Erdgas

OMV-Chef: Gegenseitige Abhängigkeit mit Russland sei "kein Problem"

Die Sorgen in der Ukraine um den Entfall von Einnahmen wegen Nord Stream 2 hält Rainer Seele für übertrieben - die Kritik an der hohen Abhängigkeit zu Russland ebenfalls.

Der Chef des Öl- und Gaskonzerns OMV, Rainer Seele, hält die Sorgen der Ukraine und von Politikern in Europa wegen der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 für übertrieben. Die neue 1200 Kilometer lange Gasleitung zwischen Russland und Deutschland werde die bisherige Trasse nicht völlig ersetzen, sagte Seele wenige Tage vor dem Besuch von Russlands Präsident Wladimir Putin in Wien.

Gegenseitige Abhängigkeit ist kein Problem

"Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass die Nord Stream 2 gebaut wird, damit die Kapazitäten in der Ukraine überhaupt nicht mehr genutzt werden", meinte der deutsche Topmanager, der seit 2015 Vorstandsvorsitzender des österreichischen Mineralölkonzerns ist, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Die Ukraine dringt mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung darauf, dass ihr die bisherigen Einnahmen als Transitland für russische Gasexporte nicht wegbrechen. Auch die Abhängigkeit der EU von russischem Gas wachse keinesfalls bedrohlich, meinte Seele: "Eine Abhängigkeit ist dann kein Problem, wenn sie gegenseitig ist - wie in diesem Fall. Russland braucht diesen Markt."

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Drei Baugenehmigungen stehen noch aus

Die OMV gehört zu den Investoren des Milliarden-Projekts Nord Stream 2. Am 5. Juni feiert der Konzern im Beisein von Putin den 50. Jahrestag des Gasliefervertrags mit der damaligen Sowjetunion. Die Entscheidung über die drei noch fehlenden Baugenehmigungen aus Russland, Dänemark und Schweden dürfte im Spätsommer fallen, sagte Seele. Bisher hätten die acht Investoren - darunter auch Shell und die deutsche Wintershall - vier Milliarden Euro der Nord Stream 2 AG zur Verfügung gestellt.

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Die neue Pipeline solle die Versorgungssicherheit zu einem attraktiven Preis sicherstellen. In Großbritannien und vor allem in den Niederlanden mit dem größten Gasfeld der EU in Groningen werde die Gasproduktion deutlich zurückgehen. In Groningen gingen allein 15 Prozent der deutschen Nachfrage aus dem Markt. "Der Importbedarf von Europa wird steigen", meinte der OMV-Chef. Aktuell liege der Anteil von russischem Gas bei 25 bis 30 Prozent.

Kritik an der Intervention der USA

Die US-Kritik an dem Vorhaben erscheine ihm durchsichtig. "Die Intervention der US-Regierung hinterlässt bei mir sehr deutlich den Eindruck, dass wirtschaftliche Interessen durch Sanktionsmaßnahmen verfolgt werden." Es gebe offenbar die klare Absicht, amerikanisches Flüssigerdgas vermehrt nach Europa zu verschiffen. Mehr dazu: Sanktionen der USA gegen Nord Stream 2 möglich >>

Seele, der auch Präsident der deutsch-russischen Außenhandelskammer ist, sieht die EU-Sanktionen gegen Russland kritisch. Die deutsche Wirtschaft habe daraus erhebliche Einbußen und verliere in Russland viele Marktanteile an Wettbewerber wie China. Sanktionen sollten schrittweise fallen, sofern es Fortschritte bei der Umsetzung des Minsker Abkommens für eine friedliche Lösung in der Ostukraine gebe. "Der Baukasten der Diplomatie enthält mehr als Sanktionen."

Der Ölpreis wird sich nach Einschätzung des Managers auf Sicht mindestens auf der aktuellen Höhe halten. "Momentan ist auch eine Risikoprämie im Ölpreis wegen der internationalen Konflikte enthalten. Das wird sich so schnell nicht ändern." Der Preis werde voraussichtlich bei 70 Dollar pro Barrel in den nächsten Quartalen bleiben. Mittelfristig könne das Ölangebot sogar schrumpfen, weil in den Jahren 2015 bis 2017 nicht mehr in die Förderung investiert worden sei. "Das werden wir zu spüren bekommen, sofern es nicht zu beschleunigten Investitionen kommt."

Besuch Putins in Wien zum Jahrestag der ersten Gaslieferung 1968

Putin wird am 5. Juni nach Wien und bei dem eintägigen Arbeitsbesuch unter anderen Bundespräsident Alexander Van der Bellen treffen. Der Besuch Putins wurde aber auch mit der schwarz-blauen Bundesregierung" abgestimmt, wie die Präsidentschaftskanzlei im Vorfeld bestätigt. Der formale Anlass für die Visite ist der 50. Jahrestag der Unterzeichnung von Gaslieferverträgen zwischen der OMV und der damaligen Sowjetunion am 1. Juni 1968.

Am eigentlichen Jahrestag der Aufnahme der Gaslieferungen, dem 1. Juni, wird sich der Bundespräsident zu einer schon seit längerem geplanten Reise in Estland befinden. Van der Bellen schließt damit seine Tour durch jene Staaten ab, die gemeinsam mit Österreich das EU-Ratsvorsitztrio bilden. Das derzeitige Vorsitzland Bulgarien hatte er vergangene Woche besucht. Am 1. Juli übernimmt Österreich für ein halbes Jahr den Vorsitz im Rat der Europäischen Union. (APA/red)

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