Erdgas

OMV-Chef Seele schmeichelt Russland und kritisiert die EU

Bei seinem Besuch in in St. Petersburg findet Rainer Seele wieder einmal lobende Worte für seinen Gastgeber - und spricht im Hinblick auf die Energiepolitik der Europäische Union von einem "nationalistisches Interesse von Individuen".

Rainer Seele, der Vorstandsvorsitzende des österreichischen Mineralölriesen OMV, hat beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg die EU-Kommission für ihre abwehrende Einstellung zur geplanten Pipeline Nord Stream 2 kritisiert, die ab 2019 russisches Gas nach Deutschland befördern soll.

Freundliche Worte für Putins Russland

Gleichzeitig betonte der Manager einmal mehr Russlands Zuverlässigkeit als Gaslieferer. Die Rolle der EU-Kommission sei es, Investitionen anzuziehen und Europas Versorgungssicherheit sicherzustellen, betonte Seele. "Doch die Kommission macht manchmal das genaue Gegenteil und ist sehr unfreundlich in Bezug auf Milliardeninvestitionen, die zu einem substanziellen Teil auch aus EU-Mitgliedstaaten kommen", erklärte der Spitzenmanager in einer Podiumsdiskussion.

Seele bezog sich dabei auf administrative Schwierigkeiten bei der vom Gazprom-Konzern geplanten Nord-Stream-2-Pipeline, an deren Errichtung auch einige europäische Gaskonzerne, darunter die OMV, interessiert sind.

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Europas Energiepolitik ist für Seele "nationalistisches Interesse von Individuen"

Kein einziger Gasliefervertrag sei von der EU Kommission verhandelt worden und die politische Diskussion mache ihm als Investor Sorgen, sagte Seele. "Manche Menschen in Brüssel denken, dass die bloße Diversifizierung der Quellen für Versorgungssicherheit sorgen wird. Doch diese Rechnung wird nicht aufgehen", unterstrich er und kritisierte ein "nationalistisches Interesse von Individuen", die Gasfragen innenpolitisch missbrauchten.

Einmal mehr unterstrich der OMV-Chef die Zuverlässigkeit russischer Gaslieferungen. "Der letzte Winter war der kälteste in 30 Jahren und wäre ohne Gas aus Russland nicht zu managen gewesen. In einer Zeit von Spitzenverbrauch und einer abnehmenden Eigenproduktion sprang Gazprom in einer höchst verantwortlichen und zuverlässigen Weise ein", sagte er.

Freude über den kalten Winter und weiterhin kalte Temperaturen in Europa hatte vor Seeles Auftritt auch der Vorstandsvorsitzende des russischen Gazprom-Konzerns, Aleksej Miller, gezeigt. Die Erdgasexporte nach Europa würden am 1. Juni 2017 543 Millionen Kubikmeter betragen, das sei ein sonst für die Wintermonate übliches Volumen, sagte Miller. "Wir können sagen, dass der achte Wintermonat begonnen hat", scherzte er. (apa/red)