Stahlindustrie

Österreichs Metallergewerkschaft gegen einen Blankocheck für den 12-Stunden-Tag

Bei kommenden KV-Verhandlungen sei die Verkürzung der Arbeitszeiten kein Thema, so die heimische Metallergewerkschaft. Die Flexibilisierung der Arbeitszeit sei "ausreichend". Schon jetzt sei ein 12-Stunden-Arbeitstag möglich, so Rainer Wimmer gegenüber dem ORF.

Die Metallergewerkschaft will die 35-Stundenwoche im Auge behalten, wenn die Digitalisierung weiter voranschreitet. Bei den Kollektivvertragsverhandlungen im Herbst sei eine Arbeitszeitverkürzung jedoch kein Thema. Die Flexibilisierung der Arbeitszeit sei "ausreichend", einen generellen 12-Stunden-Tag brauche man nicht, so der Obmann der PRO-GE, Rainer Wimmer, gegenüber dem ORF-Radiosender Ö1.

12-Stunden-Tag schon jetzt möglich

Schon jetzt sei mit der geltenden 38,5-Stunden-Woche unter gewissen Voraussetzungen ein 12-Stunden-Arbeitstag möglich, sagte Wimmer im Morgenjournal. "Das ist ausreichend, die Menschen können nicht Tag und Nacht arbeiten". Es gebe keinen Auftrag, der nicht abgearbeitet werden könne. Daher werde es auch keinen "Persilschein" für einen 12-Stunden-Arbeitstag geben.

Manche Arbeitgeber hätten derzeit noch Probleme mit der Freizeitoption für die Mitarbeiter. Thematisieren will Wimmer einen Rechtsanspruch auf Pflegekarenz. Auch eine deutliche Lohnerhöhung strebt er an: Die Arbeitgeber müssten ihr Börserl weiter aufmachen, damit bei den Arbeitnehmern mehr drinnen sei.

White Paper zum Thema

Vertreter der Unternehmen pocht auf internationalen Wettbewerb

Der Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Christian Knill, verweist auf die notwendige internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Natürlich brauchten die Mitarbeiter gute Gehälter, das werde in der Metaller-Branche auch schon umgesetzt. Aber "Klassenkampfrhetorik" sei Geschichte, die brauche man nicht, meint er im ORF-Morgenjournal.

Das im letzten Jahr mit der Gewerkschaft ausgearbeitete innovative Zeitkontenmodell werde jetzt in den Unternehmen erprobt und umgesetzt. Es fehle aber die gesetzliche Absicherung im Arbeitszeitgesetz, sagte Knill. Dass das Modell erst in nicht einmal 20 von 1.200 Betrieben umgesetzt werde, störe ihn nicht, es sei eben nicht bei jedem Unternehmen notwendig.

Deutschlands Metallergewerkschaft will weniger als 35 Stunden

Eine Diskussion um Arbeitszeitverkürzung, wie sie in Deutschland die IG Metall führen will, hält Knill für schädlich für den Standort. Allerdings sollte man sich die Lebensarbeitszeit anschauen: Jüngere Mitarbeiter könnten vielleicht mehr als 38,5 Stunden pro Woche arbeiten, ältere eher weniger.

In Deutschland hatte die IG Metall Ende Juni erklärt, sie bereite für die kommende Tarifrunde eine Forderung vor, die Wochenarbeitszeit bei Bedarf unter die geltenden 35 Stunden zu senken. Ihr schwebt ein Recht auf eine 28-Stunden-Woche für maximal zwei Jahre vor. Die konkrete Forderung will die IG Metall Ende Oktober beschließen. (apa/red)

Verwandte tecfindr-Einträge