierten Quartal herausgegangen. Im ersten Quartal wird der Rückstand wesentlich abgebaut und im zweiten Quartal fertig."

Gefahr bei der besseren Orderlage seien die durch die hohe Nachfrage längeren Lieferzeiten - "das hatten wir 2007 auch einmal". Es verbessere sich dadurch zwar die Preissituation, den Mitarbeitern werde aber viel Flexibilität abverlangt - zu der diese auch bereit seien. Aber man wünsche sich als Unternehmen hier natürlich noch mehr flexible Möglichkeiten, um den Marktanforderungen zu folgen, sagte Zehnder. "12-Stunden-Tag" und längere Durchrechnungszeiträume würde man deshalb begrüßen.

Im Hauptsegment "Land" mit 8.200 der insgesamt 10.200 Mitarbeiter wuchs der Umsatz 2017 um 6,6 Prozent auf 1,130 Mrd. Euro, getragen vor allem von Europa. In Asien und GUS habe sich das Geschäft ebenfalls erfreulich entwickelt. Das Segment-EBITDAn sei um 14,6 Prozent auf 201,4 Mio. Euro gestiegen, das Segment-EBIT von 128,9 auf 147,5 Mio. Euro. An Restrukturierungskosten seien (vor allem in Nordamerika) 13,3 Mio. Euro angefallen (davon rund 10 Mio. Euro allein in den USA), nach 9,5 Mio. Euro im Jahr davor.

Die Erlöse im Segment "Sea" wuchsen um 18,6 Prozent auf 240,9 Mio. Euro, primär durch Harding. Das Segment-EBITDAn schrumpfte von 11,5 Mio. auf 3,2 Mio. Euro, das negative EBIT sank weiter auf -14,8 (-3,2) Mio. Euro. Die Restrukturierung kostete hier 5,5 (6,1) Mio. Euro. Bei einigen Produkten habe der niedrige Ölpreis die Investitionsbereitschaft deutlich gebremst, im zweiten Halbjahr habe es auf niedrigem Niveau eine Stabilisierung gegeben. Zentrale Voraussetzung für eine Erholung in dem Bereich sei ein Anstieg des Ölpreises.

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