Energie

Ölpreis dürfte massiv steigen: 5 Antworten zu Sanktionen gegen den Iran

US-Sanktionen gegen den Iran bringen den Ölmarkt durcheinander. Den Ausfall werden auch Saudi-Arabien und Russland nicht ausgleichen können. Wer hat welche Position - und welche Entwicklung ist zu erwarten? Hier die wichtigsten Antworten.

Die Sanktionen der USA gegen den Iran bringen den sorgsam austarierten Ölmarkt durcheinander. Experten gehen davon aus, dass die Preise steigen werden. Der Iran ist der drittgrößte Ölproduzent in der Organisation erdölexportierender Länder (Opec).

(1) Wie ist die politische Situation einzuschätzen?

Seit dieser Woche ist der Iran mit nach eigenen Angaben "härtesten Wirtschaftssanktionen" der USA konfrontiert. hat Teheran angekündigt, sich über diese hinwegsetzen zu wollen: "Amerika wollte Öl-Verkäufe des Iran auf null kürzen. Aber wir werden unser Öl weiter verkaufen und die Sanktionen brechen", so Präsident Hassan Rouhani.  

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Die Strafmaßnahmen wurden nach dem in Wien 2015 augehandelten Atomabkommen aufgehoben. Jetzt gelten sie wieder. Die Sanktionen sollen die Ölindustrie, den Finanzsektor und die Transportbranche mit den wichtigen Häfen treffen. Damit wollen die USA den Iran zwingen, den Atomdeal neu zu verhandeln, bei militärischen Raketen abzurüsten und seinen Einfluss in Ländern wie Syrien und dem Libanon aufzugeben. Trump hatte das Abkommen im Mai aufgekündigt.

(2) Wie viel Öl liefert Iran für den Weltmarkt?

Iran exportierte im April, bevor US-Präsident Donald Trump die Sanktionen ankündigte und Käufer abschreckte, rund 2,5 Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) pro Tag. Mittlerweile sind es Schätzungen zufolge noch 1,6 Millionen Barrel am Tag.

Zwar haben die USA ihre harte Forderung nach einer Reduzierung auf null schon abgemildert - Außenminister Mike Pompeo kündigte mittlerweile Ausnahmen für acht Länder an. Doch "Washington wird sich nur mit einer deutlichen Absenkung der Exporte zufrieden geben", sagt UBS-Analyst Giovanni Staunovo. Er rechnet mit steigenden Preisen auf dem Weltmarkt.

(3) Gelten die Sanktionen für alle Importeure des iranischen Öls?

Nein. Die Regierung in Washington will in Kürze Details zu den Sanktionen bekanntgeben. Um eine Destabilisierung des Ölpreises zu verhindern, sollen für acht Länder vorübergehend Ausnahmen gelten. Das heißt: Diese Länder dürfen weiter Öl aus dem Iran kaufen.

Südkorea teilte mit, es sei einer dieser Staaten. Darüber hinaus wird damit gerechnet, dass unter anderem auch China, Indien, Japan und der Türkei von den Sanktionen nicht betroffen sein dürften. Sie alle zählen zu den größten Abnehmern iranischen Öls.

Der Irak hat bereits mitgeteilt, dass er weiter Erdgas und Lebensmittel aus dem Iran beziehen darf. Bedingung dafür sei, dass die Lieferungen nicht in US-Dollar bezahlt würden. Die EU will einen neuen Mechanismus einrichten, der Zahlungen für iranische Öl-Exporte vereinfachen soll. Allerdings dürfte er erst ab Anfang kommenden Jahres greifen.

(4) Wie reagiert der Ölpreis?

Seit Ankündigung der Sanktionen gegen den Iran war der Ölpreis stetig gestiegen - ein vorläufiges Hoch erreichte er Anfang Oktober bei über 85 Dollar (knapp 75 Euro) pro Barrel. Mehr dazu: Ölpreis: Anstieg auf 90 Dollar wegen Iran-Sanktionen möglich >>

Eine Rolle spielten dabei auch die Wirtschaftskrise in Venezuela, das als Lieferant fast komplett ausfällt, und der Entschluss der Ölförderländer im September, die Förderung nicht auszuweiten. Seitdem ist der Ölpreis sogar wieder gefallen, und zwar um fast 15 Dollar. Das liegt vor allem an den Ausnahmen, die Washington bereit ist zu gewähren.

(5) Was können die anderen Ölförderländer ausgleichen?

Trump hat mehrfach deutlich gemacht, dass er von seinem Verbündeten Saudi-Arabien, dem weltweit größten Produzenten, eine Steigerung der Ölexporte erwartet. Saudi-Arabien ist nach Expertenangaben der einzige Produzent, der seine Förderung schnell und nennenswert erhöhen kann. Joel Hancock sagt, "binnen 30 Tagen" seien 300.000 Barrel am Tag mehr möglich. Derzeit fördert das Land unter elf Millionen Barrel am Tag - eine Steigerung auf zwölf Millionen Barrel pro Tag sei zwar möglich, "aber nur, wenn sie investieren".

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Auch Samir Madani von der Firma TankerTracker.com in Stockholm, die den Tankerverkehr weltweit verfolgt, sagt: "Die Produktion Saudi-Arabiens stagniert derzeit bei zehn oder 10,2 Millionen Barrel am Tag." Stark gesteigert habe aber der Irak seine Produktion - auf 4,2 Millionen Barrel am Tag.

Die irakische Zentralregierung hat die Fördermenge ausgeweitet, seitdem sie die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) vergangenes Jahr besiegt hat. Die Extremistengruppe hatte 2014 große Teile des Landes erobert, darunter mehrere Ölfelder.

(Von Joseph Sotinel, AFP mit Reuters/dpa/apa/red)

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