Mineralölkonzern

OMV-Rochaden: Wird Davies der neue Mann an der OMV-Spitze?

Im Nachfolger-Karussell rund um die OMV soll Post-Chef Georg Pölzl keine tragende Rolle mehr spielen. Nachfolger von Noch-OMV-Chef Gerhard Roiss könnte, vorerst interimistisch, der Brite David C. Davies werden. Davies sitzt seit 2002 im OMV-Vorstand. Neuer CFO soll Wolf-Intimus und Aufsichtsratsvizechef Thomas Winkler werden.

Es ist nicht gerade der beste Spin, den die Staatsholding ÖIAG und ihre wichtigste Beteiligung, der Öl- und Gasriese OMV dieser Tage wieder einmal in den Artikeln der heimischen Tageszeitungen genießen. Grund ist eine Schlammschlacht rund um einen neuen Vorstandschef für die OMV. Bis zur Aufsichtsratssitzung am Dienstag wird jedenfalls weiter auf Hochdruck an einer Vorentscheidung gefeilt.

Pölzl aus dem Rennen

Als Favorit für die Nachfolge von OMV-Chef Gerhard Roiss wurde zu erst Post-Chef Georg Pölzl gehandelt. Dieser bringe als Absolvent der Montan-Universität auch die fachliche Eignung mi, wie die Zeitung "Die Presse" am Freitag schreibt. Pölzl sei mittlerweile aber schon aus dem Rennen um den Chefsessel bei der OMV, da der Roiss-Nachfolger aus dem Konzern kommen solle.

Nun gibt es einen neuen Favoriten: Dem OMV-Finanzvorstand und Roiss-Stellvertreter David Davies werden von mehreren Zeitungen gute Chancen eingeräumt, zumindest interimistisch das Steuer zu übernehmen, bis ein endgültiger Nachfolger gefunden ist. Davies soll neben dem für Raffinerien und Tankstellen verantwortlichen Manfred Leitner als einziger der bisherigen Mannschaft im Vorstand bleiben.

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Als neuer Finanzchef werde für diesen Fall in informierten Kreisen der ehemalige Lenzing-Vorstand Thomas Winkler kolportiert, schreibt der "Kurier" heute. Er müsste dann sein Mandat als Aufsichtsrats-Vizechef der ÖIAG und als Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Bashneft zurücklegen.

ÖIAG-Chef Rudolf Kemler, der bereits im Juli öffentlich über die Roiss-Nachfolge nachgedacht hatte, könnte seinen eigenen Posten möglicherweise nicht länger behalten als der OMV-Chef, schreibt der "Kurier": Hätte es zuletzt geheißen, sein Vertrag dürfte nur noch bis 2016 werden, sei inzwischen von einem Abgang bereits 2015 die Rede.

"Was sich da abspielt, ist eine Tragöide"
 

"Was sich da abspielt, ist eine Tragödie" - so kommentiert Kleinaktionärsvertreters Wilhelm Rasinger die Vorgänge rund um geplante Demontage von OMV-Chef Gerhard Roiss. "Wie das abläuft ist ein Zeichen von wenig Professionalität", sagte Rasinger am Freitag zur APA. Die Vertreter der ÖIAG hätten die schwierige Situation - "wir haben es mit starken Persönlichkeiten zu tun" - nicht im Griff.

Rasinger stört sich nicht nur an der Tatsache, dass Roiss nun vorzeitig aus dem Spiel genommen werden soll, sondern auch an der Art, wie das gemacht wird. "Diese Sachen gehören intern ausgetragen." Es sei jedenfalls unprofessionell, den Konflikt so eskalieren zu lassen, dass das Unternehmen von heute auf morgen ohne Führung dastehe. "Deswegen hätte man die OMV nicht privatisieren brauchen." Im übrigen sei alles, was man Roiss nun vorwerfe - etwa dass er impulsiv sei und "eine gewisse Härte" an den Tag lege -, bereits bei seiner Bestellung bekannt gewesen.

Es zeige sich nun auch, das Syndikatsverträge (wie zwischen ÖIAG und IPIC, Anm.) problematisch seien, "wenn sehr unterschiedliche Interessen Platz greifen". Es sei jedenfalls "unerfreulich, dass manche dies als Chance sehen, sich entsprechend zu positionieren", sagte Rasinger im Hinblick auf die Nachfolge-Spekulationen, die bereits voll im Gange sind.