Außenhandel

Österreichs Fachverbände: Linie Washingtons ist "zweigeteilt"

Vertreter der österreichischen Fachverbände für Stahl und Aluminium will keineswegs ausschließen, dass in Washington das letzte Wort gesprochen ist. Das Vorgehen dort sei "zweigeteilt" in offizielle Kommunikation - und dann die operative Ebene.

Nach der Verkündung von Strafzöllen auf US-Importe für Stahl und Aluminium lebt in Österreich noch die Hoffnung auf Ausnahmen. US-Präsident Donald Trump selber habe die Maßnahmen als nicht endgültig bezeichnet und auf weitere Gespräche verwiesen, sagte Roman Stiftner, Geschäftsführer der für Stahl und Aluminium zuständigen Fachverbände in der WKÖ, im Gespräch mit der APA.

Trumps Linie "zweigeteilt": Offizielle Kommunikationsebene - und dann die operative Ebene

Dieses Wochenende sollen bereits die Wirtschaftsgespräche beginnen. "Wir hoffen auf ein Einlenken und eine pragmatische Lösung", so Stiftner dazu. Er gehe davon aus, dass auch den Experten in den USA klar sei, "dass man sich mit solchen Zöllen leicht ins eigene Fleisch schneiden kann. Wir dringen sehr deutlich darauf, dass sich die Verantwortungsträger am Verhandlungstisch zusammenfinden".

Stiftner sieht die Lage "zweigeteilt": Die Kommunikationsart Trumps sei "neu und ungewöhnlich", zugleich agiere dieser aber "durchaus differenziert", operativ gebe es eine zweite Ebene. Schon die Ausnahmen für Mexiko und Kanada zeigten, dass Trump die Auswirkungen auf die nachgelagerte Industrie gut verstehe. "Das eine ist Rhetorik, das andere sind Maßnahmen. Wir werden sicherlich nicht mit derselben Rhetorik antworten".

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Flaggschiffe Voestalpine und Amag

Stiftner will sich auf keine Zahlen einlassen, wie stark österreichische Firmen betroffen sein könnten, nicht einmal auf Größenordnungen. Potentiell sind jeweils fünf Unternehmen der Stahlerzeugung und der Aluminiumindustrie betroffen, mit der Voestalpine bei Stahl und der AMAG bei Aluminium als Flaggschiffe.

Letztlich werde aber alles davon abhängen, welche konkreten "Zolltarifnummern" auf der Liste stehen, welche konkreten Produkte also mit Zöllen belegt werden.

Eckdaten zu Österreich

Eine Größenordnung für die Betroffenheit von Exporten aus Österreich gibt die Außenhandelsstatistik, wobei erst für die ersten neun Monate entsprechende Detailzahlen vorliegen.

Demnach betrugen die Ausfuhren für "Eisen und Stahl" in die USA von Jänner bis September 2017 insgesamt 176 Mio. Euro. Hier ist aber auch Eisen enthalten, das auseinanderzudividieren ist nicht einfach. Die Ausfuhren von "Aluminium und Waren daraus" machten 125 Mio. Euro aus.

Allerdings ist noch unklar, welcher Teil dieser Produkte von den Zöllen betroffen ist. Außerdem exportieren gerade große Firmen wie die Voest auch aus nicht-österreichischen Werken in die USA, diese Warenströme sind hier auch nicht erfasst.

Harte Gegenschritte als letzter Ausweg

So sehr Stiftner jetzt für eine Reaktion "mit kühlem Kopf" plädiert - sollte es keine Einigung am Verhandlungstisch geben, dann müsse die EU entsprechend reagieren. "Sollten die Zölle wie angekündigt eingeführt werden und unsere Hoffnung auf eine pragmatische Lösung in den nächsten Tagen nicht erfüllt werden, dann ist die logische Konsequenz Reziprozität". Da unterstützte er die angekündigten Gegenmaßnahmen der EU. (APA/red)

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