Erdgas

OMV: Hinter US-Kritik an Nord Stream 2 stehen wirtschaftliche Interessen

OMV-Vorstand Manfred Leitner meint, er sei dankbar, dass Wien und Berlin klare Positionen zum Bau der neuen Gasröhre Nord Stream 2 hätten. Außerdem habe der Konzern trotz angedrohter Sanktionen bisher keinen Brief von Vertretern der USA bekommen.

OMV-Vorstand Manfred Leitner verteidigt die von den USA kritisierte, in Bau befindliche Nord-Stream-2-Gaspipeline, bei der der österreichische Öl- und Gaskonzern als ein Finanzierungspartner agiert. Er sei dankbar, dass die Regierungen in Wien und Berlin klare Positionen dazu hätten.

Dazu: Berlin: Über Nord Stream 2 wird in Europa entschieden - und nicht in USA >>

Die OMV hat übrigens keinen bisher keinen diesbezüglichen Brief des US-Botschafters in Deutschland, Richard Grenell, erhalten.

White Paper zum Thema

Nord Stream 2 sei für die Versorgungssicherheit Europas "extrem wichtig", da sie zusätzliches Erdgas bringe, betont Downstream-Vorstand Leitner im "Standard". Dieses Gas stehe in Konkurrenz zu anderen Importströmen, die im Wesentlichen Flüssiggasströme seien, also LNG.

Fracking ohne Umweltauflagen

"Da kommen jetzt die Amerikaner ins Spiel", so Leitner, denn die produzierten mittels Fracking günstig und ohne Umweltauflagen inzwischen mehr Gas als sie selbst verbrauchen könnten: "Jetzt suchen die Amerikaner Märkte, um das überschüssige Gas in Form von LNG vermarkten zu können."

"Wahrscheinlich wirtschaftliche Interessen"

Hinter der kritischen Haltung der USA gegenüber der Nord Stream 2 stünden "wahrscheinlich wirtschaftliche Interessen", vermutet der OMV-Vorstandsdirektor, daneben gebe es auch Machtinteressen, das sei aber nicht sein Gebiet.

Gerne wissen würde Leitner jedoch, was die US-Regierung wohl sagen würde, wenn die EU erklärte, sie sollte die XL-Pipeline von Kanada in die USA nicht bauen, weil diese Leitung allen Vorstellungen der EU widerspreche.

Druck aus Washington

Die USA hatten zuletzt in bisher nicht gekannter Schärfe Kritik an der Nord Stream 2 geübt.

Dazu:
Nord Stream 2: USA deuten Sanktionen für Spezialfirmen an >>  
Nord Stream 2: USA drohen Firmen erstmals mit Sanktionen >>  

Wie am Wochenende bekannt geworden ist, hat der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, in einem Brief an der Pipeline beteiligten Konzernen damit gedroht, sie würden sich einem "erheblichen Sanktionsrisiko" aussetzen. Die OMV hat laut "Presse" kein solches Schreiben erhalten.

Wie der erste Nord-Stream-Strang, der seit 2011 in Betrieb ist, soll auch der zweite - geplante Betriebsbereitschaft Ende 2019 - eine Jahreskapazität von 55 Mrd. m3 aufweisen. Auch die Nord Stream 2 soll Gas direkt von Russland über die Ostsee nach Mitteleuropa transportieren, ohne den Weg über die Ukraine zu nehmen. (APA/red)