Stromproduktion

Österreichs Stromproduktion mit Windkraft wächst deutlich

Im Vorjahr konnte die Stromproduktion mit Windkraft deutlich zulegen. Doch für heuer warnt der Fachverband IG Windkraft vor einer Verlangsamung und fordert eine Reform des Ökostromgesetzes.

Die Windkraft hat im Vorjahr weiter Zuwächse verzeichnet. Der Ausbau könnte sich aber verlangsamen, warnt die IG Windkraft. Durch die Verwerfungen am Strommarkt seien bereits genehmigte Projekte ohne Umsetzungsperspektive. Ein Ökostromgesetz-Reform sei nötig. "Der Windkraftmotor beginnt zu stottern", so IG-Windkraft-Geschäftsführer Stefan Moidl.

2015 wurden 108 neue Windräder errichtet. Die gesamte installierte Leistung stieg um 323 auf 2.409 Megawatt (MW). 5,2 Mrd. Kilowattstunden Strom können damit erzeugt, elektrische Energie für mehr als 1,5 Millionen Haushalte geliefert werden. Heuer werden laut IG-Windkraft-Prognose nur mehr neue 79 Windräder mit einer Gesamtleistung von 241 MW errichtet. Investiert wurden im Vorjahr mehr als 530 Mio. Euro, im Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2015 waren es rund 550 Mio. Euro, heuer dürften es rund 400 Mio. Euro sein. Die Förder-Warteschlange für bereits genehmigte Projekte reicht über mehrere Jahre, das Fördervolumen ist bereits bis 2018 ausgeschöpft.

Hunderte Projekte in der Warteschleife

Aktuell befänden sich rund 220 Windräder mit einer Gesamtleistung von 660 MW in der Warteschleife und erhielten heuer keine Förderzusage mehr. Das Investitionsvolumen betrage rund 1,1 Mrd. Euro. Rund die Hälfte dieser bereits genehmigten Projekte habe keine Perspektive für eine Umsetzung, denn laut Ökostromgesetz verfallen die bei der Ökostromabwicklungsstelle OeMAG eingereichten Projekte nach drei Jahren. Erhält also beispielsweise ein 2015 eingereichtes genehmigtes Projekt bis 2018 keine Zusage, so muss die Anlage neuerlich genehmigt werden. Die Förderzusagen werden nach der Reihenfolge der Anträge gegeben.

Geändert werden könnte dies mit einer einfachen Novelle des Ökostromgesetzes, die diese Drei-Jahres-Frist aufhebt und die auch keiner EU-Notifizierung bedürfe, hieß es heute. Es könnte eine vorgezogene Vertragsausstellung ermöglicht werden. Eine Reform sei nötig, um rund 100 neue Anlagen pro Jahr errichten zu können. Das von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) genannte Ziel einer 100 Prozent erneuerbaren Stromversorgung bis 2030 sei ohne Windkraftausbau nicht zu erreichen.

Bei der Energie Burgenland betrage der Investitionsrückstau rund 250 Mio. Euro, so Unternehmens-Chef Michael Gerbavsits. Man habe fertige Projekte, "die nicht realisiert werden können". Eingereicht seien aktuell rund 50 Windräder mit einer installierten Kapazität von rund 150 MW. Die Energie Burgenland erzeuge mit rund 500 MW rund 1 Mrd. Kilowattstunden (kWh) Ökostrom. Geografisch sei der weitere Ausbau unter anderem auf der Parndorfer Platte geplant und auch im Mittelburgenland der eine oder andere Windpark.

Fördermillionen fließen in immer weniger Verträge

Windkraft-Simonsfeld-Vorstand Martin Steininger bezifferte das Investitionsvolumen für Anlagen, von den man nicht wisse, ob sie errichtet werden könnten, bis Jahresende mit rund 150 Mio. Euro.

Das Volumen der Förderungen für den Ausbau der Windkraft liegt aktuell bei rund 11,5 Mio. Euro. Dazu kommen noch Mittel aus einem sogenannten "Resttopf", der mit rund 15 Mio. Euro dotiert ist und der grundsätzlich allen Ökostrombetreibern zur Verfügung steht. Der Einspeisetarif für 2016 beträgt 9,04 Cent und 8,95 Cent für 2017. Zuvor waren es noch 9,27 Cent/kWh. Das Fördervolumen verteilt sich laut IG Windkraft auf immer weniger Verträge, unter anderem wegen der Marktpreisentwicklung und gestiegenen Regelenergiekosten.

Die IG Windkraft spricht sich zudem für eine umfassende Reform des Ökostromgesetzes aus, die dann auch einer EU-Notifizierung bedarf. "Aus unserer Sicht wären direkte Marktprämien eine marktorientierte Förderung", so Moidl. (apa/red)

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