Beleuchtungsindustrie

Osram: Große Sorge um den Standort Berlin

Während der steirische Hersteller AMS um die Mehrheit bei Osram kämpft, wächst beim Betriebsrat des deutschen Industriekonzerns ganz unabhängit davon die Sorge um das Werk in Berlin. Von den einst 2.200 Beschäftigten dürften dort in zwei Jahren weniger als 500 bleiben, so die Betriebsräte - weil Osram nicht genug investiere.

Die Arbeitnehmervertreter des deutschen Lichttechnik-Konzerns Osram fürchten um die Existenz des Berliner Standortes. Es gäbe dort noch 670 Mitarbeiter, so gut wie alle könnten von Sparmaßnahmen des Unternehmens betroffen sein, sagte Gesamtbetriebsratschef Thomas Wetzel.

Bis Ende 2021 dürften es unter 500 sein. 2008 seien es noch 2.200 Beschäftigte gewesen. Große Betriebsflächen würden nicht mehr genutzt. "Über kurz oder lang wird uns das auffressen", sagte Wetzel.

Osram investiert nicht

Der Betriebsrat warf der Münchner Unternehmensführung vor, nicht genug in die Zukunftsfähigkeit zu investieren. Nur 15 Mitarbeiter seien in Berlin an dem Thema Anwendungen für selbstfahrende Autos dran. Für andere zukunftsträchtige Felder - etwa mit gut zu sehender Sicherheitsbekleidung oder Laser-Anwendungen in der Medizin - fehle aber das Geld. Viele Produkte in Berlin hätten nicht mehr die besten Zukunftschancen, Lampen für Videoprojektionen zum Beispiel. Die Strategie des Vorstands dürfe aber nicht nur Personalabbau sein, forderte Wetzel.

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Konzernchef Berlien: Angebot von AMS ist nun doch "attraktiv"

Osram steht auch unter Druck, weil der steirische Chip- und Sensorhersteller AMS das Unternehmen kaufen will. Das Übernahmeangebot von AMS über 41 Euro je Osram-Aktie läuft bis 5. Dezember.

Nach langem Widerstand sprach Osram-Chef Olaf Berlien in dieser Woche von einem attraktiven Angebot. Er verteidigte zudem die Sparpläne: Osram müsse auf die geringere Nachfrage nach Halogen-Leuchten reagieren. 2018/19 rutschte das Unternehmen mit 343 Millionen Euro in die roten Zahlen.

Schieflage bei Osram - AMS hoch verschuldet

Die Übernahmeschlacht bringe viel Unruhe, sagte Wetzel. "Wir befürchten eine Zerschlagung des Unternehmens." AMS wäre im Falle der Transaktion hoch verschuldet und müsste dann Teile verkaufen und weitere Stellen abbauen.

Aktuell dazu:
Kehrtwende: Osram gibt Widerstand gegen AMS auf >>  
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Allinaz Global Investors hat Beteiligung abgebaut

Allianz Global Investors hat seinen Anteil an dem deutschen Lichttechnikkonzern Osram weiter verringert. Der Vermögensverwalter des Münchner Versicherungsriesen, der vor einigen Wochen noch rund neun Prozent hielt, reduzierte die Beteiligung auf 2,79 Prozent. An wen der Investor verkaufte, geht aus der Pflichtmitteilung nicht hervor. (reuters/apa/red)

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