Internationale Märkte

Österreich und Vietnam wollen Wirtschaftsbeziehungen stärken

Derzeit haben 30 österreichische Unternehmen Niederlassungen in Vietnam, die Beziehungen zum Land entwickeln sich Kanzler Kurz zufolge "sehr, sehr positiv". Beide Länder vereinbaren nun eine engere Kooperation.

Im Bild: Die vom Vorarlberger Konzern Doppelmayr gebaute Seilbahn über die Halong-Bucht in Vietnam.

Im Vorfeld des Asien-Europa-Treffens (ASEM) in Brüssel haben Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und der vietnamesische Premierminister Nguyen Xuan Phuc beschlossen, die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder weiter zu stärken. "Die Wirtschaftsbeziehungen entwickeln sich sehr, sehr positiv in beide Richtungen", lobte Kurz nach einem gemeinsamen Arbeitsgespräch im Bundeskanzleramt.

Bei dem Treffen sei es um politische Fragen, kulturelle Kooperationen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit gegangen, hieß es. Der Kanzler bedankte sich für "über fünf Jahrzehnte exzellente bilaterale Beziehungen zwischen Vietnam und Österreich" und äußerte die Hoffnung, dass der Besuch ein "Startpunkt" sei, um die guten Beziehungen weiter zu stärken. Es gebe noch "Luft nach oben", sagte er vor Journalisten.

Kanzler Kurz: Interesse in der heimischen Wirtschaft

30 österreichische Unternehmen hätten derzeit Niederlassungen in Vietnam, so Kurz. Sie seien zufrieden und wollten teilweise ihr Engagement sogar verstärken, freute er sich mitteilen zu können. Andere Unternehmen hätten Interesse, in Vietnam tätig zu werden. "Wir haben darüber hinaus natürlich auch Interesse an einem Dialog zu Fragen der Rechtsstaatlichkeit, der Demokratie, der Menschen- und Bürgerrechte", ergänzte Kurz.

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Premierminister Nguyen Xuan Phuc drückte ebenfalls seine Wertschätzung für die Zusammenarbeit mit Österreich aus. Gemeinsam mit den österreichischen Unternehmern in Vietnam bildeten die rund 5.000 in Österreich lebenden Vietnamesen "Brücken" zwischen den beiden Ländern, ergänzte er und sprach eine Einladung nach Vietnam an Bundeskanzler Kurz aus. Den indirekten Vorwurf eines Journalisten, dass es sich bei der Sozialistischen Republik Vietnam um eine kommunistische Diktatur handle, wies der vietnamesische Regierungschef zurück. Die Verfassung schütze die Menschenrechte, sagte er.

Kurz betonte, dass es "sinnvoll und richtig" sei, befreundete Staaten freundlich zu empfangen. Das heiße nicht, dass man zu "gewissen Themen", wo man unterschiedlicher Meinung sei, schweige. Auch über Bürgerrechte und unterschiedliche Interpretationen sei bei dem Treffen gesprochen worden. "Sie wissen, wir sind der Meinung, dass Rechtsstaatlichkeit, Demokratie die Basis für jedes gelungene Zusammenleben in Freiheit ist - und das sollte nicht nur in Europa, sondern überall auf der Welt gelten", so Kurz.

Als Rahmen für zukünftige Kooperationen in den Bereichen Wirtschaft und Bildung wurden zwei Vereinbarungen unterzeichnet. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) und der vietnamesische Minister für Industrie und Handel, Tran Tuan Anh, unterzeichneten ein "Memorandum of Understanding", das die Kooperation in den Bereichen E-Commerce und Industrie 4.0 verstärken soll.

Auch das bestehende "Memorandum of Understanding über die Kooperation im Bereich Wissenschaft und Forschung" wurde von Pham Cong Tac, Vizeminister für Wissenschaft und Forschung, und Jakob Calice, Generalsekretär im Bildungsministerium, verlängert. Damit werde für weitere acht Jahre die Basis für die Durchführung des bilateralen Förderprogrammes gelegt, teilte das Bundeskanzleramt schriftlich der APA mit.

Des Weiteren wurde ein Kreditabkommen von Do Hoang Anh Tuan, Vizeminister für Finanzen, und Peter Lennkh, Mitglied des Vorstands der Raiffeisen Bank International, unterzeichnet. Dadurch sollen im Rahmen der österreichischen Ausfuhrförderung über 25 Millionen Euro für ein Vamed-Krankenhausprojekt zur Modernisierung der medizinischen Ausstattung des Cho Ray Zentrums für Onkologie bereitgestellt werden.

Im Laufe des Besuchs sollte Nguyen Xuan Phuc im Rahmen seines Österreichbesuchs zudem mit Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) und später mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen und dem Präsidenten der Wirtschaftskammer (WKÖ), Harald Mahrer, zusammentreffen. Am Dienstag steht eine Begegnung mit der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) auf dem Programm. (apa/red)