USA

Österreichischer Delegierter: Strafzölle sind "nicht der Untergang der Welt"

Die Geschäfte österreichischer Firmen in den USA laufen derzeit blendend, sagt der Wirtschaftsdelegierte Michael Friedl. Auch die neuen Strafzölle auf Stahl und Aluminium seien für Österreich "nicht angenehm, aber es ist nicht der Untergang der Welt."

Die Geschäfte der in den USA niedergelassenen Firmen laufen derzeit blendend, sagt der österreichische Wirtschaftsdelegierte in New York, Michael Friedl. Die seit 1. Juni geltenden US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte seien für Österreich "nicht angenehm, aber es ist nicht dramatisch, es ist nicht der Untergang der Welt", sagte Friedl bei einem Pressegespräch in Wien.

Die österreichischen Exporte in die USA sind im vergangenen Jahr um 10,7 Prozent gewachsen, nach einem Plus von 16,2 Prozent im Jahr davor. Nur ungefähr 5 Prozent der österreichischen Exporte in die USA seien von den Stahl- und Aluminiumzöllen betroffen, sagte Friedl. "Wenn es dadurch einen Exportrückgang gibt, rechnet man mit 1,5 Prozent", das durchschnittliche jährliche Exportwachstum würde also von rund 8 Prozent auf 6,5 Prozent gedrückt.

Der Autoindustrie droht Ungemach

Schmerzlicher wären die von US-Präsident Trump angedrohten Zölle auf Autoimporte aus Europa. "Wir exportieren in die USA ungefähr 1,8 Mrd. Euro, die irgendwie mit Automobilen zu tun haben", so Friedl. "Wenn wir davon ein Viertel verlieren, sind das auch schon 450 Millionen. Das tut mehr weh, dann bleibt der Export vielleicht gleich."

White Paper zum Thema

Das Handelsvolumen zwischen Österreich und den USA mache inklusive Dienstleistungen fast 18 Mrd. Euro aus, sagte Friedl. "Mit den USA haben wir auch den höchsten Handelsbilanzüberschuss mit einem Land, nämlich in Höhe von 3,85 Mrd. Euro. Das ist etwas, was wir dem Trump nicht erzählen, weil er möchte keine Länder, die einen Handelsbilanzüberschuss haben." Was man aber gerne erzähle: Österreichische Firmen haben in den USA ungefähr 700 Niederlassungen, die 38.000 Jobs schaffen. Etwa ein Drittel dieser Niederlassungen produziere auch in den USA.

Im Südosten der USA - North und South Carolina, Georgia - seien die Hotspots für Investitionen, dort hätten die Österreicher etwa 180 Niederlassungen. Er habe vor kurzem 20 davon besucht, "und 19 von 20 haben gesagt, das Geschäft geht so gut wie noch nie. Die Nr. 20 hat gesagt, das Geschäft ist stabil geblieben, aber auf einem hohen Niveau."

Gewinne steigen massiv - Gehälter stagnieren seit den 1980ern

Aber auch der US-Wirtschaftsmotor selbst brummt. Die Wirtschaftsleistung ist 2017 um 2,3 Prozent gewachsen und dürfte heuer um 2,6 Prozent zulegen. Jeden Monat werden rund 200.000 neue Jobs geschaffen, es gibt fast Vollbeschäftigung - die Arbeitslosigkeit wird nach Einschätzung der Economist Intelligence Unit von 4,4 Prozent im Vorjahr heuer auf 3,8 Prozent weiter zurückgehen. Es werde allerdings erwartet, dass sich das Wachstum ab 2019 wieder abschwächen werde. Es habe nun schon längere Zeit fast Vollbeschäftigung ohne Lohnzuwachs gegeben, jetzt würden auch die Löhne anziehen. "Es werden jetzt Leute mit Traumgagen gebraucht, um Lastwägen mit Sondermüll von einem Ort zum anderen zu bringen."

Obwohl die Wirtschaftskennzahlen der USA sehr gut seien, müsse man bedenken, dass die Verteilung dieses Wohlstandes sehr unterschiedlich sei. "Es gibt Berechnungen, die sagen, wenn man die Inflation berücksichtigt, dass eine typische Familie in Ohio jetzt dasselbe verdient, was sie in den späten 80er-Jahren verdient hat."

Widerstand gegen Strafzölle auch in den USA

US-Präsident Donald Trump habe seine Zollerhöhungen auch gegen den Widerstand der US Chamber of Commerce und der Agroverbände durchgesetzt, sagte Friedl. Sollten die daraus resultierende Verteuerung von Importgütern durch neue Importquellen oder geringere Unternehmensgewinne abgefedert werden, "wird es vielleicht gar keinen Backlash geben, dann werden vielleicht die Leute sogar sagen: Gut, dass er das gemacht hat, er hat die EU in die Knie gezwungen. Als Österreicher würde ich mir jetzt vielleicht noch ein paar Flaschen Bourbon und eine Harley Davidson kaufen."

"Als Österreicher würde ich mir jetzt eine Harley Davidson kaufen"

Trump habe in bisher 502 Tagen Amtszeit etliche seiner Wahlversprechen umgesetzt, sagte Friedl. "Er hat eine umfassende Steuerreform durchgebracht, die erste seit Ronald Reagan in den 80er-Jahren." Trump habe außerdem Deregulierungen angefangen, "er macht das zum Teil auf eine eher dramatische Art und Weise, indem er in bestimmte Ministerien Leute setzt, die eigentlich gegen dieses Ministerium sind und dieses Ministerium zum Teil von innen auflösen". Beispiele dafür seien die Umweltbehörde oder das Energieministerium. Auch im Justizwesen habe Trump seine Kandidaten großteils durchgesetzt.

Trumps Budgetentwurf sehe mehr Mittel für das Militär vor und weniger für Außenpolitik, Arbeitsmarkt und Gesundheitspolitik. Wahr gemacht habe er auch seine Ankündigung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.

Mehr Geld für Militär, weniger für den Arbeitsmarkt

Bei den angekündigten Infrastruktur-Investitionen in Höhe von 1.000 Mrd. Dollar, die durch PPP-Projekte hätten aufgebracht werden sollen, sei hingegen noch gar nichts passiert, sagte Friedl. Die Aufhebung von Obamacare sei Trump nur zum Teil gelungen, und von der Mauer an der Grenze zu Mexiko gebe es bisher nur ein paar Prototypen.

Dennoch würden Trumps Beliebtheitswerte nur um 5 bis 8 Prozentpunkte unter jenen anderer Präsidenten zur gleichen Zeit liegen, sagte Friedl. Mit 87 Prozent Zustimmung in seiner eigenen Partei habe er historisch gesehen sogar den zweitbesten Wert erreicht - nach George W. Bush kurz nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001. (APA/red)