Autoindustrie

Opel: Streit um Löhne könnte ein Vorwand für Schließungen werden

Bei Opel könnte der Streit um Löhne an den deutschen Standorten zu einem Vorwand für Konzernmutter PSA werden, zwei Werke ganz zu schließen, sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Derzeit kündigt der Autobauer allen Autohändlern - auch in Österreich.

Die stockende Sanierung des Autobauers Opel gefährdet nach Auffassung eines Experten den Bestand zweier deutscher Werke. Dass die IG Metall mit politischer Unterstützung auf die Einhaltung bestehender Tarifverträge poche, könnte dem neuen Mutterkonzern PSA als Vorwand für bisher ausgeschlossene Werkschließungen dienen, so Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Centers an der Uni Duisburg-Essen.

"Am Ende könnte die Schließung in Kaiserslautern und Eisenach stehen"

"Am Ende könnte die Schließung der beiden Opel-Werke in Kaiserslautern und Eisenach stehen", sagte Dudenhöffer. Nur der Stammsitz Rüsselsheim sei wegen der dort sitzenden Entwicklung und der sehr modernen Produktion für PSA unverzichtbar.

Die Peugeot-Mutter PSA hatte diese Woche eine Investitionsentscheidung für Eisenach verschoben, nachdem Verhandlungen mit IG Metall und Betriebsrat nicht zur gewünschten Kostensenkung geführt hatten. Die Arbeitnehmer bestehen auf die Erfüllung älterer Tarifverträge, die noch mit dem Opel-Vorbesitzer General Motors abgeschlossen und von PSA übernommen worden waren.

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Investitionszusagen für Eisenach fehlen

Darin sind nach Lesart des thüringischen Wirtschaftsministers Wolfgang Tiefensee (SPD) beispielsweise zwei Modelle für das Werk Eisenach vorgesehen. PSA will dort aber nur einen Geländewagen bauen und nennt dazu keine Zahlen für einen möglichen Arbeitsplatzabbau. Nach den vorerst erfolglosen Gesprächen muss Opel zum April auch die Tariferhöhung im Metall-Flächentarif von 4,3 Prozent zahlen.

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Branchenexperte skeptisch - auch zur Kündigung von Autohändlern

Dudenhöffer sieht Opel aktuell in sehr schlechter Verfassung: Die Verkäufe sind in Deutschland trotz neuer SUV-Modelle in den ersten drei Monaten abgesackt, auch für Europa seien derzeit keine besseren Zahlen zu erwarten. In diesem und dem folgenden Jahr seien außer dem Nutzfahrzeug Combo keine neuen Fahrzeuge mehr geplant: "Opel steckt in einem Produktloch." Auch die Kündigung sämtlicher Händlerverträge sei überhaupt nicht hilfreich bei dem Vorhaben, mehr Autos zu verkaufen.

Ungleichgewicht bei Löhnen und Produktivität

Die hohen Lohnkosten machten die deutschen Werke im PSA-Verbund sehr teuer, zumal die Produktivität nicht dem Branchenstandard entspreche, sagte Dudenhöffer. Die IG Metall sei aus seiner Sicht in ihrer Strategie gefangen, da sie selbstverständlich nicht dulden könne, dass gültige Tarifverträge vom Unternehmen nicht eingehalten werden. "Die festgefahrene Situation könnte PSA-Chef Carlos Tavares als Begründung dienen, doch noch die Werke Eisenach und Kaiserslautern zu schließen", sagte der Auto-Professor.

Derzeit versucht Opel, mit Kurzarbeit und hohen Abfindungen das vorhandene Arbeitsvolumen zu senken. Die Höhe möglicher Abfindungen von bis zu 275.000 Euro ohne Zuschläge zeige deutlich den Ernst der Lage, meinte Dudenhöffer.

Keine Kündigungen in Deutschland bis Jahresende

Für die rund 18.000 Beschäftigten in Deutschland sind bis Jahresende betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Opel will die Sanierung nach eigenem Bekunden ohne Entlassungen und Werkschließungen bewältigen. Größere Investitionen hat PSA aber bisher nur für Opel-Werke außerhalb Deutschlands freigegeben. Eisenach hat aktuell rund 1.800 Beschäftigte, im Komponentenwerk Kaiserslautern arbeiteten im vergangenen Jahr gut 2.000 Menschen.

Allen Autohändlern in Europa gekündigt

Im Vertrieb hat Opel sämtlichen europäischen Händlern die Verträge gekündigt - auch in Österreich. Ziel seien neue Vereinbarungen, mit denen Leistung und Profitabilität des Handels gesteigert werden könnten, sagte ein Unternehmenssprecher in Rüsselsheim. In Europa werden demnach rund 1.600 Verträge gekündigt. Die neuen Verträge sollen jetzt verhandelt werden und laut Opel-Deutschland-Chef Jürgen Keller Anfang 2020 in Kraft treten.

Situation der Autohändler in Österreich

Der Schritt betrifft auch 46 österreichische Haupthändler mit über 100 Standorten. "Wir bieten den Händlern neue Verträge an", sagte Josef Ulrich, Österreich-Sprecher von Opel. Die Margen sollen künftig leistungsorientierter ausfallen.

Zudem werde der Verkauf von Personen- und Nutzfahrzeugen zusammengelegt. Die neuen Verträge sollen Anfang 2020 in Kraft treten.

Anzahl der Opel-Autohändler in Österreich soll gleich bleiben

Dass es dadurch weniger Händler in Österreich geben wird, glaubt Ulrich nicht. In Deutschland hingegen soll die Zahl der Opel-Autohäuser sinken. "Die zukünftigen Erfordernisse in der Branche und die zukünftigen Erfordernisse der Marken Opel und Vauxhall werden weniger Autohäuser nötig machen als die Marken jetzt besitzen", sagte der neue Vauxhall-Chef Stephen Norman.

(dpa-afx/dpa/APA/red)

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