Konjunktur

Österreichs Industrie fehlen immer mehr Facharbeiter

Die Investitionen in der heimischen Industrie seien auf einem Höchststand, meldet die Industriellenvereinigung Steiermark. Doch die Suche nach Fachkräften wird immer problematischer.

"2017 wird ein gutes Jahr" - so hat der steirische IV-Präsident Georg Knill die aktuelle Konjunkturlage für die Steiermark zusammengefasst. Die Investitionstätigkeiten der Unternehmen befänden sich auf einem Höchststand. Sie haben 2017 um 12,7 Prozent zugelegt, geht aus einer Studie der Joanneum Research hervor. Noch nicht zufrieden ist man jedoch mit der Ertragslage.

Bis zum Jahresende dürfte die steirische Industrie Bruttoanlageinvestitionen in der Höhe von rund 3,2 Mrd. Euro getätigt haben. Das entspreche einem Zuwachs von 12,7 Prozent im Vergleich zu 2016, hieß es beim Pressegespräch in Graz.

Besonders erfreulich: das Wachstum ist über alle Industriebereiche verteilt, schilderte Studienautor Eric Kirschner. Zu sehen war die Entwicklung bereits ab Mitte 2016. Die höchsten Zuwächse verzeichnen Unternehmen im Fahrzeug- und Maschinenbau. Die 3,2 Mrd. Euro bewirken der Studie zufolge eine Bruttowertschöpfung von 2,2 Mrd. Euro österreichweit und davon entfallen knapp 840 Mio. Euro auf die Steiermark.

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Die Beweggründe für die Investitionen sind vorrangig der Ersatz alter Anlagen oder Ausrüstungen mit dem Ziel einer Kapazitätsausweitung. Da liege die Steiermark über dem nationalen Schnitt. Klar erkennbar sei auch, dass besonders Unternehmen im Hochtechnologiebereich überproportional stark ihre Beschäftigung ausweiten. "Je mehr Technologie und Forschung und Entwicklung, desto mehr Beschäftigungszuwachs", sagte Kirschner. Er erkenne einen Strukturwandel in Richtung Hochtechnologie-Segment, der verbunden mit einem Beschäftigungsaufbau sei.

Gernot Pagger, Geschäftsführer der Industriellen Vereinigung Steiermark, präsentierte die Konjunkturumfrage für das dritte Quartal 2017. Sie wurde bei 57 Betrieben mit mehr als 41.000 Mitarbeitern im September und Oktober durchgeführt. Der Umfrage zufolge ist die Geschäftslage ansatzweise am Stand wie vor der Krise von 2008 und 2009. Auch die Auftragsbestände und die Auslandsaufträge steigen. Nicht zufriedenstellend sei aber die Ertragssituation. Die sei stagnierend bis leicht rückläufig: "Da haben wir noch Luft nach oben." Der Ertrag sei nicht mit der Geschäftslage mitangezogen.

Positiv entwickle sich dagegen der Beschäftigungsstand. Für die kommenden sechs Monate erwarten sich die Unternehmen eine Stabilisierung der Geschäftslage, doch die Ertragslage dürfte weiterhin angespannt bleiben. Das sei auf die internationale Preissituation zurückzuführen, denn da sei eher keine positive Entwicklung zu sehen, meinte Pagger.

Knill erklärte, dass das Wachstum vor allem vom Export und dem globalen Wachstum komme. Die steirische Industrie profitiere davon. Damit das "zarte Pflänzchen" weiter wachse, wünschte er sich von der neuen Regierung ein zeitgemäßes Arbeitszeitgesetz, weniger bürokratische Hürden vor allem beim Lohn- und Sozialdumpingbekämpfungsgesetz sowie eine Steuer- und Abgabenreduzierung.

Sorge bereite der steirischen Industrie die Verfügbarkeit von Fachkräften, so Knill. Da herrsche ein Engpass, der sich mittlerweile auch auf andere Unternehmensbereiche wie etwa Forschung und Entwicklung auswirke: "Weiterqualifizieren ist das Schlagwort." Er meinte, dass derzeit rund 2.000 qualifizierte Mitarbeiter in der steirischen Industrie gesucht werden, gleichzeitig aber tausende Menschen keinen Job haben. Deshalb müssten etwa bei der Mindestsicherung mehr Sach- statt Geldleistungen eingeführt und die zumutbaren Wegzeiten von zwei auf zweieinhalb Stunden erhöht werden. (apa/red)

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