Mineralölindustrie

OMV verkauft 30 Prozent am Ölfeld Rosebank in der Nordsee

Mit dem Verkauf von 30 Prozent Anteilen am britischen Gas- und Ölprojekt Rosebank will sich die OMV "Spielraum verschaffen", wie Konzernchef Rainer Seele sagt. In den Ergebnissen des ersten Halbjahres spiegelt sich der weiter sehr niedrige Ölpreis und die "Gasschwemme" in Europa.

Hier eine Grafik mit Kennzahlen der OMV im ersten Halbjahr 2016 in Millionen Euro. Zur Vergrößerung ins Bild klicken.

Der Verkauf des 30-Prozent-Pakets am britischen Öl-und Gasprojekt Rosebank "schafft für uns Spielraum", sagte OMV-Chef Rainer Seele bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. "Dieses Milliardenprojekt ist die größte Einzelinvestition der OMV in der Region, sie lastet schwer auf der OMV. Und die Entlastung tut uns wirklich gut."

Bei Rosebank handle es sich um ein Großprojekt mit Milliarden an Folgekosten, erklärte Seele. "Unser Anteil sinkt von 50 auf 20 Prozent, das bringt eine deutliche Entlastung des zukünftigen Cashflows." Beim Closing der Transaktion mit dem kanadischen Käufer Suncor erhält die OMV eine fixe Zahlung von 50 Mio. US-Dollar (derzeit 45,13 Mio. Euro), weitere bis zu 165 Mio. Dollar folgen abhängig vom Zeitpunkt der Investitionsentscheidung.

Wegen der Veränderung des Ausgangsszenarios aus dem Jahr 2015 sei eine Wertberichtigung der gesamten OMV-Beteiligung von 50 Prozent an Rosebank um 530 Mio. Euro unumgänglich gewesen, sagte Seele. Die Abschreibung hat das Halbjahresergebnis fast völlig wegschmelzen lassen - der Nettogewinn sank von 513 Mio. Euro (1. HJ 2015) auf 19 Mio. Euro. Im zweiten Quartal drehte der Periodenüberschuss von 292 Mio. Euro auf -117 Mio. Euro ins Minus. Der den Aktionären zuzurechnende Periodenüberschuss verschlechterte sich im zweiten Quartal von 209 auf -168 Mio. Euro. Der operative Verlust betrug im zweiten Quartal 300 Mio. Euro - für das Vergleichsquartal 2015 hatte die OMV noch einen operativen Gewinn (EBIT) von 222 Mio. Euro ausgewiesen.

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Man müsse aber die um Sondereffekte bereinigten Zahlen betrachten, sagte der OMV-Chef. "Wir haben die OMV finanziell stabilisiert. Erstmals seit langem können wir die Dividende bereits nach sechs Monaten aus dem laufenden Geschäft bezahlen." Der Free Cashflow nach Dividende seit mit 27 Mio. Euro positiv - "das klingt vielleicht nicht nach viel, aber ist ein sehr starkes Signal". Die bisher gesetzten Maßnahmen - Kostensenkungsprogramme und Anpassung der Explorations- und Investitionsausgaben - würden greifen.

Ölpreis steigt an - bleibt aber trotzdem sehr niedrig

Das Umfeld bleibe schwierig, sagte Seele. "Im zweiten Quartal hat sich der Ölpreis zwar auf 46 US-Dollar verbessert, die Fundamentaldaten haben sich allerdings nicht verändert. Der Markt ist nach wie vor überversorgt." Wegen der schwachen Konjunktur springe auch die Nachfrage nach Öl nicht an. "Es wird zu viel produziert, der Produktionswettbewerb zwischen Iran und Saudi-Arabien ist ruinös." Für das Gesamtjahr rechnet mit OMV weiterhin mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 40 Dollar je Fass.

"Fast noch enttäuschender entwickelt sich der europäische Gasmarkt: Die Gasschwemme - so muss man das Überangebot wohl nennen - hat die Gaspreise um über 30 Prozent abstürzen lassen, auf jetzt 14 Euro pro Megawattstunde." Ein kalter Winter könnte da helfen, meinte Seele, "mehr aber noch eine Wende bei der Energiewende - weg von CO2-intensiver Kohle hin zu sauberem Erdgas bei der Stromproduktion".

"Was bringt uns ein Ölfeld, das in einer politisch stabilen Region liegt, wenn ich damit kein Geld verdienen kann?"

Der teilweise Ausstieg aus Rosebank sei nicht spontan geschehen, "wir haben das seit längerer Zeit geplant", sagte Upstream-Vorstand Johann Pleininger. Man werde künftig weltweit "wirtschaftlich schwache Assets abgeben und versuchen, starke Assets mit niedrigen Kosten in unser Portfolio aufzunehmen". Seit 2014 habe die OMV ihre Produktionskosten schrittweise von 16,60 Dollar pro Barrel auf derzeit 11,50 Dollar gesenkt. Den Einwand, dass man die Kostenersparnis mit einem höheren Risiko bezahle, lässt Seele nicht gelten. "Was bringt uns ein Ölfeld, das in einer politisch stabilen Region liegt, wenn ich damit kein Geld verdienen kann."

Deal mit Gazprom: Fixierung erst Ende 2016

Teil dieser Strategie sei auch der geplante Asset-Tausch mit Gazprom, nämlich Nordsee gegen Urengoj, sagte Seele. Eine Verbindliche Vereinbarung über das Tauschgeschäft soll bis Jahresende unterzeichnet werden, "erst dann werden wir die Genehmigungsverfahren in Russland und in Europa einleiten".

Der Verkauf eines Minderheitsanteils an der regulierten Gas Connect Austria ziele auf eine Verbesserung der OMV-Eigenkapitalbasis ab. "Wir brauchen den Verkauf nicht, um Nordstream 2 zu finanzieren oder unsere Dividende zu zahlen", betonte Seele. Die GCA bleibe auch nach dem Verkauf von 49 Prozent ein wichtiges Asset, "die OMV bleibt am Steuer und behält die Kontrolle". Es bleibe bei der Vollkonsolidierung in der Bilanz, bei den Mitarbeitern oder beim Investitionsverhalten werde es keine Veränderungen geben.

Der vollständige Verkauf des türkischen Tankstellengeschäfts Petrol Ofisi sei notwendig, weil es u.a. wegen der innertürkischen Regulierung nicht gelungen sei, das Unternehmen strategisch in den Konzernverbund zu integrieren - dabei sei es gesund und profitabel. "Der Verkauf wird planmäßig durchgezogen, trotz Putschversuch, trotz der derzeitigen politischen Veränderungen. Unser operatives Geschäft ist bisher in keiner Weise betroffen", sagte Seele.

Die Anleger nahmen den Verkauf von Rosebank wegen der damit verbundenen Abwehr von Folgekosten offenbar eher positiv auf, die OMV-Aktien legten bis 13 Uhr um 0,78 Prozent auf 24,56 Euro zu, bei leicht schwachem Marktumfeld. (apa/red)

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