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Palfinger: 8. Rekordjahr in Folge - und es ist noch viel Luft nach oben

Die Russland-Sanktionen spüre Palfinger gar nicht. Man sei zwar Profiteur, „aber ich bin ein Gegner der Sanktionen“, sagt Palfinger-Chef Herbert Ortner. Ansonsten könnte es beim Salzburger Kranhersteller kaum besser laufen - nur ein neuer CFO muss her.

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Um mehr als 30 Prozent voller seien die Auftragsbücher, für 2017 erwarte man das achte Rekordjahr in Folge. Die planmäßigen Restrukturierungen sollen heuer abgeschlossen werden. Die Nachfrage in Europa sei anhaltend sehr gut, Potenzial für höhere Margen gebe es vor allem in Amerika, bilanziert Palfinger-Vorstandschef Herbert Ortner.

Im Hauptsegment "Land", wo man unter anderem Weltmarktführer bei Ladekränen ist, soll die führende Position weiter ausgebaut werden. Hier sehe man große Wachstums- und vor allem Ergebnispotenziale für die nächsten Jahre. Der Bereich setzte heuer bis Juni mit 7.800 Mitarbeitern 625 Mio. Euro um, bei 17 Prozent EBITDA- bzw. fast 14 Prozent EBIT-Marge, jeweils bereinigt um Restrukturierungskosten.

Am Land besser als im Wasser

Außer in Südamerika (mit allerdings nur einem Prozent Gruppenumsatz in Brasilien) sei man im Land-Segment überall gut unterwegs. Insgesamt entfalle ein Viertel der Segmenterlöse auf Amerika - bei sehr niedrigen Margen, die man auf Wettbewerber-Niveau anheben wolle. Die Margenverbesserung sehe man dort schon jetzt, sagte Ortner. Von den insgesamt 10 Mio. Euro Restrukturierungsaufwand im ersten Halbjahr (Vorjahr 6,5 Mio. Euro) seien 7 Mio. Euro bei Land angefallen (mehrheitlich in Nordamerika), 3 Mio. Euro im Marine-Segment.

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Das "Sea"-Segment mit 1.500 Mitarbeitern, in dem Palfinger erst relativ kurz aktiv ist, sei nach wie vor schwierig - Wachstum komme hier momentan nur aus dem Konsolidierungseffekt dank des Harding-Zukaufs, der bisher größten Akquisition der Palfinger-Geschichte. Im ersten Halbjahr sei der Sea-Umsatz jedoch stabil geblieben, erstmals seit zwei, drei Jahren seien also die Marktrückgänge gestoppt worden, sagte der CEO vor Journalisten. Der steigende Auftragseingang deute auf eine Belebung des Marktes hin, die Nachfragen würden zunehmen. Der Umsatz betrug bis Juni 129 Mio. Euro (+65 Prozent), davon stammten 55 Mio. Euro von Harding. Die EBITDA-Marge lag bei 4,6 Prozent, die EBIT-Marge war mit -0,4 Prozent leicht negativ.

Spanien wird wieder wichtiger

Insgesamt sei bei Palfinger das Auftragsbuch um mehr als 30 Prozent voller als im Vorjahr, sagte CFO Christoph Kaml, der das Unternehmen Ende August nach beinahe neun Jahren im Vorstand für eine neue Herausforderung in München verlassen wird. "Die Werke laufen im Prinzip fast alle auf Vollauslastung", so Kaml. Asien und Russland seien im ersten Halbjahr stark gewachsen, Nordamerika leicht geschrumpft. Die USA, Deutschland und Frankreich seien nach wie vor die wichtigen Märkte von Palfinger - wobei Spanien eine Renaissance erlebe: Das Land liege mit 2,6 Prozent Umsatzanteil wieder unter den Top-10, vor der Krise sei es mit einem Viertel an erster Stelle gewesen.

Für das Marktumfeld sehe man keine Anzeichen für eine Verschlechterung, sagte CEO Ortner. Daher bestätige man auch die Guidance von Jahresanfang, dass 2017 das achte Jahr in Folge mit Palfinger-Rekordzahlen werde. Im Wind-Offshore-Bereich sei man sehr gut ausgelastet, auch in der Nord- und Ostsee - und China baue die ersten Offshore-Windräder. Im Marine-Segment gebe es im Moment kein geeignetes Umfeld für große Akquisitionen.

Investitionen vor allem in Osteuropa

Investieren will Palfinger heuer laut Kaml um die 65 Mio. Euro bzw. knapp 70 Mio. Euro. Speziell in Osteuropa investiere man aktuell sehr massiv. 2018/19 würden die Investitionen dann aber wieder niedriger ausfallen. Heuer im ersten Halbjahr gab es Capex in Höhe von netto knapp 33 Mio. Euro. Das durch den Harding-Zukauf auf 95 Prozent hochgetriebene Gearing solle bis Jahresende wieder unter 80 Prozent gebracht werden, sagte der CFO.

Die Russland-Sanktionen spüre Palfinger "gar nicht", so Ortner. Das werde auch so bleiben, außer die Wirtschaft dort werde so stark getroffen, dass sie insgesamt schwächle. "Wir sind in unserer Branche mit fünf Werken und fast 2.000 Mitarbeitern der einzige Konkurrent, der dort produziert. Wir sind zwar Profiteure, aber ich bin ein Gegner der Sanktionen."

Von Jänner bis Juni stieg der Palfinger-Umsatz um 13,2 Prozent auf den neuen Rekordwert von 753,8 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) wuchs um 2,9 Prozent auf 66,8 Mio. Euro, das Ergebnis je Aktie sank von 1,06 auf 1,03 Euro. Das Jahresergebnis werde durch Restrukturierungskosten belastet werden. Das um Restrukturierungskosten bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erhöhte sich im ersten Halbjahr gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 13,2 Prozent auf 105,5 Mio. Euro.

Das Eigenkapital von Palfinger stieg durch die Erhöhung der Gewinnrücklage von 540,9 Mio. Euro zum 30. Juni 2016 auf 568,3 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote wuchs leicht von 35,5 auf 35,6 Mio. Euro. Die in fremden Währungen bestehenden Assets hätten das Eigenkapital im Halbjahr jedoch um 15 Mio. Euro belastet, sagte CFO Kaml. Operativ seien die Dollar-Währungseffekte "überschaubar", bis Juni seien sie unter einer Million Euro gelegen.

Palfinger sucht weiterhin neuen CFO

Kaml ist künftig beim bayerischen Aufzugteile-Lieferanten Wittur tätig - ein von Private-Equity-Investoren gehaltenes Unternehmen. Die Suche nach einem Nachfolger als Palfinger-CFO läuft. Ortner hofft, dass der Personalausschuss des Aufsichtsrates bald eine Entscheidung darüber treffen kann. Kaml sei nicht nur "ein perfekter Finanzvorstand" gewesen, sondern mehr als das, betonte Ortner. (apa)

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