Chemische Industrie

Österreichs Lackindustrie leidet unter Rohstoffsituation

Trotz der Coronakrise konnte die österreichische Lackindustrie im Jahr 2020 ihre Umsätze in etwa halten. Mit Ausnahme des Automobilbereichs konnte der Industriezweig die Verluste aus dem ersten Lockdown in der zweiten Jahreshälfte wieder wettmachen.

„Durch die einigermaßen zurückgekehrte Normalität über die Sommermonate konnte einiges aufgeholt werden, so dass sich die schlimmen Befürchtungen vom Anfang des Jahres, als mit Rückgängen von bis zu 25 Prozent des Umsatzes gerechnet wurde, nicht bewahrheiteten", so Hubert Culik, Obmann der österreichischen Lackindustrie, über die Entspannung in der Pandemie.

Die Branche verzeichnete einen leichten Rückgang der Produktion auf 168.000 Tonnen Lack- und Anstrichmittel. Der Gesamtumsatz lag bei 474 Millionen Euro. Ein erfreuliches Wachstum von 12,8 Prozent gab es bei den Exporten nach Deutschland, das der wichtigste Handelspartner der österreichischen Lackindustrie ist. Insgesamt wurden 2020 Lacke und Farben im Wert von 290 Mio. Euro aus Deutschland nach Österreich importiert und im Wert von 112 Mio. Euro exportiert.

Die Rohstofflage bleibt weiterhin prekär

Aktuell ist die Auftragslage der Branche sehr gut. „Sorge bereitet uns momentan die Rohstoffsituation“, äußert sich Culik zum Jahr 2021. „Durch den Konjunkturaufschwung in Südostasien kommen viele Rohstoffe gar nicht bis zu uns. Force Majeure-Fälle wie etwa bei Schlüsselrohstoffherstellern für Epoxidharze tragen ebenfalls zur angespannten Lage bei.“ Wenn es einem Unternehmen gelingt, die erforderlichen Rohstoffe einzukaufen, ist der Transport das nächste Hindernis. Denn zu allem Überdruss herrscht momentan auch noch eine Container- und Pallettenknappheit. Und auch die Preise für Verpackungsmaterialien wie Kunststoff und Stahl haben deutlich angezogen.

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Branche durch Chemikalienpolitik stark gefordert

„Die Branche befürchtet mit der von der EU veröffentlichten Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit eine noch strengere Regulierung von Stoffen“, bedauert Culik die zukünftige Lage. Da bereits jetzt die Umsetzung der komplexen Vorgaben durch die Chemikalienpolitik die Unternehmen – insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen – vor große Herausforderungen stellt, sind die umfassenden Maßnahmen der EU-Chemikalienstrategie kritisch zu bewerten. Die langjährige Forderung der Branche, bei der Chemikaliengesetzgebung den risikobasierten Ansatz zu wählen und nicht immer von der inhärenten Gefahr der Stoffe auszugehen, wird immer drängender.

Lackindustrie setzt auf Nachhaltigkeit

Europaweite Ziele zur Erhöhung der Recyclingquoten beschäftigen auch die österreichische Lackindustrie. Deshalb startete die Branche ein Leuchtturmprojekt, um ihre Gebinde für Farben von den Anwendern wieder zurückzuholen und zu recyceln. Ein weiteres Projekt der Branche sucht nach nachhaltigen Mitteln zur Konservierung von Farben. Durch den Wegfall von Wirkstoffen aufgrund der Chemikaliengesetzgebung droht gerade den umweltschonenden wasserbasierten Farben eine Aufbewahrung im Kühlschrank, wenn keine Alternativen gefunden werden.

Fachkräftemangel entgegenwirken

Um den Fachkräftemangel entgegenzusteuern, hat die Lackindustrie bereits vor ein paar Jahren im Lehrberuf Labortechnik ein eigenes Modul Lacktechnik erfolgreich etabliert. Für höherqualifizierte Fachkräfte bemüht man sich aktuell, im Studiengang „Applied Chemistry“ an der Fachhochschule Krems ein Wahlmodul „Surface Technology“ einzurichten. Diesen Sommer findet unter diesem Titel als Vorbereitung für das Modul ein 5-wöchiger universitärer Lehrgang statt. Studenten werden von der Lackindustrie großzügig finanziell unterstützt. (apa/red)