Industriekonjunktur

"Österreichs Industrie gegenüber negativen Einflüssen sehr widerstandsfähig"

Österreichs Industrie wird auch im kommenden Jahr expandieren, so Ökonomen der Bank Austria - allerdings langsamer als heuer. Die gute Nachfrage im Inland ersetzt dabei die leicht sinkende Nachfrage aus dem Ausland. Für 2019 erwarten die Konjunkturbeobachter ein weiter kräftiges Produktionsplus von drei Prozent.

Österreichs Industrie wird auch im kommenden Jahr expandieren, allerdings wird sich das Wachstumstempo abschwächen, erwarten die Ökonomen der Bank Austria. Im November stieg der Bank Austria EinkaufsManagerIndex gegen den europäischen Trend leicht, Inlandsaufträge hielten die Industrie in Schwung. Die seit Jahresbeginn laufende Abschwächung der Industriekonjunktur habe aber nur eine Pause gemacht.

Der Einkaufsmanagerindex (EMI) ist im November erstmals seit drei Monaten wieder gestiegen und lag bei 54,9 Punkten, teilte die Bank Austria am Mittwoch mit. In der Eurozone zeige der vorläufige Einkaufsmanagerindex ungebrochen eine Abwärtstendenz und liege aktuell bei 51,5 Punkten.

Auftragseingänge steigen - trotz sinkender Nachfrage aus dem Ausland

"Die heimische Industrie erweist sich gegenüber negativen externen Einflüssen als sehr widerstandsfähig", so Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer. Trotz weniger Auslandsaufträge sei das Neugeschäft insgesamt gestiegen, die Industriebetriebe hätten die Produktion angekurbelt und zusätzliche Beschäftigte aufgenommen. Die Nachfrage aus dem Ausland kühle sich ab, so Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl laut Pressemitteilung. Die Exportaufträge seien den zweiten Monat in Folge zurückgegangen, die starke Inlandsnachfrage habe im November die Einbußen mehr als kompensiert.

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Optimismus nimmt ab

Der Optimismus in der Industrie nehme aber ab, so die Bank Austria. Der Rückgang der Neuaufträge aus dem Ausland - als Folge der Verlangsamung des globalen Handels durch mittlerweile weniger unterstützende Finanzierungsbedingungen und eine zunehmend protektionistische Handelspolitik - werde in den kommenden Monaten voraussichtlich nicht mehr vollständig durch die Inlandsnachfrage kompensiert werden können.

Zudem sei die Auftragslage - obwohl im langjährigen Vergleich weiter sehr günstig - nicht mehr so gut wie zum vergangenen Jahreswechsel. Der Index für den Jahresausblick sei gegenüber dem Vormonat erneut gesunken und liege mit 51,8 Punkten auf dem niedrigsten Wert seit Anfang 2015.

Kräftiges Produktionsplus von drei Prozent erwartet - trotz Unsicherheiten

"Das Wachstumstempo der heimischen Industrie wird sich in den kommenden Monaten etwas verlangsamen, da eine Reihe politischer Unsicherheiten sowie der gestiegene Protektionismus die Aussichten für 2019 dämpfen", so Bruckbauer. Mit einem Produktionsplus um rund 3 Prozent werde die heimische Industrie im kommenden Jahr dennoch kräftig expandieren, wenn auch die Wachstumsraten der beiden Vorjahre nicht mehr erreichbar sein werden. Der Fahrzeugbau und die Elektroindustrie dürften sich überdurchschnittlich stark entwickeln. Für die Stahlindustrie sind die Aussichten für 2019 dagegen deutlich zurückhaltender.

Der Beschäftigungsaufbau habe sich im November gegenüber dem Vormonat beschleunigt, so die Bank Austria. Der entsprechende Indikator weise darauf hin, dass das Jobwachstum zwar mittlerweile geringer als zu Jahresbeginn sei, im langjährigen Vergleich jedoch weiterhin überdurchschnittlich stark ausfalle. "Für das Gesamtjahr 2018 rechnen wir mit einem Anstieg der Beschäftigten in der Sachgüterindustrie um mehr als 3 Prozent", so Pudschedl. Das entspreche fast 20.000 zusätzlichen Jobs gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote im Sektor werde von 4,4 auf 3,8 Prozent im Jahresdurchschnitt sinken und damit nur halb so hoch sein wie der erwartete Wert von 7,7 Prozent in der Gesamtwirtschaft. (apa/red)

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