US-Sanktionen

Oligarch Vekselberg nimmt S+B, Oerlikon und Sulzer aus der Schusslinie

Der Oligarch Viktor Vekselberg will den Schweizer Anlagenbauer Oerlikon, den Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach und den Maschinenbauer Sulzer vor Auswirkungen der Sanktionen schützen. Zuvor haben die USA Strafmaßnahmen gegen sieben Oligarchen und ihre Firmen angekündigt.

Mit einem Teil-Rückzug will der russische Oligarch Viktor Vekselberg seine Schweizer Beteiligungen vor den Auswirkungen der gegen ihn erlassenen US-Sanktionen schützen.

Vekselberg hatte vergangene Woche seine Anteile am Anlagenbauer Oerlikon und am Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach (S+B) reduziert. Auch beim Schweizer Maschinenbauer Sulzer hat Vekselberg seine Anteile reduziert. Vekselberg hat die Aktien allerdings an ihm nahestehende Investoren sowie eigene Manager verkauft - und und nicht über die Börse.

"Wer merkt, dass seine Beteiligungen Probleme bekommen, muss etwas machen", erklärte eine mit der Situation vertraute Person. Trotz des Befreiungsschlags müsse sich aber erst noch weisen, ob die Sache völlig ausgestanden sei, erklärte eine zweite Person.

Sanktionen gegen sieben Oligarchen und ihre Firmen

Die USA hatten Anfang April gegen sieben Russen und zwölf ihrer Firmen Strafmaßnahmen verhängt, weil sich Russland in den US-Präsidentschaftswahlkampf eingemischt haben soll, darunter auch Vekselberg. Im Visier der Amerikaner standen zudem Gesellschaften, an denen die Oligarchen die Mehrheit besitzen. Dazu gehörte auch der Schweizer Maschinenbauer Sulzer. Um Strafmaßnahmen zu entgehen, baute Vekselberg seine Sulzer-Beteiligung kurz darauf unter 50 Prozent ab.

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Hauptproblem ist die Frage der Finanzierung

Doch obwohl seine Anteile an den beiden anderen Schweizer Unternehmen unter dieser Schwelle lagen, spürten auch diese Gesellschaften Gegenwind. "Das Hauptproblem sind nicht die Sanktionen selbst, sondern das Verhalten der Banken", erklärte die mit der Situation vertraute Person. So hätten sie die Hürden für die Finanzierung von Geschäften angehoben.

In eine ähnliche Richtung hatte sich Anfang Mai bereits Oerlikon-Chef Roland Fischer geäußert; es gebe Nachfragen von einzelnen Finanzhäusern, bevor diese in Transaktionen mit dem Konzern einwilligten. Ein S+B-Sprecher erklärte, bei gewissen Kreditgeschäften schauten die Banken genauer hin. Mit einer schnellen Änderung rechnete er nicht. "Solange die Sanktionen gegen Herr Vekselberg in Kraft sind, wird das ein Thema bleiben."

"Diese Verunsicherung ist von den Amerikanern gewollt"

Zulieferer, Kunden oder Banken seien oftmals sehr vorsichtig, wenn es um Geschäfte mit Firmen gehe, die eine sanktionierte Partei als bedeutenden Aktionär hätten, erklärte Philippe Reich von der Anwaltskanzlei Baker McKenzie. "Viele sagen sich einfach: Mit einer solchen Firma will ich möglichst wenig oder gar nichts zu tun haben." Viele Zulieferer, Kunden und Banken machten sich gegenwärtig solche Überlegungen. "Diese Verunsicherung ist von den Amerikanern gewollt", so der Sanktionsexperte. Viele Bestimmungen seien absichtlich vage formuliert.

"Der Beteiligungs-Abbau nimmt etwas Druck weg", erklärte ein Analyst. Das hängt auch damit zusammen, dass Vekselberg Bankkredite im Volumen von über einer Milliarde Franken an Institute wie Credit Suisse, UBS und Deutsche Bank zurückzahlte, wie Insider zu Reuters sagten.

Verkauf an der Börse vorbei wird begrüßt

Als Sicherheit für die Kredite dienten Aktienpakete an Oerlikon, S+B sowie Sulzer. Händler hatten befürchtet, dass diese Aktien auf den Markt geworfen werden könnten, wenn die Banken das Geld nicht bis zum Inkrafttreten der US-Sanktionen am 5. Juni zurückerhalten hätten. Der Analyst wertete es zudem als positiv, dass Vekselberg die Oerlikon- und S+B-Aktien an ihm nahestehende Investoren sowie eigene Manager und nicht über die Börse verkauft habe. "Wenn die Amerikaner das akzeptieren, ist das eine elegante Lösung", erklärte er.

(Reuters/apa/red)

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