Energie

Ölpreise unter der Marke von 70 Dollar - obwohl Förderer kürzen wollen

Die Ölpreise haben trotz der laufenden Debatte über Produktionskürzungen nachgegeben. Der Preis für ein Fass der Sorte Brent ist zuletzt unter die Marke von 70 Dollar gesunken.

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Die Ölpreise haben am Dienstag trotz einer am Wochenende angestoßenen Debatte über Produktionskürzungen nachgegeben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete in der Früh 69,40 US-Dollar (61,61 Euro). Das waren 72 Cent weniger als am Montag. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 78 Cent auf 59,15 Dollar.

Die Ankündigung des Öl-Giganten Saudi-Arabien, seine Ölausfuhren im Dezember zu reduzieren, sowie dessen Forderung weitergehender Produktionskürzungen sind auf Widerspruch von US-Präsident Donald Trump gestoßen. Am Montagabend drückte Trump über den Nachrichtendienst Twitter seine Hoffnung aus, dass Saudi-Arabien seine Produktion nicht kürzen werde. "Die Ölpreise sollten angesichts des Angebots viel niedriger sein!", twitterte der Präsident.

Am Wochenende und zum Wochenauftakt hatten Saudi-Arabien, das von ihm faktisch geführte Ölkartell OPEC sowie weitere große Förderer zwiespältige Signale ausgesendet. Während Saudi-Arabien eine Produktionskürzung um eine Million Barrel je Tag ins Gespräch brachte, äußerte sich der zweite Öl-Riese Russland wesentlich zurückhaltender. Ob der OPEC-Plus-Verbund, zu dem neben der OPEC auch andere Förderer wie Russland gehören, seine Förderung im nächsten Jahr tatsächlich zurückfahrt, ist daher ungewiss.

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Saudi-Arabien will nach Kursrutsch Rohöl-Produktion drosseln

Der weltgrößte Ölproduzent Saudi-Arabien will die Talfahrt bei den Rohölpreisen mit einer Drosselung der Fördermenge stoppen. Energieminister Khaled al-Faleh kündigte am Montag eine Verringerung der Produktion um 0,5 Millionen Barrel pro Tag ab Dezember an. Gemeinsam mit den weiteren Förderländern sei zur Stabilisierung des Ölpreises eine Reduktion um insgesamt eine Million Barrel pro Tag nötig.

Eine "technische Analyse" habe ergeben, dass eine Million Barrel pro Tag weniger erforderlich sei, um den "Markt zu stabilisieren", sagte al-Faleh auf einer Konferenz in Abu Dhabi. Dort waren bereits am Sonntag die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und weitere Produzenten wie Russland zusammengetroffen. Sie hatten erklärt, dass "neue Strategien" zur Anpassung der Produktion nötig seien, da das Angebot derzeit die Nachfrage übersteige.

Ölpreis stark gesunken

Hintergrund ist der zuletzt stark gesunkene Rohölpreis. Am Freitag notierte er erstmals seit April unter 70 Dollar (61,7 Euro) pro Barrel (159 Liter) - seit Oktober hat ein Fass Rohöl damit ein Fünftel seines Wertes eingebüßt. Al-Faleh sagte in Abu Dhabi, die Lagerbestände seien hoch, "und die 25 Förderländer werden nicht zulassen, dass sich das fortsetzt".

Als Grund für den gegenwärtigen Preisverfall gelten neben dem großen Angebot an Rohöl auch die bisher relativ geringen Auswirkungen der Anfang November in Kraft getretenen US-Sanktionen gegen den Iran, die vor allem den Finanz- und Ölsektor des drittgrößten OPEC-Produzenten treffen sollen. Allerdings gewährten die USA Ausnahmen für acht Länder - sie dürfen trotz der Sanktionen weiter Öl vom Iran kaufen. Dazu gehören große Abnehmer wie China und Indien.

Massiver Anstieg

Nicht zuletzt in Erwartung dieser Sanktionen hatte der Ölpreis im Jahresverlauf kräftig zugelegt: Nachdem er zunächst Ende September auf den höchsten Stand seit vier Jahren kletterte, riss er Anfang Oktober die Marke von 85 Dollar pro Barrel. Unmut schürte dieser Preisanstieg auch bei US-Präsident Donald Trump. Er rief den US-Verbündeten Saudi-Arabien und die OPEC auf, für niedrige Preise zu sorgen. Ende September beschlossen die Förderländer allerdings, die Förderung nicht auszuweiten.

Nach der Ankündigung Saudi-Arabiens stiegen die Ölpreise am Montag wieder an. Am Mittag notierte ein Fass der Sorte Brent in London bei knapp 71 Dollar. Die Spritpreise in Deutschland könnten damit womöglich weiter steigen. So zahlten Verbraucher am Montagnachmittag dem Portal tanke-guenstig.de zufolge etwa in Baden-Württemberg 1,61 Euro für einen Liter Super und 1,52 Euro für einen Liter Diesel. In Schleswig-Holstein waren es hingegen nur 1,47 Euro beziehungsweise 1,34 Euro.

Klimawandel schlägt direkt auf Spritpreise durch

Dass die Preise für Verbraucher derzeit regional so verschieden ausfallen, hat mit dem anhaltenden Niedrigwasser vieler Flüsse zu tun, das den Transport von Öl und Kraftstoffen via Schiff vor allem im Süden Deutschlands und in Österreich erschwert und verteuert. (afp/dpa/apa/red)