Außenhandel

Österreichs Wirtschaftsdelegierter besorgt über deutsche Grenzpolitik

Die Schließung von Übergängen an den österreichisch-deutschen Grenzen sei mit einer "dramatischen Verschlechterung für unsere Wirtschaft" verbunden, so der in Berlin stationierte österreichische Wirtschaftsdelegierte Michael Scherz.

Sorge anlässlich der politischen Entwicklung rund um die Coronakrise in Deutschland und Österreich äußerte der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Berlin, Michael Scherz, in einer Online-Konferenz gegenüber österreichischen Korrespondenten. "Die Situation würde sich dramatisch verschlechtern für unsere Wirtschaft, sollten wir als Gebiet mit Virusmutationen eingestuft werden", sagte er.

Bis jetzt sei der Geschäftsverkehr zwar mühsam, aber gut gelaufen. "Wir hoffen, dass das so bleibt", sagte Scherz, der seit vorigem Herbst den Posten des Wirtschaftsdelegierten in Berlin innehat. Die Anfragen an die Wirtschaftskammer-Stellen in München, Düsseldorf und Berlin seien im vorigen Jahr deutlich angestiegen. Die jüngste Kommunikation in Tirol sei nicht professionell gewesen, räumte Scherz im Hinblick auf verärgerte Reaktionen aus Deutschland ein. "Die Nerven liegen blank. Es spielen aber andere Dinge auch eine Rolle. Wir befinden uns hier einige Monate vor Wahl."

"Immer auf Ischgl zu verweisen, hilft auch nicht"

"Immer auf Ischgl zu verweisen, hilft auch nicht", sagte Scherz. Doch gebe es Unternehmer, die sehr verärgert seien, "dass es so gekommen ist und die Leute nicht diszipliniert sind". Würde es zu einer Grenzschließung kommen, würde es Österreichs Wirtschaft deutlich treffen, weil keine Montagen, Inbetriebnahme von Maschinen und Dienstfahrten mehr möglich wären. "Eine Verschärfung des Regimes, ist das Letzte, was wir wollen", sagte Scherz. Zwar gebe es keine Indizien in die Richtung. "Aber wir sind besorgt, das sage ich ganz ehrlich."

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Coronahilfen für Betriebe funktionieren in Österreich viel besser als in Deutschland

Die Hilfen für Betriebe scheinen laut Scherz in Österreich weit besser funktioniert zu haben als in Deutschland, wo die Auszahlungen massiv erst ab Jänner eingesetzt hätten, weil anfangs die Software nicht funktioniert habe. In Deutschland seien zwar wesentlich höhere Hilfen zugesagt worden, die Auszahlung aber nur schleppend vorangekommen, was sich jetzt bessere. "Ich habe mir sagen lassen, dass es sehr kompliziert ist in der Beantragung", sagte der österreichische Wirtschaftsdelegierte.

In den nächsten Jahren will die Wirtschaftskammer in Deutschland auf Nachhaltigkeit und Digitalisierung setzen. "E-Government und E-Health ist in Österreich weiter als in Deutschland", sagte Scherz. "Wir versuchen auch österreichische Start-Ups verstärkt an deutsche Unternehmen heranzuführen, etwa an die Kreativwirtschaft in Berlin."

Trotz der angespannten Situation zeigte sich der Wirtschaftsdelegierte zuversichtlich: "Grundsätzlich müssen wir sagen, dass der Geschäftsverkehr aufrechterhalten werden kann. So wie es jetzt ist, können wir hoffentlich gut über das letzte Drittel der Krise kommen." (apa/red)

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