Erdöl

OPEC erwartet für 2021 wieder steigenden Ölverbrauch

Das Ölkartell Opec rechnet für heuer mit rund neun Prozent weniger Ölbedarf weltweit. Nächstes Jahr soll der Verbrauch aber wieder um acht Prozent steigen.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) rechnet heuer mit rund neun Prozent weniger Ölbedarf weltweit, erwartet aber von dem tieferen Niveau ausgehend für 2021 wieder einen Verbrauchsanstieg von 7,7 Prozent. Heuer sieht man die Nachfrage im Schnitt um rund 9 Millionen auf 90,6 Millionen Barrel/Tag sinken, ungefähr ähnlich wie man das im Juli vermutet hat.

Heuer im zweiten Quartal wurde der coronavirusbedingt starke Rückgang des Bedarfs durch eine unerwartet gute Nachfrage in den europäischen OECD-Staaten ausgeglichen, hieß es am Mittwoch im neuen OPEC-Monatsbericht zum Ölmarkt. Das zweite Halbjahr 2020 werde gegenüber der Lagebeurteilung vor einem Monat etwas nach unten angepasst, entsprechend der absehbar schwächeren Wirtschaftsdynamik, hauptsächlich in einigen Nicht-OECD-Ländern.

Für 2021 prognostiziert die OPEC einen Anstieg der weltweiten Ölnachfrage um 7,0 Mio. Fass pro Tag, unverändert gegenüber dem vorigen Monat. Den gesamten globalen Ölverbrauch erwartet man nun für 2021 bei im Schnitt 97,6 Mio. Barrel/Tag. "Die Prognose geht davon aus, dass Covid-19 weltweit weitgehend eingedämmt wird, ohne dass es zu weiteren größeren Störungen der Weltwirtschaft kommt." Folglich sei sowohl für die OECD- als auch die Nicht-OECD-Länder ein stetiger Aufschwung der wirtschaftlichen Aktivitäten zu erwarten. Infolgedessen werde für den OECD-Raum 2021 ein Wachstum der Ölnachfrage um 3,5 Mio. Barrel pro Tag erwartet, was rechnerisch der Hälfte des globalen Verbrauchsanstiegs entspräche. Für die Nicht-OECD-Länder werde mit einem ähnlichen Wachstum gerechnet, "wobei China und das übrige Asien die Zuwächse anführen werden".

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Im April hatte die 23 Länder zählende OPEC-Gruppe auf Drängen Saudi-Arabiens ihre Förderung um 9,7 Mio. Barrel täglich gedrosselt, um dem Preisverfall durch die Coronakrise entgegenzuwirken. Mittlerweile - Anfang August - liefen einige der Förderkürzungen aber aus; die Produktion der OPEC-Länder und ihrer Verbündeten wie Russland muss nun nur noch um 7,7 Mio. Barrel pro Tag gedrosselt werden. "Das OPEC-Experiment einer höheren Produktion ab August könnte fehlschlagen, weil wir immer noch weit von einer Erholung der Nachfrage entfernt sind", hatte Rystad-Energy-Ölexperte Björnar Tonhaugen vorige Woche gewarnt: "Der Markt wird in eine Mini-Angebotsflut geraten, und eine Rückkehr zu einem Defizit wird nicht vor Dezember 2020 anstehen."

Insgesamt wuchs das OPEC-Volumen im Juli - nach zwei Monaten Rückgang - und zwar laut Sekundärangaben um 0,98 Mio. auf 23,17 Mio. Barrel pro Tag. Damit stieg der OPEC-Anteil an der Weltförderung binnen Monatsfrist um 0,7 Prozentpunkte auf 26,1 Prozent.

Die Nicht-OPEC-Menge legte im Juli weiter zu - um 0,31 Mio. auf 65,58 Mio. Barrel/Tag, das war um 4,06 Mio. Fass/Tag weniger als im Juli 2019. Für die Rückgänge waren vor allem die OECD-Industriestaaten verantwortlich, speziell Kanada und Norwegen.

Der führende OPEC-Produzent Saudi-Arabien steigerte seine Menge laut diesen Angaben binnen Monatsfrist kräftig von 7,54 auf 8,41 Mio. Fass täglich, das zweitgrößte Förderland Irak legte leicht zu, von 3,71 auf 3,75 Mio. Barrel/Tag. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) steigerten den Output im Juli leicht von 2,33 auf 2,43 Mio. und Kuwait von 2,09 auf 2,16 Mio. Barrel täglich. In Libyen, wo auch die österreichische OMV tätig ist, lag die Gesamtförderung im Juli mit niedrigen 100.000 Fass/Tag kaum höher als im Monat davor, Ende 2019 war es noch über eine Million Fass pro Tag gewesen. Ende Juli hatte OMV-Chef Rainer Seele zur APA gesagt, man erwarte sich kurzfristig keine deutliche Verbesserung. Die Situation in Libyen bleibe fragil, "wir planen derzeit keine Produktion im dritten Quartal". (apa/red)