Elektroindustrie

Österreichs Elektroindustrie erwartet überdurchschnittliches Plus

In der heimischen Elektroindustrie stehen die Zeichen auf Wachstum: Eine Analyse der Bank Austria rechnet für heuer mit einem Plus von mindestens acht Prozent. Allerdings hat diese Branche weiter einen sehr großen Anteil am österreichischen Außenhandelsdefizit.

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In der heimischen Elektroindustrie stehen die Zeichen auf Wachstum, einzelne Segmente wie etwa die Halbleiterhersteller und die Erzeuger von Ausrüstungen für die E-Wirtschaft, von Medizintechnik oder E-Motoren entwickeln sich überdurchschnittlich. Unter dem Strich steht heuer ein Produktionszuwachs von "zumindest acht Prozent" ins Haus, heißt es in einem Branchenbericht der UniCredit Bank Austria.

Die Ökonomen attestieren der Elektroindustrie dank der guten Wirtschaftsentwicklung "weiter kräftiges Wachstum" und sprechen von einer "Nachfrageerholung auf breiter Front". 2016 hatte die Branche mit einem Produktionsplus von 9,7 Prozent allerdings noch stärker zugelegt. 2018 werde - angesichts der optimistischen Prognosen für das Wachstum in wichtigen Absatzmärkten im Ausland - voraussichtlich "wenig an Tempo eingebüßt".

Um knapp drei Prozent mehr Beschäftigte

Die "sehr gute Konjunkturentwicklung" habe heuer bis September ein hohes Beschäftigungswachstum von 2,8 Prozent bis September ausgelöst. Im Oktober hätten sich die Einschätzungen der Betriebe zur weiteren Entwicklung betreffend Mitarbeiterzahl sogar weiter verbessert.

Daher sei auch von anhaltend hohen Wachstumsraten bis Jahresende auszugehen. Im Jahresdurchschnitt biete die Branche knapp 69.000 Arbeitsplätze - das sind fast 12 Prozent aller Industriearbeitsplätze. Der Anteil liegt dem Bericht zufolge über dem Wert der vergangenen zehn Jahre.

Bauteile und Leiterplatten besonders profitabel

Besonders positiv entwickeln sich den Angaben zufolge die Hersteller elektronischer Bauteile und Geräte - sie seien "so optimistisch wie zuletzt Mitte 2012". Den größten Umsatzsprung machte hier heuer bis Juli die Halbleiterindustrie mit einem Plus von 31 Prozent - 2016 hatte sie bereits einen deutlichen Zuwachs von 20 Prozent erzielt. In den ersten sieben Monaten 2017 beliefen sich die Verkaufserlöse mit elektronischen Bauelementen und bestückten Leiterplatten auf 3,3 Mrd. Euro - das waren 17 Prozent des gesamten Branchenumsatzes.

Markant höhere Umsätze erzielten den Angaben zufolge auch die Hersteller von Medizintechnik, von Batterien und Akkumulatoren sowie von E-Motoren und sonstiger Geräte für die Energiewirtschaft. Die Erzeuger von Ausrüstungen für die E-Wirtschaft sind mit einem Umsatzanteil von rund 38 Prozent die größte Sparte der Elektroindustrie.

Unterhaltungselektronik: Westliche Hersteller verschwinden einfach

Mit weniger Umsatz als im Vorjahr mussten sich hingegen die Produzenten von Informationstechnik, Unterhaltungselektronik und elektrischen Haushaltsgeräten abfinden. IT-Geräte sind langfristig betrachtet günstiger geworden.

"In dem Segment sind kostengünstige Produktionen in großen Stückzahlen ein essenzieller Wettbewerbsfaktor und die Hersteller aus vielen Hochlohnländern längst verschwunden", erklärte Bank-Austria-Ökonom Günter Wolf. Die stark steigende Produktnachfrage müsse daher über Importe gedeckt werden. Das zeigten auch die wachsenden Außenhandelsdefizite ganz klar.

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Sehr großer Anteil am österreichischen Außenhandelsdefizit

Das Defizit der Elektronikindustrie in der Außenhandelsrechnung betrug im abgelaufenen Jahr 760 Mio. Euro; der Fehlbetrag mit Computern, Telefonen und sonstiger Unterhaltungselektronik summierte sich auf 2,4 Mrd. Euro - das war fast die Hälfte des gesamten österreichischen Außenhandelsdefizits. In diesem Elektroniksegment standen Exporte in Höhe von 3,6 Mrd. Euro deutlich höheren Importen von 6 Mrd. Euro gegenüber. Abgefedert wurde der Fehlbetrag durch die Exportüberschüsse in fast allen anderen investitionsgüternahen Sparten der Elektro- und Elektronikindustrie. Produkte für die E-Wirtschaft bilanzierten beispielsweise mit einem Überschuss von 1,1 Mrd. Euro, Leiterplatten, passive Bauteile, Energiespeicher und elektrische Fahrzeugausrüstungen lieferten 850 Mio. Euro und integrierte Schaltungen, Medizintechnik sowie Mess- und Prüfgeräte 437 Mio. Euro.

Forschungsquote über acht Prozent

Die österreichischen Betriebe der Branche setzen auf Forschung und Entwicklung (F&E). Dafür wenden sie immerhin 8,3 Prozent des Umsatzes auf - der EU-Durchschnitt liegt bei nur weniger als 5 Prozent. (apa/red)