Anlagenbau

Österreichischer Milliardär Stumpf verkauft Anteile am Infineon-Zulieferer Exyte

Der österreichische Milliardär Georg Stumpf verkauft einen Minderheitsanteil am deutschen Spezial-Anlagenbauer Exyte, der Kunden wie Infineon, ASML oder Micron beliefert. Der Börsengang könnte ein Volumen von einer Milliarde Euro erreichen.

Exyte ist auf Reinräume für die Chip-Produktion spezialisiert und beliefert unter anderem Infineon - hier dessen Reinraum in Villach.

Der deutsche Spezial-Anlagenbauer Exyte, der dem Österreicher Georg Stumpf gehört, nimmt Kurs auf einen möglicherweise milliardenschweren Börsengang. Noch in diesem Jahr solle ein "bedeutender Minderheitsanteil" bei neuen Aktionären an der Frankfurter Börse platziert werden, teilte das Unternehmen mit. Exyte stellt vor allem staub- und partikelfreie Reinräume für die Chip-Produktion her.

Finanzkreisen zufolge will Stumpf im Oktober Aktien um bis zu eine Milliarde Euro auf den Markt werfen. Begleitet wird der Börsengang federführend von der Bank of America Merrill Lynch und UBS. Angestrebt werde ein Börsenwert von 2,5 bis 3 Mrd. Euro, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

Georg Stumpf stieg 2009 ein

Der Erlös gehe komplett an den bisherigen Alleinaktionär, den österreichischen Milliardär Georg Stumpf. Der Unternehmer wolle 25 bis 30 Prozent abgeben. Er war 2009 bei der damaligen M+W Group eingestiegen, einer ehemaligen Jenoptik-Tochter. Deren Kerngeschäft - die Produktion von Chipfabriken, Datencentern und Anlagen für die Pharmaindustrie, firmiert seit August unter dem Namen Exyte.

White Paper zum Thema

Exyte profitiere vom wachsenden Bedarf an Halbleitern etwa für Datencenter, Internet-Medien und das autonome Fahren, unabhängig von den Preisschwankungen, sagte Vorstandschef Wolfgang Büchele zu Reuters. "Unser Wachstum wird deshalb weitergehen." Geld für Zukäufe brauche Exyte nicht, erklärte Büchele, der bis vor zwei Jahren Chef des Industriegase-Konzerns Linde war. "Ergänzende Akquisitionen zu unseren drei Kerngeschäftsfeldern können wir aus dem Cash-flow finanzieren."

Zulieferer von Infineon: Eckdaten zu Exyte

Das schwäbische Unternehmen mit 4.800 Mitarbeitern will in diesem Jahr kräftig wachsen. Der Umsatz soll auf mehr als 3,5 (2017: 2,4) Milliarden Euro steigen, nach sechs Monaten waren es 1,7 Milliarden. Der Auftragseingang summierte sich von Jänner bis Juni auf drei Milliarden Euro.

"Wir sehen seit längeren einen deutlichen Bedarf an zusätzlichen Chipfabriken", sagte Büchele. Zu den Kunden von Exyte zählen Halbleiter-Konzerne wie ASML, Infineon und Micron. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) soll 2018 auf mehr als 160 (108) Mio. Euro steigen, nach sechs Monaten waren es 82 Mio. Euro. Finanzkreisen zufolge will Exyte 25 bis 30 Prozent des Nettogewinns als Dividende ausschütten.

Aktuell zu Infineon:
Europäischer Gerichtshof will Strafe gegen Infineon nochmal überprüfen
Infineon Österreich: "Schönste Entwicklungsgeschichte am Standort" >>  
Diese Unternehmen sind die wissbegierigsten Österreichs >>

Der vierte große Börsengang in Frankfurt

Exyte ist der vierte Börsengang in Frankfurt, der für dieses Jahr noch angekündigt ist. Bisher stehen der Online-Möbelhändler Westwing, der Elektroroller-Hersteller Govecs und der Zug- und Lkw-Zulieferer Knorr-Bremse auf der Liste. Wenn sich ihre Erwartungen erfüllen, könnte das Jahr 2018 für Börsengänge mit einem Emissionsvolumen von bis zu zwölf Milliarden Euro so gut werden wie seit 18 Jahren keines mehr. Aktuell dazu: Traditionsunternehmen Knorr-Bremse geht an die Börse >>

Allein Knorr-Bremse-Mehrheitseigentümer Heinz Hermann Thiele will drei Milliarden Euro oder mehr erlösen. Im ersten Halbjahr hatten elf Neulinge im streng regulierten Prime Standard mehr als 7,2 Mrd. Euro eingesammelt, allen voran die Siemens-Tochter Healthineers mit 4,2 Mrd. Euro. Den Rekord hält das Jahr 2000 mit mehr als 14 Mrd. Euro. (reuters/apa/red)

Verwandte tecfindr-Einträge